Kreisstadt FFB denkt über Dokumentationszentrum nach – Erinnerungskultur braucht Erinnerungsorte – Jahresempfang im Fliegerhorst

Eingang zum ersten Jahresempfang der Dienststellen des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck. Alle Fotos: Dieter Metzler

Mit der Unterzeichnung einer Grundsatzvereinbarung zum Erhalt des Luftwaffen-Ehrenmals vom Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Aarne Kreuzinger-Janik, dem Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Lutz Leide, dem Präsidenten der Wehrbereichsverwaltung Süd, Michael Brod sowie Oberbürgermeister Sepp Kellerer wurde beim Jahresempfang im Brucker Fliegerhorst am vergangenen Montag der Schritt für eine erste Erinnerungsstätte getätigt.

Weitere Gedenkstätten sollen folgen. So plant die Kreisstadt nach Aussage von Kellerer ein Dokumentations-Zentrum, dass die Geschichte des Fliegerhorstes von den Anfängen aufzeigt. Um die Erinnerung an das Münchner Olympia-Attentat vom 5. September 1972 wach zu halten, das auf dem Brucker Fliegerhorst ein schreckliches Ende fand, laufen Überlegungen, neben dem Mahnmal vor der Hauptwache auch aus dem alten Tower eine Gedenkstätte zu machen. „Erinnerungskultur braucht Erinnerungsorte“, sagte Kreuzinger-Janik beim anschließenden kurzen Pressegespräch. Er sei froh, dass in dieser Phase schon so weit gedacht werde. Vom Standortältesten, Generalmajor Robert Löwenstein, wurde Unterstützung zugesichert, aber es sei noch verfrüht, um über weitere Orte des Gedenkens konkret zu werden. So stehe Landrat Thomas Karmasin mit Verteidigungsminister De Maiziere, im Briefwechsel und auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, habe Interesse signalisiert. Ggf. werde man bei der 40-jährigen Gedenkfeier am 5. September im Fliegerhorst mehr dazu erfahren. Das Nationale Olympische Komitee werde die Erinnerungen ebenso wachhalten und deshalb unterstützen, meinte OB Kellerer, nachdem die Ereignisse um die Welt gingen. Neuigkeiten über den zeitlichen Abzug der Dienststellen konnte der Standortälteste beim Jahresempfang im Ludger-Hölker-Saal der Offizierschule der Luftwaffe den zahlreichen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht mitteilen, obwohl er das noch beim Neujahrsempfang der Stadt gehofft hatte. Er rechne mit ersten Truppenveränderungen im kommenden Jahr. Sein Kommando werde wohl als erste Dienststelle abrücken, meinte der Kommandeur des Kommandos 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Löwenstein. Andere Dienststellen werden noch einige Jahre bleiben, so auch die OSLw. „Das 60. Standortjubiläum wird der Fliegerhorst noch erleben“, ist sich Löwenstein sicher, der um weitere Unterstützung der Soldaten in den verbleibenden Jahren am Standort bat. Trotz der politischen Vorgaben bleibe der Spannungsbogen erhalten, ging Löwenstein auf die Ziele bei der Neuausrichtung der Bundeswehr ein. Die Sicherheitspolitik, die Finanzen, das Wehrmaterial und insbesondere die Personalgewinnung und –bindung stellen die strategischen Herausforderungen der nächsten Jahre dar. Die Aussetzung der Wehrpflicht habe die Bundeswehr in Zugzwang gebracht. Der Charakter der Freiwilligenarmee habe sich längst noch nicht durchgesetzt. Bei allen Schwierigkeiten dürfe man aber die Funktionsfähigkeit der Streitkräfte nicht aus den Augen verlieren, sagte Löwenstein und forderte mehr Wertschätzung für den Beruf des Soldaten. „Wir. Dienen. Deutschland. Wir. Dienen. Ihnen“, mit diesen Worten schloss Löwenstein seine Ansprache. OB Sepp Kellerer dankte bei seinem Grußwort für den Dienst, den die Soldaten bei ihren Auslandseinsätzen zur Sicherung des Friedens leisten. „Ich glaube, wir alle können uns nicht vorstellen, was auf die Soldaten da zukommt“. Mit der Auflösungsentscheidung vom 26. Oktober des vergangenen Jahres komme er immer noch nicht zurecht, so Kellerer. Gern erinnere er sich an die vielen Begegnungen, Veranstaltungen und Empfänge im Fliegerhorst. Durch den sukzessiven Abzug der Dienststellen gestalten sich die Planungen für eine Nachnutzung des 200 Hektar großen Areals schwierig. „Vielleicht wissen wir in zwei, drei Jahren mehr“, so der Brucker Rathauschef. „So lange vieles noch nicht klar ist, stellen die Überlegungen für die Stadt eine ganz, ganz schwierige Aufgabe dar, die sie auch dauerhaft und für die Zukunft vertreten kann“. Schon die Übernahme des Ehrenmals war keine einfache Angelegenheit für den Stadtrat, teilte Kellerer mit. „Ich hoffe, dass die eine oder andere Veranstaltung in Fürstenfeldbruck stattfinden wird und dass sich durch die verbindliche Erklärung auch nachfolgende Generationen an die gute Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Stadt erinnern werden“. Der Jahresempfang, der von einem Bläserquintett des 1. Luftwaffenmusikkorps musikalisch begleitet wurde, ging mit einem Stehempfang im Foyer des Offizierheims der OSLw zu Ende.

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