Podiumsdiskussion zur Organspende 

Leiche auf Betriebstemperatur

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Der Moraltheologe Dr. Konrad Hilpert (li.) und Professor Dr. Bruno Meiser vom Transplantationszentrum der LMU.  

Puchheim – Organspender sind verunsichert: "Bin ich wirklich tot, wenn ich spende?" fragte eine Zuhörerin bei der Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Bruno Meiser vom Transplantationszentrum der LMU und dem Moraltheologen Dr. Konrad Hilpert am 13. 11. im Pfarrzentrum St. Josef, Puchheim. 

 

Es klingt makaber, wenn jemand davon spricht, eine Leiche müsse auf Betriebstemperatur gehalten werden, um geeignete Spenderorgane an einen Empfänger weitergeben zu können. Ganz sachlich und aus medizinischer Sicht ist dies aber notwendig. 

Gleichwohl zeigt es die Problematik um das Thema Organspende auf. Denn ethische Betrachtungsweisen sind dort ebenso angebracht wie wissenschaftliche oder auch juristische und politische. Professor Dr. Bruno Meiser vom Transplantationszentrum der LMU und der Moraltheologe Dr. Konrad Hilpert beleuchteten bei einer Podiumsdiskussion im Pfarrzentrum St. Josef von Puchheim am 13. November 2012 diese Gesichtspunkte.


Von den Entscheidungsträgern hat Dr. Meiser keine hohe Meinung. „Politiker sind so wählergeil, dass sie dass Thema Organspende nicht so in die Öffentlichkeit tragen.“ Der Moraltheologe Dr. Hilpert wollte nicht so hart urteilen. Zumindest einen Teil der politischen Zurückhaltung sah er in der deutschen Vergangenheit begründet. „Diese Schatten sind sehr stark, nicht die Angst vor dem Tabuthema.“ Gleichwohl blieb bei dem äußerst interessierten Publikum in Puchheim ein ungutes Gefühl. Von einer Zuhörerin hieß es: „Ich fühle mich dauernd nur angeworben, aber nicht ausreichend informiert.“


Dr. Meiser bedauerte, dass es zu wenig Organspender gebe. Diese liegt seiner Meinung nach zum einen an der Sorge, ob ein Organspender bei seiner Entscheidung ausreichend betreut werde. Außerdem würden sich viele fragen: „Bin ich wirklich tot, wenn ich spende?“ Man solle aber auch daran denken, wie man mit Organen anderen Trost spenden könne, so Dr. Meiser. Sein Mitreferent fügte hinzu: „Man muss auch in die Überlegungen  einbeziehen, wie dankbar Organempfänger über die medizinischen Möglichkeiten sind.“ Das Thema müsse daher noch stärker in die Öffentlichkeit gebracht werden.


Dies geschieht zumindest in interessierten und betroffenen Kreisen in der Diskussion um die in Deutschland geltende erweiterte Zustimmungslösung. Danach können einem Toten Organe nur dann entnommnen werden, wenn er sich zu Lebzeiten damit einverstanden erklärt hat oder wenn dessen Angehörige ausdrücklich zustimmen. In der Runde herrschte Skepsis vor, ob das Vorhaben, dass die Krankenkassen ihre Mitglieder regelmäßig bezüglich der Organspende anschreiben sollen, zu mehr Spendenbereitschaft führt. „Die Bevölkerung bringen Sie nicht dazu, indem man ihr Briefe von den Krankenkassen einwirft“, so Dr. Meiser.


Vorkommnisse wie in Göttingen und Regensburg, wo der Verdacht  von Datenmanipulation im Raum stehe  (um Organspenden zu erhalten), verstärkten die Skepsis nur. Dr. Meiser beschönigte nichts und erklärte, solche Vorkommnisse würden unter anderem an leistungsbezogenen Verträgen liegen: „Da operiert ein Chirurg halt so oft es geht.“ Man dürfe jedoch deswegen eine Vielzahl hochrangiger Wissenschaftler und Mediziner nicht in Misskredit bringen. 


Dr. Meiser räumte aber eine gewisse Konkurrenzsituation zwischen Transplantationszentren ein. Allein in Bayern würde es etwa fünf Leber-Transplantationszentren geben. Wenn in einem Haus eine Organverpflanzung vorgenommen werde, fehle sie einem anderen Haus gewissermaßen in der Bilanz. Trotzdem mache die Politik Druck in Sachen Wirtschaftlichkeit. Der Moraltheologe Dr. Hilpert sprach sich noch dafür aus, bei Gesetzen eine Effektivitätskontrolle einzuführen. So könne man nach einem festgelegten Zeitraum besser erkenne, ob die Regelungen auch die gewünschte Wirkung erzielt hätten.


Hans Kürzl 

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