Auf Initiative des Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes, Dr. Werner Kainzinger wurde eine Besprechung im Landratsamt angesetzt

Tägliche ärztliche Sprechstunde für Asylbewerber im Fliegerhorst FFB

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Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes und in der Kreisstadt niedergelassene Hals-, Nasen- Ohrenarzt, Dr. Werner Kainzinger, im Sprechzimmer für Asylbewerber im Brucker Fliegerhorst.

Fürstenfeldbruck – Ein Großeinsatz in der Flüchtlingsunterkunft im Fliegerhorst im Oktober, als der Rettungsdienst anrücken musste, nachdem sich etliche Asylbewerber mit einem Magen-Darm-Virus infiziert hatten, gab den Ausschlag, zur Einrichtung einer täglichen Sprechstunde im Fliegerhorst vor Ort.

Auf Initiative des Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes, Dr. Werner Kainzinger, trafen sich danach der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rudolf Summer, der Kreisgeschäftsführer des BRK, Rainer Bertram, und Klinik-Pflegedienstdirektor Wilhelm Huber sowie Vertreter des Landratsamtes zu einer gemeinsamen Besprechung, um die Problematik der medizinischen Versorgung der im Fliegerhorst untergebrachten Asylbewerber in den Griff zu kriegen. „Der Security-Dienst wusste sich häufig nicht anders zu helfen, als für jede Kleinigkeit gleich den ärztlichen Notdienst zu alarmieren“, berichtete Dr. Kainzinger. Die Beteiligten beschlossen, die ärztliche Betreuung der Asylbewerber in der Aufnahmeeinrichtung im Fliegerhorst durch Einführung von täglichen Sprechstunden vor Ort durchzuführen. Doch wer kann das übernehmen? Im Ärztlichen Kreisverband sind 880 Ärzte zusammengeschlossen.

 Die niedergelassenen Kassenärzte kamen für die zusätzliche Aufgabe aber kaum infrage. Der Vorstand des Ärztlichen Kreisverbandes ging auf die Kollegen zu, die sich in den vergangenen zwei Jahren zur Ruhe gesetzt hatten. Dr. Jacob Nies aus Mammendorf und Dr. Kainzinger, die gezielt die ehemaligen Kollegen anriefen, waren überwältigt von der Bereitschaft. 17 Ärzte, dabei auch noch zwei praktizierende Bundeswehr-Ärzte, die sich nach Feierabend zur Verfügung stellen, sowie zwei Kinderärztinnen und eine kassenärztliche Kollegin sagten zu. Die Ärzte arbeiten auf Vertragsbasis für vorerst zwei Jahre und werden von der Regierung von Oberbayern stundenweise vergütet. Seit dem ersten Dezember sind im Fliegerhorst ein Arztzimmer und ein Wartezimmer eingerichtet. An fünf Tagen hält jeweils zwei Stunden lang eine Ärztin/ein Arzt eine Sprechstunde ab. „Meistens werden es aber drei Stunden“, so Dr. Kainzinger. Durchschnittlich suchen 25 Patienten pro Tag die Sprechstunde auf, um sich ärztlich versorgen zu lassen. „Es ist natürlich nur eine allgemein ärztliche Basisversorgung möglich“, berichtet Dr. Kainzinger, „wir verfügen hier weder über ein Ultraschallgerät noch ein EKG.“ 

Sollte eine Überweisung an einen niedergelassenen Facharzt notwendig sein, so übernimmt die Caritas die Termingestaltung und hilft dem Asylbewerber auch bei der Ortsfindung. Nachdem sich von anfangs 200 die Zahl der Flüchtlinge inzwischen auf nahezu 600 erhöht hat, hat auch der Umfang der organisatorischen Aufgaben zugenommen. Sporadisch hat die Caritas bisher ausgeholfen. Das Landratsamt hat Unterstützung zugesagt und eine Stelle befristet auf ein Jahr ausgeschrieben. Ein organisatorisches Problem stellt auch die Versorgung der Flüchtlings-Patienten mit Medikamenten dar. Die Rezepte bringt der Arzt nach der Sprechstunde zu einer Apotheke. Die liefert dann die Medikamente aus. Damit nicht eine Apotheke bevorzugt wird, wurde ein Apothekenplan aufgestellt, nachdem alle zwei Wochen eine andere Apotheke die Medikamente bereitstellt. „Das Verfahren hat der Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, Dr. Thomas Benkert, abgesegnet“, informierte Dr. Kainzinger. Durch die großen Sprachschwierigkeiten, „60 Prozent können ein wenig Englisch, die Schwarzafrikaner auch Französisch, aber 30 Prozent weder noch“, würden häufig Medikamente liegenbleiben, ganz einfach, weil die Flüchtlinge es nicht verstanden haben, dass sie ihr Medikament am nächsten Tag abholen sollten. Anfangs waren im Fliegerhorst nur Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien, mittlerweile aber auch aus Pakistan, Afghanistan, Mali, Niger, Nigeria und Somalia. „Die Menschen sind froh und dankbar, dass man sich ihrer annimmt“, hat Dr. Kainzinger einen positiven Eindruck mit der Einrichtung der Sprechung gewonnen. Und bei den staatlichen Stellen stoße man stets auf ein offenes Ohr, wenn es um Unterstützung gehe. „Geld ist vorhanden, organisieren müsst ihr selber.“ Die nächste größere Maßnahme werde die Durchführung der üblichen nach der STIKO (Ständige Impfkommission) vorgeschriebenen Impfungen sein. Dafür liegen bereits Impfstoffe für ca. 200.000 Euro bereit. 

Dieter Metzler

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