Jungsteinzeitliche Gräber als Kriminalfall – Der in Gröbenzell geborene Prof. Dr. Harald Meller sprach über die Toten von Eulau

Für den lebhaften, bildgestützten Vortrag von Prof. Dr. Harald Meller im Gröbenzeller Bürgersaal bedankte sich der 2. Vors. der Gröbenhüter, Albert Donhauser. Foto: Günter Schäftlein

Im vollbesetzten Bürgersaal konnte der Archäologe von europäischem Rang, Prof. Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Archäologie und des Landesmuseums für Vorgeschichte in Sachsen-Anhalt, nach seinem Besuch 2007 mit der „Himmelsscheibe von Nebra“ jetzt ein weiteres Kapitel vorgeschichtlicher Erkenntnisse aufschlagen.

Aufgefunden wurden die vier geheimnis- und bedeutungsvollen Familiengräber 2005 in einer Kiesgrube bei Eulau zwischen Naumburg und Weißenfels im anhaltinischen Burgerlandkreis. Der „Tatort Eulau“ ließ nach aufwändigen Laboruntersuchungen den gewaltsamen Tod aller 13 Bestatteten vor rund 4500 Jahren belegen: Getötet durch schwere Schädel- und Hiebverletzungen, Schusswunden von Pfeilen. Die Grablegung nach diesen äußerst brutalen Tötungen zeigte indessen eine völlig andere, emotional-rituelle Auffassung: Die Familienmitglieder hielten einander an den Händen und die Kinder sahen ihre Eltern an. Mit modernsten anthropologischen Verfahren - DNA- oder Isotopieuntersuchungen - konnten die engen, verwandtschaftlichen Verhältnisse der Getöteten geklärt werden: „Es gelang dabei der weltweit älteste Nachweis einer Kernfamilie, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kinder.“ Über mögliche Motive und Hintergründe zu dieser Bluttat versuchte ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam Nachvollziehbares zu ermitteln. Drei der Familiengräber von Eulau befinden sich inzwischen als „originale Blockbergungen“ und entsprechend präpariert in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle/Saale. Das Museum verfügt über die begleitende Dokumentation - auch als Buch - und gilt als eines der wichtigsten archäologischen Museen in Mitteleuropa: Mit einem Sammlungsbestand von mehr als 15 Millionen Funden und Stücken von weltweitem Rang. Chronologischer Endpunkt der bereits bestehenden Dauerausstellung wird einmal das Mittelalter und die frühe Neuzeit sein. Die soeben beendete Sonderausstellung „Pompeji-Nola-Herculaneum, Katastrophen am Vesuv“ zog innerhalb von nur neun Monaten 224.000 Besucher an. Prof. Dr. Harald Meller, der Wissenschaftler, der 2002 mit Energie, Ausdauer und List die von Raubgräbern im südlichen Sachsen-Anhalt entwendete „Himmelsscheibe von Nebra“ aus der Schweiz zurückbrachte, sieht nachwievor seine bayerischen Wurzeln: „Gröbenzell: Meine Heimatgemeinde. Ich kriege immer wieder mal eine Anfrage.“ Und er ist nachwievor Mitglied bei den örtlichen, heimatverbundenen Gröbenhütern. In der Mitte Deutschlands macht Meller als Bayer eine exzellente Archäologie: „Sachsen-Anhalt ist irrsinnig reich an archäologischen Funden - im Gegensatz zu seiner heutigen, wirtschaftlichen Verarmung.“ Dieses Land wäre im Mittelalter ein Schnittpunkt zwischen West und Ost, Nord und Süd gewesen. Weitere Aufgaben für Prof. Dr. Meller, seit 2009 auch Honorarprofessor für die „Archäologie Europas“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, stehen in der noch jungen Disziplin „Schlachtfeldarchäologie“ an. Hier untersucht man anhand der Funde in einem Massengrab Details zum Schlachtgeschehen vom 16. November 1632 bei Lützen: Im 30jährigen Krieg eine der blutigsten Schlachten zwischen den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und dem schwedischen Heer unter König Gustav II. Adolf - mit insgesamt 14.000 Toten, darunter auch der Schwedenkönig - und Verwundeten. Die Untersuchung einer weiteren Mehrfachbestattung ergab sich für das Landesamt oberhalb der Saale bei Halle im monumentalen Erdwerk von Salzmünde. Die Kollektivbestattung aus dem Zeitraum 3600 bis 3000 v.Chr. umfasst neun Personen: Vier erwachsene Frauen umarmen je ein Kind. Bei einer Frau blieb im Beckenbereich ein Fötus erhalten. Alle Toten hatten bis heute erkennbar am Knochen starke Brandeinwirkungen. Eine Katastrophe oder ein Ritual? Das Honorar aus der Gröbenzeller Veranstaltung vom 29. August spendete der Referent an den Heimatverein „Die Gröbenhüter“, wie ihr 2. Vorstand und Museumsleiter Albert Donhauser dankbar bekanntgab: Aus Anlaß der diesjährigen 60-Jahrfeier zur Eigenständigkeit der Gemeinde.

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