Dr. Marianne Koch referierte bei den Gesundheitstagen in Fürstenfeld über "Jung bleiben, auch wenn man älter wird"

Ein "bewegtes Leben" hält länger jung

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Dr. Marianne Koch referierte bei den Gesundheitstagen in Fürstenfeld über "Jung bleiben auch wenn man älter wird".

Fürstenfeldbruck – "Die Periode des Lebens, in der wir nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt sind und vor der Sie jetzt vielleicht noch Angst haben, kann eine wunderbare, aufregende und anregende Zeit sein", sagte Dr. Marianne Koch bei ihrem gut besuchten Vortrag bei den Gesundheitstagen in Fürstenfeld am Wochenende 24./25. Mai 2014.

Ein bedeutender Ansatzpunkt sei die Beweglichkeit: Dazu Dr. Koch: "Beweglichkeit entsteht durch Koordination, also durch das perfekte Zusammenwirken von Knochen, Gelenken, gut durchbluteten und trainierten Muskeln und Nerven, die Befehle aus dem Gehirn blitzschnell an die Muskeln übertragen". Jung sein bedeute „beweglich sein“ - das gelte sowohl für den Körper, als auch für den Geist. Feste Knochen, geschmeidige Gelenke, starke Muskeln, elastische Blutgefäße, aktive Gehirnzellen und soziale Kompetenz gehörten dabei zu den wichtigsten Eigenschaften. Damit die Knochen stabil bleiben, sollte man sich kalziumreich (mindestens 1000mg/Tag) ernähren, z.B viele Milchprodukte, viel frisches grünes Gemüse, Obst und Getreideprodukte essen. Wenig Soft-Drinks, Kaffee, Alkohol, dafür aber Mineralwasser mit hohem Kalziumgehalt trinken. Außerdem nicht rauchen und sich ausreichend bewegen. Man sollte nicht zu wenig Gewicht auf die Waage bringen, sich aber auch keinen Wohlstandsspeck anfuttern. 

Generell sollte auf Fertignahrung und allzuviel Zucker verzichtet werden, tierische Fette und kalorienreiche Nahrung sollten Gesundheitsbewusste vermeiden. Gelenke bezeichnet die Internistin als "Kunstwerke der Natur , die bewegt werden müssen, sonst rosten sie". Deshalb sollte der Muskelapparat regelmäßig gekräftigt werden: Drei mal pro Woche ein strammer Spaziergang über 3 bis 4 Kilometer ist schon ein guter Anfang. Zu den Risikofaktoren gehört der zu hohe Blutdruck (Hypertonie), empfehlenswert sei  ein Ruheblutdruck nicht höher als 135/80, so Dr. Koch. Die Ärztin empfiehlt: "Wenn er auf natürliche Art und Weise - Abnehmen, körperliches Training, Reduzierung von Alkohol - nicht auf diese Werte einzustellen ist, dann müssen Sie blutdrucksenkende Tabletten einnehmen! Es gibt so viele unterschiedliche, dass Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt zusammen diejenigen aussuchen können, die bei Ihnen keine oder nur minimale Nebenwirkungen verusachen."

Gute Tipps, um die Gehirnzellen leistungsfähig zu erhalten und das Gedächtnis zu stärken, sind: Tagebuch schreiben, Kopfrechnen und Gedichte auswendig lernen! Die Alzheimer Krankheit sei deshalb eine solche Katastrophe, weil dabei die Hirnzellen durch die Bildung von krankhaften Eiweissstoffen zunächst nicht mehr miteinander kommunizieren können, bevor sie dann ganz absterben. Ohne Kommunikation der Zellen gibt es aber kein Gedächtnis, und ohne Gedächtnis gibt es kein Erkennen mehr." Dr. Koch betonte:  "Das Interessante ist: Mit jeder neuen Information, die Sie sich merken, mit jedem Lernvorgang, verändern Sie Ihr Gehirm. Jede Zelle, die etwas Neues speichert, erfährt im molekularen Bereich eine Umformung. Das bedeutet, dass Lernvorgänge nicht nur die Verbindungen der Hirnzellen untereinander aktivieren und oft auch erst neu schaffen, sondern dass die Zellen selbst durch die Lerninhalte geprägt werden. Man nennt das Neuroplastizität. Das gilt für alle Lernvorgänge." 

Dr. Marianne Koch 

Bei ihren Ausführungen warnte Dr. Marianne Koch vor Hormonen, die ewige Jugend garantieren sollen: Wachstumshormone, Sexualhormone, Testosteron sowie Melatonin. Derzeit gibt es keine Langzeitstudien über die Wirksamkeit und über die Sicherheit der Mittel! Auch Östrogene sollten nur dann zum Einsatz kommen, wenn bzgl. Brustkrebs und Eierstockkrebs keine familiäre Belastung vorliegt, kein Thromboserisiko gegeben ist und wenn deutlich die Lebensqualität mindernde Beschwerden auftreten.  Dr. Koch:  "In der Liste der gesundheitlichen Risiken des Mannes stehen Krankheiten von Herz und Kreislauf an oberster Stelle. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress am Arbeitsplatz gelten als Hauptursachen für Herzinfarkte, aber auch Durchblutungsstörungen in anderen Organen. Lunge und Bronchien, die nächsten Schwachstellen, leiden unter Nikotin, die Leber unter zuviel Alkohol." Aber erst wenn ein Mann älter werde, sei er meist bereit, sich Gedanken über seine Gesundheit zu machen. Da ist die Prostata, die größer wird und den Harnstrahl bremst, und da ist die Sorge - der Albtraum schlechthin, die Potenz sei in Gefahr. Dr. Koch beruhigte die Zuhörer: "Glücklicherweise kann den Männern auf diesem Gebiet immer besser geholfen werden. Eine vergrößerte Prostata reagiert oft jahrelang gut auf Medikamente und muss keineswegs immer operiert werden, und gegen Erektionsstörungen gibt es heute höchst wirksame Mittel, nicht nur Viagra."

Am Ende ihres Vortrags fasste Dr. Marianne Koch noch einmal die wesentlichen Punkte zusammen, u.a. regelmäßig zu allen Vorsorgeuntersuchungen zu gehen, Gemeinsamkeiten und soziale Kontakte zu fördern, eine positive Lebenseinstellung zu pflegen und nach Rückschlägen einen Neuanfang zu wagen. Der Kontakt zur jungen Generation lässt einen jung bleiben. Ganz wichtig sei es, sich alles zuzutrauen: Neue Anregungen, neue Freunde, einen neuen Job. "Beweglich bleiben wir nur, wenn wir bereit sind, auch weiterhin zu lernen. Verteidigen Sie ihren Platz in unserer Gesellschaft. Die Gesellschaft braucht Sie - auch wenn sie dies nicht immer weiß". Als Unwort des Jahres - oder des Jahrzehnts - würde Koch den Begriff "Überalterte Bevölkerung" vorschlagen. Der Ausdruck impliziere, "dass die Alten den Jungen die Butter vom Brot essen". Marianne Koch: "Ich finde es aber unerträglich, dass den älteren Menschen, die ja nichts dafür können, dass sie nun mal älter werden, dass diesen Menschen gesagt wird: Es ist nicht normal, dass Du noch da bist. Denk an die Statistik und kratz ab (Verabschiede Dich). Wir sollten uns wehren und wir sollten uns nicht unser Selbstwertgefühl kaputtreden lassen."

Autor: Nicole Burk

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