Wie Jugendkriminalität entsteht - Fachtagung der Polizeifachhochschule Fürstenfeldbruck

Angeheizt durch Medienberichte über spektakuläre Fälle hat das Thema „Jugendkriminalität“ in der öffentlichen Diskussion einen besonders hohen Stellenwert erfahren. Über die „Kriminologischen Erkenntnisse zu Formen, Ursachen und Prävention von Jugendkriminalität“ referierte Dr. Wiebke Steffen vom Bayerischen Landeskriminalamt, im Rahmen einer Fachtagung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern – Fachbereich Polizei (FHVR) – am vergangenen Donnerstag in der Aula der FHVR in Fürstenfeldbruck.

Der durch die Berichterstattung von Einzelfällen verursachte Eindruck, Jugendgewalt nähme dramatisch zu, lasse sich mit den vorliegenden empirischen Befunden nicht belegen, so Dr. Steffen, die seit 1997 Vorsitzende der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes ist. „Verlässliche Anhaltspunkte für eine zunehmende Brutalisierung junger Menschen sind aus den Statistiken nicht zu entnehmen“, sagte Dr. Steffen. Die Expertin der Kriminalprävention räumte ein, dass es aber noch spezifische Handlungsfelder gebe, die Besorgnis erwecken. Dazu zählen neben den Integrationsproblemen bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund die Gefahren durch frühen Alkohol- und Drogenkonsum sowie durch Vandalismus. Die günstige Jugendkriminalitätsentwicklung dürfe aber nicht den Blick verstellen, dass sich in einzelnen Städten umgrenzte besondere Problemlagen ausprägen und bei fehlender Reaktion anhaltend verdichten können, sei es in Jugendtreffpunkten oder Schulen. Hier gelte es, durch effektive und möglichst integrierte Programme kommunaler Kriminalprävention zielgenau gegenzusteuern, so Dr. Steffen. Jugendliche werden aber nicht nur zu Tätern, sondern auch zu Opfern von Kriminalität, insbesondere von Gewalttaten. Kinder und Jugendliche werden bedeutend häufiger Opfer der Gewalt Erwachsener, als dass sie Täter sind. Weibliche Jugendliche werden vor allem Opfer von Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen, männliche Jugendliche von Körperverletzungen und Raubdelikten. Da nur ein Teil der Gewaltopfer die Tat auch bei der Polizei anzeigt – nur jede zehnte Körperverletzung oder sexuelle Belästigung wird zu Anzeige gebracht – ist die Dunkelfeldziffer hier um ein Vielfaches höher. Obwohl Kriminalstatistiken, Dunkelfeldstudien und andere empirische Befunde seit Jahrzehnten auf eine höhere Belastung von Migranten (vor allem von jungen männlichen) mit Kriminalität hinweisen, gleicht die Diskussion um „Migranten und Kriminalität“ derjenigen um „“Deutschland ein Einwanderungsland?“ – in beiden Fällen haben Tabuisierungen, Skandalisierungen und Bagatellisierungen auch dazu geführt, dass Probleme verdrängt und Interventionsmaßnahmen nicht so früh wie möglich ergriffen wurden. Trotz der öffentlichen Forderungen nach „härteren Strafen“, insbesondere nach besonders spektakulären Gewalttaten Jugendlicher haben sich aber die präventiven Strategien durchgesetzt. Gewalt im Jugendalter kann vorrangig durch Erziehung, Lernen und Kompetenzerwerb bewältigt werden. Diese erzieherische Grundhaltung und die vielfältigen Kooperationen zwischen den verschiedenen Handlungsfeldern der Fachpraxis – zu nennen sind insbesondere Familie, Kindertagesbetreuung, Schule, Kinder- und Jugendhilfe, Polizei und Justiz – im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Verständnisses von Kriminalprävention, haben in Deutschland zu einer Realität beigetragen, in der Gewalt von Kindern und Jugendlichen bislang keine dramatische Verschärfung erfahren hat. üllt, als die eintägige Fachtagung „Gewaltkriminalität durch Jugendliche“ mit dem Vortag von Dr. Wiebke Steffen eröffnet wurde.

Meistgelesene Artikel

Rauschende Ballnacht

Fürstenfeldbruck – Über 550 begeisterte Tänzer haben den Jahreswechsel zusammen mit der Heimatgilde „Die Brucker“ im ausverkauften Stadtsaal …
Rauschende Ballnacht

Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Hattenhofen/Mammendorf - Erneut ereignete sich auf der Bundesstraße 2 zwischen Hattenhofen und Mammendorf ein tödlicher Verkehrsunfall. Erst am 7. …
Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Mülleimer peppen Stadtbild auf

Fürstenfeldbruck – Schülerunternehmen „Royal Trashmasters“ verschönert in Zusammenarbeit mit der Stadt Abfallbehälter der Innenstadt mit …
Mülleimer peppen Stadtbild auf

Kommentare