Am 17. Dezember 2014 hätte das Wirtshaus "Zur Kegelbahn" das 50-jährige Bestehen gefeiert 

Abschied von einem Kult-Wirtshaus in Alling 

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Die „Kegelbahn-Schwestern“ aus Alling (v. li.)Gisela Seidel, Elfriede Obkirchner und Marianne Berndt sowie im Vordergrund Katharina Riemer, die Schwester der ehemaligen Wirtin.

Alling – Am 17. Dezember hätte das Allinger Wirtshaus „Zur Kegelbahn“ seinen 50. Geburtstag gefeiert. Doch mit dem Tod des 80-jährigen Gastwirts Johann Grichter vor fast zwei Jahren fiel zugleich auch der letzte Vorhang für die beliebte Allinger Dorfgaststätte. Das Wirtshaus wird teilweise abgerissen, um Raum für eine Doppelgarage und zwei Wohnungen zu schaffen.

Knapp ein halbes Jahrhundert bestimmte die Dorfwirtschaft in der Hartstraße das gesellige Leben in Alling mit und war der Treffpunkt schlechthin für zahlreiche Vereine und Stammtische. Darüber hinaus wurden in der Dorfwirtschaft Versammlungen abgehalten, Familienfeste gefeiert und Theateraufführungen fanden statt. Weit über die Dorfgemeinschaft hinaus berühmt wurde die Gastwirtschaft vor allem aber wegen ihres legendären Hausballs während der Faschingszeit. „Da ging die Post ab“, erinnern sich die drei Schwestern Marianne Berndt (60), Elfriede Obkirchner (57) und Giesela Seidel (49) an die Zeiten, als auch ihr Tag noch durch die Gastwirtschaft mitgeprägt wurde. Die drei Töchter von Johann und Veronika Grichter arbeiteten über Jahrzehnte in dem Familienbetrieb mit. „Ich hätte gern selbst mal eine Gastwirtschaft gehabt“, sagte Elfriede, die nach ihrer Schulzeit bis zur Eheschließung in der Gaststätte mitarbeitete. „Doch mein Mann hat selbst ein Geschäft, und da ging das nicht.“ Marianne, die älteste des Drei-Mädel-Hauses, hat gut 35 Jahre in der Küche mitgearbeitet und auch bedient. Auch Gisela, die Jüngste, hat schon während der Schulzeit und danach in der Küche mitgeholfen und ist als Bedienung eingesprungen. Über viele Jahrzehnte bediente die im Februar 90 Jahre alt werdende Katharina Riemer, die Schwester von Veronika Grichter, die Gäste. 

Urgemütlich war die „Kegelbahn“, ein typisch bayerisches Wirtshaus, eben, an das sich die Allinger gern zurück erinnern. „Bei uns konnten die Gäste auch in Arbeitskleidung reinkommen und wurden nicht weggeschickt“, erzählte Elfriede. Und auch der Gemeinderat traf sich hier regelmäßig nach seinen „trockenen Ratssitzungen“, um die Kehlen zu spülen, wussten die drei Geschwister zu berichten. An die letzte eigentliche Dorfgaststätte in Alling, wie Bürgermeister Frederik Röder die „Kegelbahn“ bezeichnete, hat auch der Rathauschef beste Erinnerungen. Erstmals haben er und seine Frau das Wirtshaus 1987 als Neubürger während eines Umbaus ihres Domizils in der Hirtenstraße kennengelernt. „Wir haben dort gegessen und wurden als Neubürger freundlich aufgenommen. Die Kegelbahn war in Alling die Lokalität schlechthin für die Vereine.“ Von Berufs wegen war Gastwirt Johann Grichter eigentlich Schreiner, spezialisiert auf Kegelbahnbau. So begann er mit einem kleinen Wirtshaus mit fünf Tischen und einer Kegelbahn. „Doch es wurde ständig umgebaut“, erinnern sich Marianne, Elfriede und Gisela. So „wuchs“ im Laufe der Jahre die kleine Gastwirtschaft um ein Nebenzimmer und einen Saal, der 120 Personen fasste. Zur „Hochzeit“ der Dorfwirtschaft funkelten Spielautomaten von der Wand, es konnte Billard gespielt und „gekickert“ werden, und für ein paar Groschen dröhnte der damals neueste Schlager aus einer nostalgischen Musikbox. Nach dem Tod von Veronika Grichter vor zehn Jahren, öffnete Johann Grichter die Gaststätte nur noch in den Abendstunden. „Sozusagen nur noch für die Stammtischler“, sagte Elfriede. Auf das Gespräch mit seinen Stammgästen wollte Grichter nicht verzichten. „Das war ihm wichtig“, so Marianne. In den Jahren 2006 bis 2008 probierte es der Sohn Thomas von Tochter Gisela nochmals mit einem Mittagstisch. „Doch das hat sich nicht rentiert“, erzählte Gisela Seidel. Die Zeit war einfach vorbei. 

Dieter Metzler

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