Nicht im Verfassungsschutzbericht – Türkischer Politikwissenschaftler und DITIB-Repräsentant Aykan Inan referierte im Puchheimer Mehrgenerationenhaus

Das Podium beim interreligiösen Gespräch der DITIB Türkisch-Islamische Union im Puchheimer Mehrgenerationenhaus: (v.li.) Serkan Cagatay, Gürkan Erkilic und Aykan Inan.Foto: Günter Schäftlein

Der als Regionalreferent und Landesbeauftragte für die DITIB - Türkisch-Islamische Union tätige Aykan Inan wählte das Mehrgenerationenhaus in der Heuss-Straße für seine interreligiösen Darlegungen. Unter den rund 30, überwiegend islamischen Besucher/innen befanden sich auch einige deutsche Zuhörer, so u.a. auch Stadtrat Norbert Seidl.

Der Referent präsentierte sich als sprachlich gewandter DITIB-Repräsentant der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V., eingetragen seit Juli 1984 beim Amtsgericht Köln und mit einer religiös-sozialen Zielsetzung für das Islam-Verständnis in der BRD. Gemäß den DITIB-Regeln kündigte der Politwissenschaftler Aykan Inan zu Beginn den Inhalt seiner Ausführungen an: Die religiösen Grundlagen, das Grundwissen zum DITIB, dessen Landesverband in Südbayern, die Aktivitäten zur interreligiösen Zusammenarbeit auf Bundesebene. Die Möglichkeiten einer interreligiösen Zusammenarbeit mit Christen und Juden belegte Aykan Inan ausführlich mit Text-Beispielen aus dem Koran - Suren 2, 3. 49 Als die „6 Glaubensgrundsätze des Islam“ manifestierte Aykan Inan mit dem Hinweis auf christlich-jüdische Übereinstimmungen: 1) Ein einziger Gott. 2) Seine Engel. 3) Seine Offenbarung. 4) Seine Gesandten (Propheten). 5) Den Tag des jüngsten Gerichts. 6) Die Vorbestimmung. Der Referent unterstrich hierzu abschließend: „Der Muslim glaubt auch an die hl. Bücher, die vor Mohammed da waren.“ In seinen organisatorischen Erklärungen ging Aykan Inan - der auf dem Podium vom Lehrer und Moderator Serkan Cagatay unterstützt wurde - auf die Einzelheiten zum Dachverband DITIB ein, organisiert bis hinunter zu den Ortsgemeinden, zu Religionsräten, -beiräten, -beauftragten. 900 Mitgliedsgemeinden (Moscheenvereine) verteilen sich bundesweit auf 15 Landesverbände und 2500 Moscheen für rund 4 Millionen Muslime. Der Landesverband Bayern besteht seit 2009 und verfügt in Südbayern (Schwaben, Ober- und Niederbayern) über insgesamt 84 Ortsgemeinden (Moscheenvereine) mit rund 20.000 Gläubigen. Der bundesweite DITIB rechnet es sich zum besonderen Vorteil an, die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in der BRD zu sein und „nicht im Verfassungsschutzbericht zu stehen!“ Angestrebt wird die allgemeine Anerkennung als Religionsgemeinschaft, was das Mitspracherecht zum Religionsunterricht in den Schulen sichert. Die Angst der Deutschen, von islamischen Einrichtungen unterwandert zu werden, hält man für unberechtigt. „Die islamischen Gemeinden in Deutschland sind eigentlich sehr unauffällig und die wenigsten Moscheen auffällig.“ Dem Einwand von deutscher Seite und Hinweis auf die Beschränkung christlicher Kirchen in der Türkei wurde heftig widersprochen: „Es gibt viel mehr christliche Kirchen dort als in den Medien publiziert wird!“ Fast zögerlich kam jedoch das Korrektiv von einem muslimischen Besucher „Ich bin nicht der Meinung, dass die Christen in der Türkei das Mindestmaß an Anerkennung haben.“ Für den Landkreis FFB waren die Erklärungen von Gürkan Erkilic, 43, aus Germering aufschlussreich. Der gebürtige Pforzheimer lebt hier seit 13 Jahren und hat die Leitung und Initiativen für die seit 16 Jahren bestehende Ortsgemeinde und den Moscheenverein Germering übernommen. Immer wieder sei der Versuch gestartet worden, eine entsprechende Räumlichkeit außerhalb von Industriegebieten zu finden. Nach 6 Monaten intensivster Suche - „Wir standen kurz vor der Gemeindeauflösung …“ - wurde man jetzt in einem „reinen Wohngebiet“ fündig. „Noch ist es eine Baustelle …“, aber man ist vorsichtig optimistisch, mit der unmittelbaren Umgebung gutnachbarschaftlich leben zu können: Bei dieser „Herbergssuche“ waren Germerings Oberbürgermeister und Gemeinderat mit ihrer positiven Entscheidung behilflich. Jedoch: Frühere bescheidene Versuche einer interreligiösen Annäherung - „Wir haben alle Kirchen dazu eingeladen, aber nur eine kam!“ - wurden ohne Säuernis inzwischen abgehakt. „Einiges ist noch immer in den Kinderschuhen zwischen uns … Zum Dialog gehören immer zwei!“ Gürkan Erkilic: „In meinem Geburtsort Pforzheim wurde jahrelang erbittert gegen den Bau einer Moschee gekämpft. Heute zählt sie mit zum festen Programm der städtischen Fremdenführer …“

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