Gespräch mit Dr. med. Dieter Sumser, Gynäkologe des Klinikums FFB und DONUM VITAE   

Vor- und Nachteile des Kaiserschnitts 

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(von li): Sylvia Pohl, Leitung DONUM VITAE zusammen mit Dr. Dieter Sumser, Facharzt  in der Frauenklinik Fürstenfeldbruck

Fürstenfeldbruck – Jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt auf die Welt. Doch welche Gründe machen einen Kaiserschnitt notwendig und wie verläuft die Operation? Dr. Dieter Sumser von der Frauenklinik Fürstenfeldbruck informierte in der Schwangerenberatung „DONUM VITAE“ unter der Leitung von Sylvia Pohl über die Vor- und Nachteile des Kaiserschnitts unter medizinischen Aspekten.

2012 lag die Kaiserschnittrate im Klinikum FFB mit knapp 23% um 3% niedriger als noch im Vorjahr, d.h. bei einer Geburtenzahl von 500 im Jahr wurden 2011 123 Kaiserschnitte und 2012 nur noch 114 Kaiserschnitte durchgeführt. Dennoch ist tendenziell mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Medizinisch gesehen unterscheidet man zwischen dem primären und dem sekundären Kaiserschnitt (Sectio). Bei der primären Sectio ist bereits vor oder mit Einsetzen der Wehen klar, dass eine natürliche Geburt nicht in Frage kommt, um die Gesundheit der Mutter oder des Kindes nicht zu gefährden. „Das ist z.B. der Fall bei einer Beckenendlage, bei einem Missverhältnis des Beckens der Schwangeren zur Kindsgröße oder wenn die Plazenta vor dem Muttermund liegt“, erklärt Dr. Dieter Sumser. „Auch bei mütterlichen Erkrankungen, Herzfehler, Trauma, einer schweren Gestose oder wenn eine Augenerkrankung vorliegt. 

Es gibt eine Vielzahl von Indikationen, die einen primären Kaiserschnitt begründen“, so der Frauenarzt. Treten während der natürlichen Geburt unvorhersehbare Gründe auf, die das Wohl von Mutter und Kind gefährden könnten, ist eine sekundäre Sectio, manchmal auch ein Notfall- Kaiserschnitt unumgänglich. Das ist unter anderem der Fall bei drohendem Sauerstoffmangel des Kindes, wenn sich die Herztöne verlangsamen oder bei vorzeitiger Plazentaablösung. Auf persönlichen Wunsch kann ein Kaiserschnitt auch ohne medizinische Gründe durchgeführt werden: „Der Wunschkaiserschnitt liegt nur bei etwa 5% der gesamten Kaiserschnitte“, weiß der Mediziner. „Einige Frauen haben ein Trauma oder Angst vor der natürlichen Entbindung. Manchmal stehen familiäre Konflikte dahinter, manchmal die Angst vor übermäßigen Schmerzen“. Wichtig sind deshalb eine umfassende Aufklärung der Frauen und ein ausführliches Gespräch. „Es muss immer die Stärkung der Frau im Vordergrund stehen. Auch bei einem Wuschkaiserschnitt respektieren wir das Selbstbestimmungsrecht der werdenden Mutter“.

Auch wenn auf den ersten Blick die Vorteile eines geplanten Kaiserschnitts verlockend erscheinen, sollten die Nachteile nicht außer acht gelassen werden: Es findet ein stärkerer Blutverlust statt, die Frau muss bis zu 6 Tagen im Krankenhaus bleiben, die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt bei nächster Entbindung steigt, die Infektionsrate ist höher und es besteht ein gewisses Risiko, dass sich die Plazenta bei einer erneuten Entbindung nicht löst. Ebenso können die Frauen neben der körperlichen Belastung durch die Operationsfolgen unter dem Gefühl leiden, keine normale Geburt erlebt oder „geschafft“ zu haben. „Wir Ärzte sind zudem gefordert, dass ein intensives Bonding zwischen Mutter und Kind zustande kommt bzw. dass man auch den Partner miteinbezieht“, erklärt Dr. Dieter Sumser.

Auch Dipl.-Sozialpädagogin Sylvia Pohl, die als Leiterin der Beratungsstelle mit vielen Fragen zur Schwangerschaft konfrontiert wird, macht auf die Notwendigkeit der Aufklärung bei Frauen aufmerksam: „Es ist sehr wichtig, dass die Schwangeren vielseitig über die Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts informiert werden und für sich eine Entscheidung treffen“.

 Nicole Burk


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