Mühlen-Romantik nur für Besucher - Furthmühle erklärte funktionierenden Mühlenbetrieb

Auf seiner Kurzführung lässt Uwe Hänel „seine“ Besuchergruppe auch einen Blick in die Kammer eines Müllers werfen. „War’s da nicht zu laut, so gleich nebendran?“ fragt die siebenjährige Janine ganz neugierig. Uwe Hänel reagiert schmunzelnd. Er schließt erst die eine Tür zum Mühlenbereich, dann die Tür zur Kammer. Und plötzlich herrscht Stille im Raum. „Und für Schallschutz gibt man heut viel Geld aus. Früher hat man einfach die Tür zugemacht“, sagt Hänel und hat die Lacher auf seiner Seite.

Das war nur eines Details, die die zahllosen Besucher auf dem Mühlentag, an dem sich auch die Furthmühle angeschlossen hatte, zum Staunen brachten. Man musste für die Kurzführungen schon Geduld aufbringen. Denn lange Warteschlangen bewiesen das große Interesse an den Blick in die Berufswelt eines früherer Müllers. „Das hatte mit Romantik ganz wenig zu tun“, so Hänel. Gleichwohl brachte die Technik manchen zum Staunen. So simpel manches schien, es erfüllte seinen Zweck und war zu seiner Zeit auf der Höhe der Technik. Und so nebenbei wurden die Besucher auch über die verschiedenen Getreideesorten vom Weizen über die Gerste bis zum Roggen aufgeklärt. Aber auch viele weitere Anziehungspunkte lockten die Besucher an. Wer wollte, konnte sich in der Sonderausstellung „850 Jahre Furthmühle“ informieren. Waldführungen mit Forstdirektor Gottfried Haug und Förster Franz Sarorius, Imkervorführungen, das aufsehen erregende Hämmern eines Schmieds und ein sorgfältig gestaltetes Kinderprogramm rundeten das Programm ab. Kreisheimatpfleger Sepp Kink beteiligte sich mit einer Gesangsrunde. Für beste und eine höchst stimmungsvolle musikalische Umrahmung sorgten unter anderem die Jugendblaskapelle Unterschweinbach und der Männergesangverein Gröbenzell. Letzterer hatte auch den Gottesdienst, der dem Mühlentag vorausgegangen war und an dem 300 Besucher teilgenommen hatten, mit seinem Gesang würdevoll begleitet. Furthmühlen-Besitzer Robert Aumüller war mit dem wieder einmal großen Interesse sehr zufrieden. „Ich freue mich, so viele Menschen begrüßen zu können“, sagte er in seiner kurzen Begrüßung. Seine Freude passte aber zum idealen Ausflugswetter, der den Mühlentag begleitete. Und bei vielen Schmankerln, die an verschiedenen Ständen gut organisiert an den Mann, die Frau und die vielen Kinder gebracht wurden, ließen den Tag endgültig zum Erlebnis werden. Der Deutsche Mühlentag wird seit 1993 von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung jeweils am Pfingstmontag veranstaltet. Vorbilder sind der Nationale Molendag und der Niedersächsische Mühlentag. Hauptziel ist es, die Mühlen, einst wichtige Orte für technische Innovation, der Kommunikation und der Begegnung, wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. In der Furthmühle im Landkreis FFB wird die Sonderausstellung „850 Jahre Furthmühle“ sowie die Dauerausstellung „Entwicklung des Mühlenbaus“ präsentiert. Die Jugendkapelle Unterschweinbach und die Dudelsackbläser sorgten für eine musikalische Unterhaltung. Es gab die berühmten „Furthmühlen-Schmalzkiacherl“, die wie auch der Kuchen und die Fladen mit bestem Dinkelmehl aus der Mühle frisch gebacken werden. In Deutschland öffneten an diesem Tag rund 1000 Mühlen, in Bayern hat sich die Zahl der teilnehmenden Mühlen bei rund 50 eingependelt. Das sieht auf dem ersten Blick wenig aus. Jedoch besteht ein wesentlicher Unterschied: Während in anderen Bundesländern meist Museumsmühlen oder von Vereinen getragene ehemalige im Gemeinschaftsbesitz befindliche Mühlen sich an diesem Tag der Öffentlichkeit präsentieren, nehmen in Bayern eine Vielzahl von produzierenden Mühlen teil. Die Bandbreite reicht von der Rückschüttmühle, deren Besitzer im Jahr höchstens 2000 Tonnen Getreide zu Mehl verarbeiten kann, bis zu Mühlen, die nach aktuellen Stand der Technik ausgestattet sind. So unterschiedlich die Mühlen, so unterschiedlich ist auch die Art ihrer Präsentation am Mühlentag. Steht bei den einen die fachlich fundierte Information im Mittelpunkt, so gestalten andere Mühlenbetreiber den Pfingstmontag zu einem Volksfest. Der Landesverband Bayern der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung hatte den diesjährigen Mühlentag - wie schon im Vorjahr - mit Blick auf die Klimadebatte unter das Generalthema „Energie ohne Nebenwirkung“ gestellt und will damit einen Beitrag für eine bessere Förderung der Wasserkraftnutzung leisten. Dabei wurden Kleinst- und Kleinwasserkraftanlagen in den Mittelpunkt gerückt. Schließlich ist die Stromerzeugung für viele traditionelle Mühlenstandorte eine letzte und somit wichtige Einkommensquelle und damit ein wesentlicher Aspekt zur Erhaltung von Gebäuden und den mühlentypischen, oftmals denkmalgeschützten Mühlenanlagen mit Wasserrrädern, Wehren und Stauanlagen.

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