Metzgerinnung contra Brüssel - Strittige Punkte sind Ebermast und Einschränkung der Ferkelkastration

Ehrung für Ingrid Sturm (2.v.re.) für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit beim Eberl in Hattenhofen, daneben die Chefin Christine Hattensperger sowie Engelbert Jais (re.) und Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer. Foto: Günter Schäftlein

Die Einladung der Metzger-Innung FFB zur Versammlung 2011 ins Türkenfelder Gasthaus Eisenreich wurde von zahlreichen Mitgliedern wahrgenommen. Zum Vortrag von Dr. Wolfgang Lutz vom Deutschen Fleischerverband kam Widerspruch aus der Versammlung auf. Es ging dabei um so strittige Punkte wie Hackfleischuntersuchungen oder Ebermast und Ferkelkastration, zu denen die EU aus Tierschutzgründen einschneidende Einschränkungen in die Gesetzgebung einbringen will. Der Referent Dr. Lutz, früherer Tierarzt und jetzt beim Fleischerverband in Frankfurt/Main für die Lebensmittelüberwachung zuständig, hierzu: „Das ist bereits alles Fakt!“ Innungsobermeister Engelbert Jais sieht das ganz anders: „Das ist geschäftsschädigend. Wer je einmal stinkendes Fleisch von einem nichtkastrierten Eber gegessen hat, der isst nie mehr Schweinefleisch!“

Auf den vorgestellten Folien des Verbandes war ablesbar, dass man bei den mikrobiologischen Untersuchungen von beispielsweise Hackfleisch, aber auch von Kochwurst, Rohschinken usw. kleineren Betrieben bei aller „Null-Toleranz“ nicht mehr als ein bis zwei Untersuchungen pro Jahr zumuten könne. Dagegen sei Brüssel in der Ferkelkastration und Ebermast aus Tierschutzgründen unerbittlich: Nur noch bis 2018 ist eine Kastration ohne Betäubung bis zum 7. Lebenstag möglich. Danach generelles Verbot (in Vorbereitung). Auch Verbraucherschutzministerin Aigner stimme da mit Brüssel überein: „Die Tiere müssen unversehrt bleiben.“ Obermeister Jais ebenso unerbittlich: „Eberfleisch ohne Kastration ist ungenießbar!“ Zuvor hatte Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer die günstige gesamtwirtschaftliche Situation sowohl in den Branchen wie auch auf dem Arbeitsmarkt hervorgehoben. Im Landkreis sei das Handwerk gut aufgestellt. Bei der Lehrlingswerbung werde man bei schrumpfenden Jahrgängen neue Wege gehen müssen, bevorzugt durch Schulbesuche. Die zuletzt für Erzeugerbetriebe und Gastronomie überlegten und übertriebenen Hygienevorschriften/-kennzeichnungen wären „ein Kanonenschießen auf Spatzen“. Höfelsauer: „Wenn ich ein halbes Jahr lang draußen ein rotes Schild habe, dann bin ich geschäftlich tot!“ Es wäre doch überhaupt nicht möglich, eine zügige Nachkontrolle festzumachen. Kreis-Gf. Jutta Sellin trug die Jahres-Innungsrechnung 2010 vor, die von der Versammlung einstimmig gebilligt und damit Vorstand und Geschäftsführung entlastet waren. Obermeister Jais überreichte Frau Sellin, die noch den Haushaltsplan 2011 verlas, einen Blumenstrauß nach ihren Ausführungen. Im neugewählten Rechnungsprüfungsausschuß sind nun Günther Nagl und Christine Hattensperger zuständig. Der Fleischerverbandsvertreter Dr. Lutz lobte den Schlachthof in Fürstenfeldbruck für seinen deutschlandweit bekannten, guten Ruf, nicht zuletzt auch durch die private Fleischbeschau. Der Fleischerverband unterhält in Brüssel ein eigenes Büro mit rund 100.000 Euro Jahreskosten. Nicht zuletzt wegen der dortigen Gesetzes- und Vorschriftenflut. Ingrid Sturm, Fachverkäuferin, wurde für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit beim Betrieb Eberl in Hattenhofen geehrt.

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