Militärseelsorger sind nicht in die Hierarchie der Bundeswehr eingebunden –  Militärdekan Ingo Schurig hielt Vortrag bei den Brucker Zeitgesprächen

Militärseelsorge: Kritische Solidarität der Kirche

+

Fürstenfeldbruck – Militärseelsorger sind nicht in die Hierarchie der Bundeswehr eingebunden und arbeiten in „kritischer Solidarität“ zu den Soldatinnen und Soldaten, stellte Ingo Schurig, seit August 2012 Militärdekan bei der Offizierschule der Luftwaffe, bei seinem Vortrag am 24. Februar heraus. Im Rahmen des Brucker Zeitgesprächs referierte der evangelische Militärdekan über die neue Rolle der Bundeswehr und die Militärseelsorge. 

Gegründet als Armee zur Landesverteidigung hat die Bundeswehr seit dem Ende des Kalten Krieges eine neue Rolle erhalten, begrüßte Wolfram Nugel, Mitglied des Brucker Zeitgesprächs, die knapp 40 Zuhörer im Gemeindesaal der Erlöserkirche am Stockmeierweg. Doch nicht nur die Aufgaben der ursprünglichen Verteidigungsarmee, die längst zu einer Einsatzarmee avancierte, haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert.

 Durch die steigende Zahl der Auslandseinsätze der Soldaten sind auch die Anforderungen an die Militärgeistlichen gestiegen. „Wir haben eine Bundeswehr, die nicht zur Debatte steht“, schickte Militärdekan Schurig anfangs voraus und erinnerte an die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, die 1955 für Staat und Gesellschaft zunächst eine große Herausforderung darstellte. Auch wenn sich seit den Anfängen der Bundeswehr der Auftrag verändert habe, sei die verfassungsmäßige Grundlage für die Streitkräfte immer noch die Gleiche. Die neuen Aufgaben, die sich aus den Verteidigungspolitischen Richtlinien von 2011 ergeben, enthalten die Ziele der deutschen Sicherheitspolitik. Das Prinzip der Selbstverteidigung war mit Ende des Kalten Krieges endgültig vorbei. Auch wenn die Auslandseinsätze anfangs zu vielen politischen Debatten führten, so hat das Bundesverfassungsgericht 1994 geklärt, dass vom Bundestag mandatierte Einsätze legitim sind. Damit enthält dieses Urteil zugleich den Parlamentsvorbehalt für den Einsatz bewaffneter Soldaten im Ausland. Derzeit befinden sich 2528 Soldatinnen und Soldaten weltweit im Einsatz (Stand: 19. Januar 2015). Von den seit 1992 in Auslandseinsätze entsandten Bundeswehr-Angehörigen starben 104 Soldaten, 37 durch Fremdeinwirkung, 67 kamen durch sonstige Umstände ums Leben. Eine große Herausforderung an die Streitkräfte stellt die hybride Kriegsführung dar. „Jetzt kämpft nicht mehr Staat gegen Staat, sondern hier wird Krieg mit verdeckten, irregulären oder gar terroristischen Methoden geführt.“

 Neben vielen Pflichten habe der Soldat auch Rechte, wechselte Schurig zur Militärseelsorge. So werde dem Soldaten nach dem Soldatengesetz die ungestörte Religionsausübung garantiert, auch im Dienst. „Wie das gewährleistet werden sollte, war zu Anfängen der Bundeswehr ein großes Thema“, blickte Schurig erneut in die Historie zurück. 1957 hat die Evangelische Kirche in Deutschland ihre „kritische Solidarität mit Soldaten“ im Militärseelsorgevertrag eine institutionelle Gestalt gegeben und dabei beansprucht, mit der Unabhängigkeit der Militärseelsorger Lehren aus der Instrumentalisierung der Militärseelsorge im Zweiten Weltkrieg gezogen zu haben. So sind deutsche Militärpfarrer, im Gegensatz zu den Militärgeistlichen aller anderen Armeen auf der Welt, Zivilisten. Sie haben keinen Dienstgrad, tragen keine Waffen, stehen außerhalb der militärischen Befehlsstruktur und sind auf Zusammenarbeit den Disziplinarvorgesetzten zugeordnet. Sie sind zeitliche befristete Bundesbeamte (maximal zwölf Jahre) und kehren dann wieder in den Dienst ihrer Landeskirche zurück.

 Der Philosoph, Theologe und Pädagoge Georg Picht sagte über die Militärseelsorge als Konkretion des Verhältnisses der Kirche zu militärischer Gewalt: „Weil aber der Soldat gezwungen ist, als Handhaber militärischer Gewalt im Schatten der Möglichkeit zu leben, dass er zum Funktionär des Schreckens werden könnte, bedarf es der kritischen Solidarität der Kirche durch die Militärseelsorge.“

Dieter Metzler

 

Meistgelesene Artikel

Mülleimer peppen Stadtbild auf

Fürstenfeldbruck – Schülerunternehmen „Royal Trashmasters“ verschönert in Zusammenarbeit mit der Stadt Abfallbehälter der Innenstadt mit …
Mülleimer peppen Stadtbild auf

Parteiloser Thomas Lutzeier kandidiert

Fürstenfeldbruck – „Ich mache es! Ich will Bürgermeister werden!“, dies gab Thomas Lutzeier am Sonntag in facebook in einer Gruppe bekannt, die er …
Parteiloser Thomas Lutzeier kandidiert

Anwohner kippt Wasser auf Passantin

Germering - Den vergangenen Freitag, den 13. Januar wird eine 51 jährige Frau aus Germering wohl noch länger als sehr unangenehm in Erinnerung …
Anwohner kippt Wasser auf Passantin

Kommentare