Landrat Thomas Karmasin beim ersten Empfang zum 64. Unabhängigkeitstag des Staates Israel in München geladen

Der neue Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, Charlotte Knobloch, Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser. Alle Fotos: Christian Rudnik

Auch eine Delegation aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck mit Landrat Thomas Karmasin und des Fliegerhorstes war vertreten, als am 27. April 2012 - nach dem jüdischen Kalender 5 Ijar - das neue Generalkonsulat des Staates Israel in München zum ersten Mal den israelischen Unabhängigkeitstag feierte. Der Empfang zum 64. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel fand in München im Hotel Vier Jahreszeiten statt. Neben dem Gastgeber, Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser, eröffneten der neue Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, Staatssekretär im Ministerium für Unterricht und Kultus Bernd Sibler sowie die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch die Feierlichkeiten.

Die Rede des Generalkonsuls Tibor Shalev Schlosser anlässlich des 64. Unabhängigkeitstages des Staates Israel am 27. April 2012: "Verehrter Staatssekretär Bernd Sibler, verehrter Botschafter des Staates Israel Yaakov Hadas-Handelsman, verehrte Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Frau Dr. Charlotte Knobloch, und liebe Georg Schlosser, mein Vater, verehrte Gäste, als Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland - ebenso wie für mich persönlich - ist es mir eine besondere Ehre hier in München die Feierlichkeiten zum 64. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel zu begehen. Bereits vor 21 Jahren baute ich das israelische Generalkonsulat in Berlin auf, mit der Herausforderung nach der Wiedervereinigung die ersten Kontakte mit den neuen Bundesländern zu knüpfen. Quasi ein Jahrhundert später… also vor 10 Monaten, bekam ich noch einmal die Aufgabe, ein Generalkonsulat des Staates Israel zu eröffnen; diesmal in Süddeutschland, wo ich schnell den Reiz der Schipisten, Spaziergänge auf grünen Almen und Biergärten erkannte. Liebe Gäste, heute sind wir hier zusammen gekommen um ein Wunder zu feiern. Israels erster Staatspräsident David Ben Gurion sagte einmal: „Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.“ Vor 64 Jahren wurde der Staat Israel in der historischen Heimat des jüdischen Volkes, Eretz Israel gegründet. Damit wurde ein 2000 Jahre alter Traum wahr: Eine Heimat für unser in der Welt zerstreutes Volk. Ein Staat in dem Juden in Frieden, Sicherheit und Wohlstand als Teil der Völkergemeinschaft leben können. Meine Familie und ich sind Kibbutz-Mitglieder aus dem Zentrum des Landes. Von meinem Fenster aus sehe ich die Erhebung der biblischen Ausgrabungsstätte Gezer, die meinem Kibbutz seinen Namen gibt. Archäologische Ausgrabungen Anfang des letzten Jahrhunderts legten die „Gezer-Stele“ frei, in die Erläuterungen in Althebräisch über die Landwirtschaft aus Zeiten des Königreichs Davids vor 3000 Jahren niedergeschrieben wurden. Spätere Ausgrabungen legten überdimensionale Tore einer Festung frei, die König Salomon in seiner Stadt Gezer errichten ließ. Dort ist meine heutige Heimat und ich spüre jeden Tag die historische Bindung des israelischen Volkes zu Eretz Israel. Vor 2000 Jahren wurden wir durch das Römische Reich aus unserem Land vertrieben und in der Welt zerstreut. Unser Leben in der Diaspora ist mit großartigen Erfolgen verbunden, Namen wie Moses Mendelsohn, Albert Einstein und Sigmund Freud bleiben unvergessen. Aber es war auch mit viel Trauer und Leid verbunden. Das jüdische Volk wurde verfolgt, vertrieben und unterdrückt. Der Höhepunkt der Verfolgung wurde erreicht, als sich Nazi-Deutschland die Vernichtung des Volkes Israel als Ziel setzte. Selbst als die Niederlage des Dritten Reiches sicher war, funktionierte die Vernichtungsmaschinerie weiter und schickte noch bis zu 600,000 ungarische Juden in den Tod, darunter ein Großteil meiner Familie: Kleinkinder, ihre Mutter und Großeltern. Trotz der Vernichtung eines Drittels aller Juden, schaffte es mein Volk den Staat Israel zu gründen. Theodor Herzl, der Visionär des judischen Staates und Präsident der zionistischen Weltorganisation schrieb 1897 nach dem ersten zionistischen Weltkongress in Basel in sein Tagebuch: „In Basel errichtete ich den Judenstaat. Jetzt ist es ein Traum, aber vielleicht in 5, mit Sicherheit in 50 Jahren wird der Traum zur Wirklichkeit.“ Und in der Tat, 50 Jahre später, am 29. November 1947 entschied die UN-Versammlung in New York die Errichtung eines jüdischen Staates im Land Israel. - Am 14. Mai 1948, 5 "Iyar", rief der Premierminister David Ben Gurion in Tel-Aviv die Unabhängigkeit unseres Staates Israel aus. Die Unabhängigkeitserklärung wurde von den damals ersten Parlamentarier unterzeichnet, die sich darin einem jüdischen, demokratischen und freien Staat verpflichteten, in dem die individuellen Freiheiten aller Burger und Einwohner ohne Unterscheidung nach Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder Nation gewahrt werden. Diese Erklärung ist die Grundlage fur unsere Existenz als Volk in einem freien Staat und in Frieden. Seit diesem Moment strebt Israel nach Frieden mit allen seinen Nachbarn. Die Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien sind große Errungenschaften und wichtige Beispiele hierfür. Sie haben so manche Krisen überdauert und sind heute ebenso wie in Zukunft von größter Bedeutung und Wert für uns. Trotz der oft konträren Darstellung durch die Medien, sind wir auch mit unseren palästinensischen Nachbarn seit den 70ger Jahren einen weiten Weg gegangen. Wir wünschen uns, dass die palästinensische Führung an den Verhandlungstisch zurückkehrt um gemeinsam kreative Kompromisse zu finden. Doch den langen Weg um Frieden mussten wir auch bitter bezahlen. Vor zwei Tagen begingen wir den Gedenktag für die fast 23 000 gefallenen israelischen Soldaten und Terroropfer. Sie kämpften und fielen für ihr Land damit ihre Familien in Freiheit und Sicherheit weiterleben können. Jeder von uns trägt die Erinnerung der Shoah in sich. Jeder von uns weiß, dass wir es uns nicht leisten können, auf Hilfe von außen zu warten. Im Moment müssen wir mit mehreren Bedrohungen gleichzeitig leben: Raketen, die die Hezbollah im Norden auf uns richtet, im Süden die fast täglichen Raketen palästinensischer Terrororganisationen aus dem Gazastreifen, und im Osten das Ayatollah Regime. Sein Präsident Ahmadinejad finanziert und fördert nach Kräften den Terror gegen Israel und weltweit, leugnet offen den Holocaust und ruft zur Zerstörung Israels auf. Die Mittel hierfür baut er unter den Augen der Weltgemeinschaft und entfacht damit wieder ein bedrohliches Wettrüsten. Liebe Freunde, dass und warum wir kein zweites Mal ohnmächtig zusehen wie unsere Existenz bedroht wird, weiß jeder in diesem Raum. Trotz allem, schauen wir heute, an diesem 64. Jahrestag der Gründung des Staates Israel voller Erwartung und Hoffnung in die Zukunft. Israels Entwicklung seit seiner Gründung kann auf eine einfache Formel gebracht werden: von der Wüste zur Orange, von der Orange zum Intel Prozessor, vom Intel Prozessor zu einem der innovativsten Cleantech Länder der Welt, dessen Technologien weltweit eingesetzt werden um effizient alternative Energien zu gewinnen, Abfall zu recyceln, Wasser zu klären und vieles mehr. Gerade angesichts der schweren Anfangsbedingungen mussten wir Herausforderungen meistern, mit denen sich kein anderes Land der Welt konfrontiert sah. Der israelische Staatspräsident Shimon Peres sagt einmal: EIN ARMES VOLK, DAS IN EIN ARMES LAND ZURÜCKKEHRTE, MUSSTE DEN REICHTUM IM MANGEL FINDEN. DAS EINZIGE KAPITAL, DAS WIR BESASSEN, WAREN DIE MENSCHEN. Und was für ein Kapital!! Israel steht auf Platz 6 mit der Anzahl seiner Satelliten im All. 10 israelische Nobelpreisträger, führend in medizinischen Patente und start-ups. Das Handy in Ihrer Hosentasche ist ein direkter Nachfahre vom ‚Steinzeit Handy’ (so sah es aus), geboren in Motorola´s Entwicklungszentrum in Haifa. Der Pentium Prozessor in Ihrem PC stammt höchstwahrscheinlich aus Intels Forschungs- und Entwicklungszentrum in Israel. Die weltweit von Ärzten eingesetzte Kamera, die so klein ist, dass sie als Pille geschluckt werden kann um Magen-Darm Erkrankungen zu diagnostizieren, wurde von der israelische Firma Given Imaging erfunden. Erst letzten Monat haben israelische Wissenschaftler an der Tel Aviv University einen Impfstoff gegen Krebs entwickelt, der hilft Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Und last but not least, auch die nahtlose Unterwäsche, die Heidi Klum so gekonnt für Victoria Secret präsentiert, wird von einer israelischen Firma hergestellt. Hier möchte ich noch hinzufügen, dass heute mehr als 400 globale Spieler in Israel tätig sind. Darunter: Intel, AOL, IBM, Microsoft. Aber auch deutsche Unternehmen wie Siemens, Deutsche Telekom und SAP sind sehr aktiv in Israel. Dies ist ein Produkt des Vertrauens und der guten Freundschaft zwischen Deutschland und Israel und ein Symbol fur die gemeinsamen Werte, die beide Staaten in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft teilen. Auch judisches Leben, sowie judische Gemeinden in Deutschland werden immer zahlreicher und lebendiger. Ich möchte mich bei der Jüdischen Gemeinde in München und besonders bei der Präsidentin Frau Dr. Knobloch für den herzlichen Empfang vor 10 Monaten und für die große Hilfe bedanken. Vor diesem gesamten Hintergrund erklärt sich die Entscheidung des israelischen Außenminister Avigdor Lieberman vor einem Jahr, das Generalkonsulat des Staates Israel in München zu errichten. Grundlage dafür sind die "Besonderen Beziehungen," die auf der tragischen Geschichte gewachsen sind. Diese wird uns auch in die Zukunft begleiten: Erinnern und nicht vergessen. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel am 12. Mai 1965 folgte dem historischen Treffen der Staatsmännern Konrad Adenauer und David Ben Gurion. Fünfzig Jahre später zeigen die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Knesset die tiefe Verbindung zwischen Deutschland und Israel. "Die historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar." Verehrte Freunde Ich freue mich, den Staat Israel an seinem 64. Geburtstag in Süddeutschland zu vertreten. Ich, der Konsul Herzel Edri und das Team des jungen Generalkonsulats an meiner Seite versprechen, uns mit aller Energie und Hingabe für die weitere Festigung der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel einzusetzen. Und für was noch? Für den gemeinsamen Kampf für die Werte und Ziele die wir teilen: Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Danke liebe Freunde, dass Sie mit uns Israels Unabhängigkeitstag feiern. Ihre Anwesenheit erwärmt mein Herz."

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