Kirche und NS-Regime

Mit der eigenen Rolle, die man in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft gespielt hat, tut man sich in der evangelischen Kirche immer noch schwer. „Man ist nie ganz fertig mit der Aufarbeitung“, sagte der frühere Dekan Ulrich Finke bei den Brucker Zeitgesprächen, die bei einem Vortrag unter dem Motto „Vergeben, vergessen, Schluss-Strich“ standen.

Der auf kirchliche Zeitgeschichte spezialisierte Historiker Björn Mensing erläuterte das Zeitgeschehen am Beispiel des umstrittenen früheren bayerischen Landesbischof Hans Meiser. Dabei zeichnete Mensing ein Bild von Meiser, das stets um eine neutrale Betrachtungsweise bemüht war. So habe sich der frühere Landesbischof offiziell gegen das Kontaktverbot mit Juden ausgesprochen. Andererseits habe aber Meiser auch davon gesprochen, dass ein Jude bei der Taufe „seine Rasse veredle“. Zudem sei der angeblich zersetzende Einfluss der Juden in Kreisen der evangelischen Kirche durchaus verbreitet gewesen. Die NSDAP sei sogar so etwas wie eine evangelische Volkspartei gewesen, was laut Mensing auch Wahlergebnisse bis zu 70 Prozent in evangelisch geprägten Gegenden belegen würden. „Nur vom Radau-Antisemitismus grenzte sich ein Großteil der Christen ab“, sagte Mensing. Er erinnerte auch daran, dass Meiser bei der Volksabstimmung im November 1933 zum Austritt aus dem Völkerbund dazu aufgerufen habe, Führer und Volk nicht im Stich zu lassen. War Mensing bei diesen Schilderungen noch neutral-gefasst, erläuterte er die Geschehnisse nach dem Zweiten Weltkrieg temperamentvoll. Die Haltung der Kirche nach 1945 sei erschütternd gewesen. „Man hat der billigen Gnade das Wort geredet“, so Mensing. „Die Einsicht in die eigene Schuld ist übersehen worden“, so Mensing, der als Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau wirkt. Nie habe der Landesbischof Meiser ein Lager mit Überlebenden des Holocaust besucht. Im Gegensatz dazu habe er die Amerikaner wegen ihres Umgangs mit NSDAP-Funktionären gerügt. Finke als Moderator der Zeitgespräche erklärte abschließend folgendes: Er hoffe, dass künftige Generationen mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gelassener umgehen könnte.

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