Gelungener Kongress zum 30-jährigen Bestehen des Süddeutschen Instituts für Logotherapie & Existenzanalyse

Dem Sinn des Lebens nachspüren

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Leiten gemeinsam das Institut und zeichneten für die Organisation des Jubiläumskongresses verantwortlich: Dr. Otto Zsok und Nadja Palombo  

Fürstenfeldbruck  - Seit 1986 besteht in Fürstenfeldbruck das Süddeutsche Institut für Logotherapie & Existenzanalyse. Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens fand nunmehr ein Jubiläumskongress im Veranstaltungsforum Fürstenfeld mit mehr als 200 Teilnehmern aus 10 europäischen Ländern statt. Namhafte Referenten (siehe auch das Interview mit Walter Kohl) erfüllten den aktuellen wissenschaftlichen Stand und deren Anwendung “mit Leben”.

Dazu muss man wissen, dass der Begründer der sinnzentrierten Psychotherapie, wie die Lehre von Viktor Frankl in der Fachsprache genannt wird, ein Leben lang sich dafür eingesetzt hat, den Menschen einen Lebenssinn zu vermitteln. Daran haben ihn auch Jahre im KZ nicht gehindert, wo er seine Familie verloren hat. Nach dieser Schreckenszeit hat er neu begonnen, sein “Leben zu leben” und ist so zum Vorbild für Tausende von Menschen geworden, die durch seine Lehre gelernt haben, Krisensituationen im Leben zu überwinden.

Die von Viktor Frankl (1905 – 1997) entwickelte Logotherapie geht auf die griechische Deutung des Wortes “Logos” zurück, unter der Sinn und Geist bzw. das Geistige zu verstehen sind. Nicht zu verwechseln mit der Logopädie, die Sprach-,Sprech-, Stimm-,Schluck- und Hörbeinträchtigungen zum Gegenstand der Behandlung hat (laut Wikipedia). Der Logotherapie dagegen liegt die Annahme zu Grunde, dass der Mensch ein Wesen auf der Suche nach Sinn ist. Dabei wird Sinn nicht verordnet. Vielmehr wird immer wieder die Frage gestellt, wie es auch in schwierigen Lebenssituationen gelingen kann, Sinn zu finden. Frankl hat es vorgelebt und hat damit die dritte Wiener Schule der Psychotherapie -neben der Psychoanalyse von Siegmund Freund und der Individualpsychologie von Alfred Adler- begründet. Bereits als 16-jähriger hielt er seinen ersten Vortrag über den Sinn des Lebens. Dieses Thema hat ihn bis ins hohe Alter nicht mehr losgelassen.

Er wurde Arzt und hat nach seiner Promotion zunächst vier Jahre am psychiatrischen Krankenhaus in Wien gearbeitet, wo er in dieser Zeit mehr als 10 000 schwerst depressive Patienten mit behandelt hat. In der Zeit ab 1940 wurde der Jude Frankl von den Nazis verfolgt und schließlich zusammen mit Bruder, Frau und Eltern ins KZ gesteckt. Nur er entkam schließlich dem Holocaust. Seine Schwester überlebte in Australien, wohin sie 1937 auswanderte. Wenn man jetzt annimmt, dass sich in einem Mensch nach dieser Seelenqual doch Hass breit machen muss, hat den Sinn der Logotherapie nicht verstanden. Viktor Frankl hat nie Hass in sich aufgenommen und ist so zum Vorbild einer ganzen Folgegeneration geworden. Er hat vielmehr mit aller Leid-Erfahrung die Logotherapie konsequent weiter entwickelt. In Fürstenfeldbruck führt der seit 30 Jahren im Institut wirkende Dr. Otto Zsok das Lebenswerk von Frankl als Vorstand und Dozent der gemeinnützigen AG “Süddeutsches Institut für Logotherapie & Existenzanalyse” fort. Zusammen mit Nadja Palombo ist er europaweit im Einsatz, um dieses Wissen zu verbreiten.

Der dreitägige Jubiläumskongress hat erneut die Wichtigkeit im Sinne der wissenschaftlich, fundierten Lebenshilfe verdeutlicht. “Wir wollen Menschen im Umgang mit Leid Halt geben”, sagt der 2001 von der Stadt Wien mit dem Viktor-Frankl-Preis ausgezeichnete Zsok, der Frankl 1986 erstmals begegnet ist und sich aber schon viele Jahre zuvor wissenschaftlich mit den Inhalten der Logotherapie befasst hat. Das Institut bildet seit 1986 berufsbegleitend im Zeitrahmen von 3 1/2 Jahren Logotherapeuten aus.

 Außerdem bietet es sinnzentrierte Psychotherapie und Lebensberatung für Menschen in Krisen an. Beim Jubiläumskongress tauschten sich Schüler und Dozenten über den neuesten Stand der Forschung und Anwendung aus. Dabei ist die Bandbreite der Schüler sehr breit gefächert: So studiert zum Beispiel seit Herbst eine Pfarrerin aus der Schweiz in Fürstenfeldbruck. Mit der Begründung, dass sie nach fast 20 Jahren im Beruf einem neuen Ansatz in der Seelsorge sucht. Eine Professorin aus St. Petersburg mit einem eigenen Lehrstuhl für Psychotherapie bildet sich mit dem in Fürstenfeldbruck für ganz Russland entwickelten Fernstudium zur Logotherapeutin fort. Die Zugangsvoraussetzungen für das Studium in Fürstenfeldbruck werden moderat gehandhabt. Wenn jemand schon ein Studium absolviert hat, ist es von Vorteil, jedoch nicht Bedingung.

Weitere Informationen: www.logotherapie.de

Georg Johannes Miller

 

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