Klaus Töpfer sprach zur Friedens- und Energiesicherung in Fürstenfeldbruck - Auch im Immobiliengeschäft spielen Energiekosten eine große Rolle

Auch im Immobiliengeschäft gewinnt die Kostenfrage und Umweltverträglichkeit von Energie einen immer größeren Stellenwert. Kein Wunder also, dass Sparkassendirektor Klaus Knörr einen überzeugenden Mann für eine Veranstaltung zum Thema „Auswirkungen der Klimaverschiebung“ suchte. Er gewann sogar den weltweit für Antworten auf den Themakomplex Zukunft - Umwelt - Energie anerkannten Professor Klaus Töpfer, erster deutscher Bundesminister für Umwelt, später Leiter des Instituts für Umweltfragen und Energie der UNO in Nairobi. Zu Recht begrüßte Knörr den hochdotierten und mit internationalen Preisen und Ehren ausgezeichneten Professor als den Initiator dafür, dass deutsche Umweltpolitik zum heute weltweit anerkannten Exportartikel geworden ist.

Mit der Frage, wie sich die Welt bis zum Jahr 2050 verändert, schärfte Töpfer zunächst das Bewusstsein seiner 800 Zuhörer im Stadtsaal für die gewaltigen Überraschungen, die durch die Bevölkerungs- und Einkommensentwicklung auf die Menschheit wartet: Der Reichtum beim Einkommen von Nordamerika, Westeuropa, Japan und Südkorea werde zunehmen, wobei gleichzeitig deren Bevölkerung drastisch sinkt. Andererseits steige die Anzahl der Menschen in Afrika, Indien, Indonesien weiter an, während ihr Einkommen gleichzeitig in den Keller rutscht. Dadurch entstehe eine gefährliche Kluft zu zwischen den bevölkerungsarmen, aber superreichen und den superarmen, aber bevölkerungsreichen Ländern. Durch diese Zweiteilung sind die Stabilität der Welt und der Friede ernsthaft gefährdet. Dagegen helfen laut Töpfer keine Mauern, sondern die wirtschaftliche Entwicklung der armen Länder. Schon in seiner Enzyklika „populorum progressio“ habe Papst Paul VI mit dem Satz „Entwicklung ist der neue Begriff für Frieden“ auf diesen Zusammenhang hingewiesen. Entscheidend für die Entwicklung der armen, bevölkerungsreichen Länder sei also die Verfügung über eine bezahlbare, nachhaltige Energie und die verlässliche Versorgung damit. Angesichts ihrer negativen Auswirkungen auf das Klima müssten daher fossile Energieträger wie Kohle, Gas, Erdöl und Holz ersetzt werden durch ressourcensichernde, nachhaltige Energieträger wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse, soweit letztere nicht auf Kosten der Nahrungserzeugung geht. Der Referent sprach sich dafür aus, angesichts der Klimaverschiebungen schon jetzt überall, wo es lokal sinnvoll ist, fossile durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen. Man könne nicht warten, bis alle Informationen über Ursachen und Folgen vorhanden seien. Töpfer äußerte, die reichen Länder hätten vor allem in der Energieforschung die Verpflichtung, den armen Ländern in ihrer Entwicklung zu fördern. Er mahnte zunächst einen sparsameren Umgang mit den Rohstoffen an. Beispielsweise könne schon jetzt, wenigstens dezentral organisiert, der CO2-Ausstoß verringert und das CO2 zur Herstellung von Algen für Biomassedüngung benutzt werden. Die Stromnetze zur Energieversorgung durch Wind und Sonne seien veraltet. Statt dessen müsse man die Speicherung durch Batterien und die Koppelung von erneuerbaren Energieträgern entwickeln. Auch in Deutschland könne man wie in Kenia Geothermie weiter entwickeln. Auch die ökonomisch sinnvolle Verwendung von Solarenergie setze neue Entwicklungen bei Kraftwerken, Transport und Speicherungssystemen voraus. Insgesamt sprach er sich für eine Zukunft ohne Kernenergie durch einen Mix aus erneuerbaren Energieträgern aus. Zum Schluss gab der deutsche Umweltpolitik-Exportartikel Töpfer dem Publikum noch zwei Sätze zum Nachdenken mit auf den Weg: „Das Klagen über die Fehler der Vergangenheit löst nicht die Probleme der Zukunft. Und: Es kommt, zweitens, nicht auf die Steigerung des Bruttosozialprodukts, sondern auf die des Glücks an.“ Der Zuwachs an Zeit, Glück und Zufriedenheit sei ebenso wichtig wie die Energiefrage.

Meistgelesene Artikel

Rauschende Ballnacht

Fürstenfeldbruck – Über 550 begeisterte Tänzer haben den Jahreswechsel zusammen mit der Heimatgilde „Die Brucker“ im ausverkauften Stadtsaal …
Rauschende Ballnacht

Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Hattenhofen/Mammendorf - Erneut ereignete sich auf der Bundesstraße 2 zwischen Hattenhofen und Mammendorf ein tödlicher Verkehrsunfall. Erst am 7. …
Erneut tödlicher Verkehrsunfall auf B2

Mülleimer peppen Stadtbild auf

Fürstenfeldbruck – Schülerunternehmen „Royal Trashmasters“ verschönert in Zusammenarbeit mit der Stadt Abfallbehälter der Innenstadt mit …
Mülleimer peppen Stadtbild auf

Kommentare