Mit der MiG-29 in die deutsche Einheit - Vortrag von Gunter Fichte bei den Freunden der Luftwaffe

Der Sektionsleiter München des Freundeskreises der Luftwaffe, Heinz Gerrits (re.) und der Referent des Abends, Oberstleutnant a. D. Gunter Fichte, vor dem Geschwader-Wappen des letzten fliegenden Verbandes im Offizierheim in Fursty. Foto: Dieter Metzler

Heinz Gerrits, Leiter der Sektion München, freute sich, dass die letzte Veranstaltung des Freundeskreises der Luftwaffe in diesem Jahr auf so großes Interesse stieß. Über 70 Mitglieder und Gäste waren der Einladung am 4. November ins Offizierskasino im Brucker Fliegerhorst gefolgt, um den Vortrag von Oberstleutnant a. D. Gunter Fichte „Mit der MiG-29 in die deutsche Einheit“ zu verfolgen. Besonders freute sich Gerrits, dass er auch eine Reihe ausländischer Kadetten aus der Offizierschule der Luftwaffe begrüßen konnte.

Anschaulich und kurzweilig berichtete der ehemalige Offizier der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR und der Luftwaffe der Bundeswehr über seine Jahre sozusagen als „Soldat, der in zwei deutschen Armeen nach dem Zweiten Weltkrieg gedient hat“. Auf über 4.100 Einsätze kam Fichte in seinen 33 Jahren als Pilot. Die Luftstreitkräfte der NVA hatten 1988 20 MiG-29A und vier zweisitzige MiG-29UB erhalten, die im Jagdgeschwader 3 von Preschen aus eingesetzt wurden. Im Jahre 1989 wurde Fichte in Preschen auf die MiG-29 umgeschult. „Das ist wie wenn sie vom Trabi auf einen Mercedes umsteigen“, schwärmte Fichte von dem russischen Jagdflugzeug, das mit vollem Namen Mikojan-Gurewitsch heißt. Als Staffelkommandeur im Jagdgeschwader 3 in Preschen erlebte Fichte den letzten Flug einer MiG-29 als NVA-Flugzeug im September 1990 und zugleich den Übergang der MiG-29 in die Luftwaffe der Bundeswehr im Oktober 1990. Aus dem Jagdgeschwader 3 der NVA wurde das „Erprobungsgeschwader MiG-29“ und Fichte wurde im Rang eines Majors der Bundeswehr als Staffelkapitän eingesetzt. In diesem Zusammenhang berichtete er über seine Erfahrungen mit der MiG-29 zum einem als allwettertaugliches taktisches Mehrzweckflugzeug im System der Luftverteidigung des Warschauer Paktes und zum anderen über die Integration des Flugzeugs in die NATO. Dabei berichtete der Pilot auch von den Schwierigkeiten einer „Hochzeit“ zwischen F-4F-Phantom und der MiG aufgrund der nicht kompatiblen Technik und Elektronik der beiden Flugzeugtypen. Die MiGs waren nach einer Erprobungsphase und der Umrüstung aller Maschinen auf NATO-Standards unter der neuen Bezeichnung MiG-29G bzw. GT beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage im Einsatz. Bis 2003 absolvierten die Luftwaffenpiloten über 30.000 Flugstunden auf der MiG-29. Mit der Übernahme von 24 MiG-29 Flugzeugen, die die Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung von der NVA übernommen hatte, war die BRD seinerzeit als einziges NATO-Mitglied vor der Osterweiterung im Besitz dieses Flugzeugtyps. Eine Maschine ging bei einem Absturz aufgrund eines Pilotenfehlers im Jahre 1996 verloren, eine weitere Maschine wurde ins Luftwaffenmuseum Gatow überführt. Die restlichen 22 Flugzeuge wurden im Zuge der Einführung des Eurofighters im Jahre 2003 und 2004 für einen symbolischen Preis von einem Euro an Polen, das 1999 der NATO beigetreten war, übergeben. „Die Verschrottung hätte Millionen verschlungen“, so Fichte. „Das Ende der deutschen Teilung bedeutete zugleich aber auch das Ende für ca. 600 Piloten der NVA“, stellte Fichte die damalige Situation der Piloten dar. Auch ließ er dabei nicht unerwähnt, dass die von der Bundeswehr übernommenen „Ost-Soldaten“ Pensionsanspruch nur für die in der Bundeswehr verbrachten Zeiten haben. Fichte, der heute freischaffend in der Touristenbranche und mitunter auch als Fachjournalist tätig ist, erhielt von seiner Frau auf der Fahrt nach Fürstenfeldbruck auf seine Frage „wie fandest du die Zeit damals“ die Antwort: „Mit vielen Einschränkungen – schön!“

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