Vorsitzende des Vereins "Help liberia - Kpon Ma e.V." Krankenpfleger Thomas Böhner aus Grafrath auf der Wartebank für Hilfseinsatz

Auf der Wartebank für den Hilfseinsatz in Liberia

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Thomas Böhner wartet in seiner Wohnung in Grafrath auf seinen Einsatz als Ebola-Helfer

Grafrath – Seit Wochen wartet der Vorsitzende des Vereins zur Förderung medizinischer Hilfe im ländlichen Gebiet von Liberia „Help Liberia – Kpon Ma e. V.“, Thomas Böhner, in seiner Wohnung in Grafrath auf eine E-Mail des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Der ausgebildete Krankenpfleger und Rettungssanitäter im Brucker Krankenhaus möchte endlich zu einem Hilfseinsatz nach Liberia im Kampf um Ebola aufbrechen.

Mündlich habe er die Zusage, teilte Böhner mit, der die Warterei nicht nachvollziehen kann, denn ständig ist zu hören und zu lesen, dass das DRK nicht genug qualifizierte Freiwillige für den Ebola-Einsatz findet. Böhner, der bereits zwei Busch-Kliniken im Hinterland von Liberia mit seiner Hilfs-Organisation aufgebaut hat, war zuletzt im Frühjahr vor Ort. Er steht ständig in Kontakt mit der Familie seiner Ehefrau Hawa, die er bei einem früheren Aufenthalt kennenlernte, als sie als Patientin in seine Klinik kam. 

Er habe keine Angst, sagte Böhner zu seinem bevorstehenden Einsatz. Seine mit ihm in Grafrath lebende Frau und seine Schwiegereltern in Bong Town versuchten zwar ihn von seinem Vorhaben abzubringen, aber er sagte: „Liberia ist meine Heimat. Als Krankenpfleger im Brucker Krankenhaus habe ich ständig mit infizierten Patienten zu tun. Zudem bin ich gut ausgebildet.“ In der Tat erfüllt Böhner inzwischen alle Anforderungen für diesen Einsatz. So habe er die Tropentauglichkeits-Untersuchung im Schwabinger Tropenmedizinischen Institut hinter sich, und ein dreitägiges Ebola-Training an der bayerischen Feuerwehr-Ausbildungsschule in Würzburg absolviert. Doch er hätte nicht gedacht, dass es so viele Hürden zu bewältigen gab, bis ein Helfer wirklich eingesetzt wird. „Es fing schon damit an, dass ich nicht wusste, wer Ansprechpartner ist.“ 

Nach dem öffentlichen Aufruf von Verteidigungsministerin von der Leyen habe er sich einfach mal an das Verteidigungsministerium gewandt, dann an das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dort habe ihm ein Mitarbeiter die Kontaktadresse für die internationale Einsatzbewerbung beim DRK genannt, wo er in einem Pool landete. Der eigentliche Auslöser für seine Einsatz-Bewerbung aber war ein Anruf vom Schweizer Bundesrat. „Die fragten an, ob ich  nach Liberia kommen wollte, um im Hinterland Aufklärungsarbeit zu leisten, um die Menschen dort zu sensibilisieren.“ Der Anruf kam überraschend, so dass Böhner zunächst erst einmal eine Nacht darüber schlafen wollte und auch abklären musste, ob ihn sein Arbeitgeber, das Krankenhaus, gehen lassen würde. „Wider Erwarten wurde mir eine Freistellung zugesichert“, berichtete Böhner, denn im Brucker Klinikum bestehe Personalmangel. Rein aus ethischer Verantwortung erhielt Böhner die Zusage von seinem Chef. Für die Schweiz kam allerdings seine Bewerbung nun zu spät. So versuchte  Böhner sich von Deutschland aus anzubieten, und damit begann für ihn der Weg von „Pontius zu Pilatus.“ 

Natürlich ist Böhner klar, dass der Einsatz in dem Krisengebiet gefährlich ist. Ebola wird  u.a. über Berührung/Körperflüssigkeiten/Blut  (Kontaktinfektion) aber nach Angaben der WHO auch über den Kontakt mit infizierten toten Wildtieren übertragen. Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit vor Ansteckung. So sei der Schutzanzug eine Lebensversicherung für jeden Helfer. Die Regierung hat jegliche Versammlungen untersagt, die Kinos sind geschlossen und die Sammeltaxis dürfen nicht mehr so vollgepfropft werden. „Es muss halt jeder Hautkontakt vermieden werden.“ Wo Böhner eingesetzt wird, weiß er auch nicht genau. Aller Voraussicht nach in der Hauptstadt Monrovia, dem Zentrum des Ebola-Ausbruchs. In und um die Hauptstadtregion sind und werden von der Weltgesundheits-Organisation WHO, der Bundeswehr und dem DRK Behandlungszentren eingerichtet. Als freiwilliger Helfer kümmert man sich komplett umhüllt um die Ebola-Patienten. Das weltweit angewandte Pflegeprinzip heißt „Barrier Nursing“ und besteht immer aus drei Zonen. In der ersten Zone – bei den Patienten – tragen alle Helfer Schutzanzüge. Dazu gehören auch Atemschutzmasken und abgedichtete Schutzbrillen. Daran schließt sich ein Schleusenbereich an, durch den man die Station betritt und verlässt. In der zweiten Zone erfolgt beim Verlassen des Patientenbereichs eine Dekontaminierung. Die dritte Zone dient der Regeneration und Versorgung des Personals. Die Zahlen der Neuinfektionen mit Ebola seien zwar leicht rückläufig, informierte Böhner, aber innerhalb einer Woche sind die Anzahl der Ebola-Infizierten von 6.524 auf 6.822 angestiegen. „Das sind 42 Neuerkrankte pro Tag“, so Böhner. Ein Einsatz ist für vier Wochen vorgesehen. Danach muss Böhner in eine dreiwöchige Quarantäne, denn erst nach 21 Tagen ist die Ansteckungsgefahr vorbei. 

Dieter Metzler 

 

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