Herausforderung Konversion - Thema in Ausschuss-Sitzung des Stadtrats Fürstenfeldbruck

Nachnutzung des Fliegerhorstes

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Man könne nicht früh genug anfangen, allgemeine Konzepte für eine Nachnutzung des großen Fliegerhorst-Areals zu entwickeln, sagte Stadtbaumeister Martin Kornacher bei der ersten Sitzung des Konversionsausschusses.

Fürstenfeldbruck – Vor vier Jahren erfuhr die Stadt, dass die Bundeswehr im Jahr 2019 den Fliegerhorst aufgeben wird. Selbst wenn sich dieser Termin noch weiter nach hinten verschieben sollte, könne man nicht früh genug damit anfangen, allgemeine Konzepte für eine Nachnutzung des großen Areals zu entwickeln, sagte Stadtbaumeister Martin Kornacher bei der ersten Sitzung des Konversionsausschusses. „Wir stehen vor einer Herausforderung, die wir in der Größenordnung so noch nicht hatten“, sagte die dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne), die die Ausschusssitzung am 27. April im Brucker Stadtrat leitete.

 

Der Projektleiter für die Konversion, Serge Schimpfle, Architekt und Stadtplaner, schilderte den Ausschussmitgliedern den aktuellen Stand, was bisher an Vergaben und Gutachten abgeschlossen, was sich in Bearbeitung und was sich in Vorbereitung befindet. Wie sehr die Zeit drängt, wurde deutlich, nachdem bekannt wurde, wie lange die Stadt noch Anspruch auf finanzielle Mittel aus dem Sonderprogramm Konversion habe. Der Fördersatz von 80 Prozent sei eigentlich schon im vergangenen Jahr ausgelaufen, teilte Kornacher dazu mit. Der Freistaat habe auf Betreiben der Stadt mit Unterstützung des Städtetags das Förderprogramm jedoch bis Ende 2016 verlängert. Wegen der Flüchtlingsproblematik im Fliegerhorst hat sich die Stadt erneut mit Hilfe des Städtetags an den Freistaat gewandt. Eine Entscheidung, die die Oberste Baubehörde trifft, steht noch aus. Die Gesamtkosten der europaweiten Ausschreibungen für einen Verkehrsentwicklungsplan, für ein Vergabeverfahren „Nachhaltigkeit von Gebäuden (Graue Energie)“, eine „Machbarkeitsstudie technische Infrastruktur sowie „Städtebaulicher Ideenwettbewerb Fliegerhorst Fürstenfeldbruck“ und „Betreuung des Wettbewerbsverfahrens“ betragen 775.000 Euro. Bei einem Zuschuss durch das Sonderprogramm würde der Anteil der Stadt nur noch 155.000 Euro betragen. Sollte die weitere Verlängerung über 2016 abgelehnt werden, kann die Stadt ab 2017 höchstens nur noch mit einer Bezuschussung in Höhe von 50 Prozent aus den normalen Mitteln der Städtebauförderung rechnen.

 Noch völlig ungeklärt ist, was die Stadt beim Kauf des 220 Hektar großen Geländes zahlen muss. Die Stadt und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) lassen derzeit unabhängig voneinander ein Gutachten erstellen. Stadtrat Professor Klaus Wollenberg (FDP) wollte wissen, warum das Gelände nicht auf der Grundlage landwirtschaftlicher Flächen berechnet werde. Aus welcher Rechtsquelle leite sich eine Wertsteigerung ab. Stadtjurist Christian Kieser teilte dazu mit, dass es sich um einen entwicklungsunbeeinflussten Wert handelt, der zum Zeitpunkt der Konversion festgelegt wird. Auch müsse noch die Frage über mögliche Altlasten im Boden aufgeklärt werden, da keine Angaben darüber vorhanden sind. Stadtrat Dr. Georg Jakobs (CSU) wollte wissen, ob nach dem Abzug der Bundeswehr womöglich ehemalige Grundstückseigentümer, die im Dritten Reich beim Bau des Fliegerhorstes zur Abgabe ihrer Flächen gezwungen worden waren bzw. deren Erben auftauchen könnten, um Regressansprüche geltend zu machen. Nach Auskunft der BImA wurden bisher keine Ansprüche geltend gemacht, teilte Kieser mit.

 Der Verkehrsentwicklungsplan soll die verkehrlichen Auswirkungen der zukünftigen städtebaulichen Entwicklungen am Fliegerhorst mit bis zu 5.000 Einwohnern und bis zu 4.000 Arbeitsplätzen auf die Stadt und die angrenzenden Kommunen aufzeigen. Er soll die daraus resultierenden Anforderungen an die Verkehrssysteme und –netze formulieren, gemeindeübergreifende Maßnahmenpakete festlegen sowie Kosten Prognosen erstellen. Themen sind dabei unter anderem die zusätzliche Belastung der B2, der vierspurige Ausbau der B471, ein zweiter Anschluss an die B471 bzw. der Ausbau Anschluss FFB-Ost, die ÖPNV-Anbindung an die Stadt und regional, ein Fuß- und Radwegeanschluss an die Stadt und regional, sowie urbane Verkehrskonzepte und Mobilitätsmanagement. Bei der Vergabe zur Nachhaltigkeit von Gebäuden hinsichtlich der „Grauen Energie“ geht die Stadt davon aus, dass die Nutzungen im Neubau nur dann energetisch nachhaltig sind, wenn vorher auch die Nutzung der Bestandsgebäude gesichert ist. Die heute übliche verbrauchsorientierte Betrachtungsweise muss durch eine objektbezogene Lebenszyklusbetrachtung ersetzt und ein ganzheitlicher Bewertungs- und Kriterienkatalog für den Gebäudebestand entwickelt und beispielhaft angewandt werden. Die Regierung von Oberbayern hat die Förderung im Sinne eines modellhaften Gutachtens dazu vorab schon zugesagt.

 Dieter Metzler

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