Kein Business as usual - Syrischer Transportunternehmerverbands-Präsident Keichour bei Maisacher Logistikunternehmen zu Gast

Das Foto vom 24. 4. 2012 zeigt l. Thomas Paar, Inhaber eines Logistikunternehmens im Maisacher Industriegebiet mit seinem syrischen Gast Saleh Keichour, Präsident des Syrischen Transportunternehmerverbandes. Fotos: Oliver Ückerseifer

Auf dem "Grünen Sofa" im Chefbüro des Maisacher Speditionsdienstleisters Groupage Service GmbH hat diese Woche Platz genommen M. Saleh Keichour, der Präsident des syrischen Transportunternehmer-Verbandes.Der Verband besteht seit 2006 und wurde unter der Schirmherrschaft des Syrischen Transportministeriums begründet. Er vertritt innerhalb der arabischen Welt und nach Europa die Interessen seiner ca. 300 Mitglieder. Die größten Spediteure dort besitzen bis zu 300 - 400 Fahrzeuge. Keichour ist seit Gründung des Verbandes dessen Präsident. Um sich unter Kollegen mit Geschäftsführer Thomas Paar auszutauschen - Keichours ist selbst seit über 20 Jahren Transportunternehmer - und um künftige Strategien für den Transportmarkt Syrien zu besprechen, ist er nach München gekommen. Seine Zeit ist knapp bemessen. Am Mittwoch, 25. 4. nahm der Syrer an einem Treffen der Ghorfa teil. (link: www.ghorfa.de.) Die German-Arab-Chamber of Commerce and Industry e.V. tagte in der Landeshauptstadt und veranstaltet, ausgerichtet vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, das mittlerweile fünfte German-Arab Health Forum.

Mr. Keichour, vor ca. sechs Wochen wurde gemeldet, dass die Grenzen für den Transitverkehr zwischen Syrien und dem Irak bzw. Kurdistan geschlossen worden sind. Was hat es damit auf sich? Keichour (schaut verwundert): Wir können an der Grenze anrufen, dort ist alles wieder in Ordnung. Solche Sachen passieren manchmal, wenn lokale Gouverneure etwas entscheiden. Es kann auch sein, dass bestimmte Waren wegen Einführung neuer Konformitäts-Zertifizierungen eine Zeit lang nicht in den Irak eingeführt werden konnten. Transporte über Syrien in den Nord-Irak bzw. Transitverkehr zwischen Syrien über den Irak in den Iran laufen nach meinen Informationen aber derzeit störungsfrei. Welche Güter werden dort hauptsächlich transportiert? Keichour: Syrien handelt mit der gesamten arabischen Welt, aber der Irak ist derzeit für die Syrer der beste Markt. Aus Syrien kommt viel Phosphat wir exportieren sehr viel Zement, auch nach Quatar und Dubai. Nach Saudi-Arabien werden hauptsächlich Früchte exportiert, dafür bekommt Syrien sehr viel Milch und Joghurt von dort. Syrisches Olivenöl geht teilweise bis in die EU. Syrien ist, nicht nur was den Warenhandel anbetrifft, ein sehr reichhaltiges Land,dass viel zu bieten hat und viel benötigt. Viele westliche Handelspartner und Versender sind aber doch bestimmt verunsichert, ob Transporte nach Syrien derzeit sicher durchgeführt werden können. Keichour: Dazu besteht aber kein Anlass. Syrische Unternehmen wollen Handel treiben. Sehen Sie, wir sind alle in erster Linie Menschen, und wir haben Bedürfnisse nach Waren des täglichen Bedarfs. Und wir sind bereit, dafür ordentliche Preise zu zahlen. Meist sind die Geschäfte, die von Syrien aus getätigt werden, cash-Geschäfte (bzw. die Waren werden erst bezahlt, bevor sie versendet werden). Kein seriöser Unternehmer in Syrien schuldet irgendwem im Ausland auch nur einen Euro. Was wird eingekauft? Keichour: In syrischen Fabriken laufen Produktionsmaschinen aus Deutschland, auf den Strassen von Damaskus und Aleppo fahren Autos aus Deutschland, Transporte werden mit deutschen LKWs abgewickelt, in syrischen Kliniken stehen deutsche Apparate und alle großen deutschen Firmen haben in Syrien ihre Niederlassungen. Also eigentlich business as usual? Keichour: Nein, natürlich nicht. Natürlich hat es Unruhen gegeben und deswegen sind die Importe auch um gut die Hälfte zurückgegangen... Autor/Interview: Oliver Ückerseifer

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