Nach fünfmonatiger Planung existiert seit dem 10. April 2016 eine verbesserte ärztliche Versorung in der Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst FFB

Medizinische Ambulanz für Asylbewerber verstärkt

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Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Fürstenfeldbruck, Dr. Werner Kainzinger.

Fürstenfeldbruck – Nach fünfmonatiger Planung existiert seit dem 10. April nunmehr eine verbesserte medizinische Ambulanz in der Dependance der Erstaufnahmeeinrichtung im Brucker Fliegerhorst und versorgt die dort derzeit 1.100 untergebrachten Asylbewerber. Im Rahmen eines Pressegesprächs informierte der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Fürstenfeldbruck, Dr. Werner Kainzinger, über die Umsetzung der medizinischen Basisversorgung.  

Am Gespräch nahm auch Adelheid Reik teil, die in der Regierung von Oberbayern für die Gesundheit und kurative Versorgung von Asylbewerbern zuständig ist. „Dank der hervorragenden Mitarbeit aller Beteiligten und der Spendenbereitschaft aus dem Ärztebereich können wir nun eine umfassende medizinische Basisversorgung vor Ort anbieten“, informierte Dr. Kainzinger und gab einen kurzen Überblick über den bisherigen Versorgungsbereich. Dabei bezeichnete die Vertreterin der Regierung von Oberbayern die Arbeit des Ärztlichen Kreisverbandes als vorbildlich und wichtig. Im Spätherbst 2014 habe man überlegt, ob man die medizinische Versorgung der Flüchtlinge über die kassenärztlichen Praxen abdecken kann. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass man die Versorgung höchstens in Notfällen durchführen könne, da die Ärzte schon jetzt am Limit ihrer Kapazitäten angelangt seien.

 So trafen sich auf Initiative des Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes, Dr. Werner Kainzinger, der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rudolf Summer, der Kreisgeschäftsführer des BRK, Rainer Bertram, und Klinik-Pflegedienstdirektor Wilhelm Huber sowie Vertreter des Landratsamtes zu einer gemeinsamen Besprechung, um die Problematik der medizinischen Versorgung der im Fliegerhorst untergebrachten Asylbewerber in den Griff zu kriegen. Es wurde beschlossen, die ärztliche Betreuung durch Einführung von täglichen Sprechstunden vor Ort durchzuführen. 17 Kollegen, die vor noch nicht allzu langer Zeit in den Ruhestand gegangen sind, wurden von Dr. Kainzinger und Dr. Jacob Nies aus Mammendorf angesprochen, und alle erklärten sich bereit, mitzuarbeiten.

8 Allgemeinmediziner, 2 Hausärzte und Internisten, 2 Kinderärzte, 1 Gynäkologe, 1 Dermatologe, 1 Urologe und 1 HNO-Facharzt

 Acht Allgemeinmediziner, zwei Hausärzte und Internisten, zwei Kinderärzte, ein Gynäkologe, ein Dermatologe, ein Urologe und mit Dr. Kainzinger ein HNO-Arzt übernahmen auf Vertragsbasis für vorerst zwei Jahre die ärztliche Basisversorgung. Mehr war vorerst nicht drin, denn es fehlte in den beiden Räumen, die den Ärzten von Dezember 2014 bis März 2016 in der Erstaufnahmeeinrichtung zur Verfügung standen, an jeglichen medizinischen Geräten. Der Platz reichte vorn und hinten nicht aus, schilderte Dr. Kainzinger die Lage. Besuchten anfangs ca. 400 Patienten die Sprechstunde, so sind es jetzt inzwischen 800 bis 900 im Monat. Im November des vergangenen Jahres waren es gar 972. Auch wenn sich einige Ärzte „begeistert zeigten“, mal wieder „mit den Händen zu arbeiten“, so Dr. Kainzinger, so war die Situation letztlich unbefriedigend. Denn außer Blutdruck- und Blutzuckermessungen, Schnell-Urin-Tests oder Stethoskop-Untersuchungen war so gut wie nichts möglich. Die Folge war, die Ärzte mussten zu viele Patienten nach draußen überweisen. Das ist nach dem Umzug alles besser, teilte Dr. Kainzinger mit. Die medizinische Ambulanz in der Erstaufnahmeeinrichtung verfügt jetzt über drei Ärztezimmer, zwei Wartebereiche, einen Anmeldebereich, ein Magazin, ein Aufenthaltsbereich für Personal mit Teeküche sowie ein kleines Labor. „Auch sind wir jetzt ganz ordentlich ausgestattet“, meinte Dr. Kainzinger.

Nach einem Aufruf von ihm spendeten die Ärztekollegen drei Ultraschallgeräte, außerdem verfüge man über ein EKG, einen Gynäkologenstuhl und einen Wehenschreiber. Die Folge war, dass die Überweisungen nach draußen zur Hälfe reduziert werden konnten. Unterstützt werden die Ärzte darüber hinaus zusätzlich von sechs medizinischen Fachkräften. Im Mai haben die Ärzte 135 Stunden Praxisdienst geleistet. Ziel sei es jetzt noch, die verschiedenen Impfungen vor Ort durchzuführen, „um ein Aufleben von Krankheiten, die bei uns als ausgerottet gelten“ zu verhindern. Die Asylbewerber erhalten alle rezeptpflichtigen Medikamente, sind aber von der Rezeptgebühr befreit.

Die dabei entstehenden Kosten werden alle 14 Tage mit dem Sozialamt abgerechnet. Die größte Barriere bei der ärztlichen Behandlung stellt immer noch die Sprache dar. Monatlich wird der Regierung von Oberbayern eine anonymisierte Statistik über die Erkrankungen vorgelegt, teilte Dr. Kainzinger mit. Dabei handelt es sich bei einem Drittel um banale grippale Infekte, um einfachere Verletzungen oder um Beschwerden mit der Wirbelsäule. 15 bis 20 Prozent leiden aber auch unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Auch fällt die hohe Rate an Schwangerschaften auf. „Ansonsten ist alles im grünen Bereich“, meinte Dr. Kainzinger, „die sind im Vergleich zu bundesdeutschen Patienten nicht mehr und nicht weniger krank.“

 Dieter Metzler

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