Krebs und Psyche - Die Psycho-Onkologin Dr. Kerstin Hermelink von der Münchner Frauenklinik sprach im Bürgertreff Puchheim

Die Psycho-Onkologin Dr. Kerstin Hermelink referierte zu „Krebs und Psyche“ auf vhs-Einladung im Bürgertreff Puchheim. Foto: Günter Schäftlein

Auf vhs-Einladung durch die zuständige Renate Krier befaßte sich die renommierte Psycho-Onkologin Dr. Kerstin Hermelink, Frauenklinik der Universität München, mit dem Thema „Erhöhen psychische Faktoren das Erkrankungsrisiko?“. Zum Zuhörerkreis im Vortragsraum des Bürgertreffs zählten unter 20 Frauen auch zwei Männer.

Schon in der Antike existierten lt. Frau Dr. Hermelink bei Hippokrates (5./4. Jh. v.Chr.) und Galenus (2. Jh. n.Chr.) Vermu-tungen, dass durch Ungleichgewichte an Körpersäften und ein Überwiegen an Schwarzer Galle zur Melancholie und damit zu Krebserkankungen führten. In der industriellen Revolution des 19. Jh. glaubte man, Krebs als Folge seelischer Überlastung zu erkennen. Das aufklärungsbeflissene 20. Jh. diagnostizierte Krebs u.a. auch als „Sexualstauangstneurose“ oder durch „stressbedingte Abwehrschwäche“. Diskutiert wird derzeit noch die „Krebspersönlichkeit“: depressiv, übermäßig angepasst, gehemmt im Ausdruck von Gefühlen, vor allem Ärger und Wut, belastende Lebensereignisse, chronischer Arbeits- und Alltagsstress. Die Ergebnisse seriöser Studien besagen nunmehr aber auch, dass „Krebskranke in ihrer Vorgeschichte mehr vom Stress berichten als Gesunde.“ Aber: „Die Unterschiede sind wahrscheinlich die Folge, nicht die Ursache der Krebserkrankung. Krebskranke interpretieren ihre Lebensgeschichte oft um: Sie erinnern sich eher an Stress (selektive Erinnerung), Belastungen erscheinen schwerwiegender (Neubewertung)." Dr. Hermelink zitierte zum Thema „Krebspersönlichkeit“ aus einer deutschen Studie, erschienen 2006 in Heidelberg, folgende Einzelheiten: Es beteiligten sich 5000 Männer und Frauen, Alter 40-65 Jahre. Untersucht wurden ‚Persönlichkeitseigenschaften’. 8 ½ Jahre später waren 240 Teilnehmer (4,8%) an Krebs erkrankt, wobei kein anderer psychologischer Faktor (Depressivität, Hemmungen, Ärger u.a.) Einfluß auf die Probanden genommen hatte. Erstaunlich war dabei jedoch die Feststellung „Das Erkrankungsrisiko war geringer bei einem höheren Empfinden von Zeitdruck.“ Desweiteren zeigte die Vortragende sechs weitere, z.T. großflächige und langjährige Untersuchungen, abgeschlossen zwischen 2002 und 2008, von Männer/Frauen, Frauen und Zwillingen in den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Finnland und Japan zur „Persönlichkeit und Krebsrisiko“: Ein Zusammenhang mit einem Krebs- oder Brustkrebsrisiko ließ sich in keiner der Untersuchungen signifikant erkennen. Dr. Kerstin Hermelink: „Eine Krebspersönlichkeit gibt es nicht.“ Fast Gleichlautendes ließe sich auch zum Verhältnis „Stress und Krebs-/Brustkrebsrisiko“ sagen. Die 2010 in Norfolk/GB abgeschlossene Studie „Stress und Brustkrebsrisiko“ mit 11.000 Frauen im Alter von 41-80 Jahren untersuchte über 9 Jahre traumatische Kindheitserlebnisse, belastende Lebensereignisse (letzte 5 Jahre), schwierige Lebensumstände (letzte 5 Jahre), allgemeinen Stress (letzte 10 Jahre). Nach dem Befragungszeitraum wurden 313 Brustkrebserkrankungen (2,8%) diagnostiziert. Das Fazit hieraus: „Kein Zusammenhang Stress - Erkrankungsrisiko“. Und: „Stress trägt nur wenig oder gar nicht zur Erkrankung an Krebs bei.“ Verbreitet sind hingegen „Psychosomatische Krebstheorien“: Krebs als Zeichen für psychische Dezifite, Schamgefühle, Erschütterung des Selbstbildes, der Druck, etwas oder sich selbst zu ändern, Erklärungsversuche für die Krebserkrankung, Sinnstiftung, Glaube an eine geordnete Welt: Jeder bekommt, was er verdient, Schutz vor Krebsangst - Krebs bekommen „die anderen’, „Bin ich selbst schuld?“ Erklärungsversuche und Kommentierungen von außen scheinen im zwischenmenschlichen Bereich Konjunktur zu haben. Die Ärztin und Wissenschaftlerin Dr. Kerstin Hermelink sagte jedoch in ihrer Schlussanmerkung „Für keinen psychologischen Faktor ist ein Effekt auf den Krankheitsverlauf bisher eindeutig nachgewiesen worden.“

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