Noch immer ein Tabu: Sexuelle Übergriffe in Sportvereinen - Bayerische Sportjugend setzt auf Prävention

Erst zu Beginn des Jahres sorgte die Verurteilung eines Ex-Judotrainers für Schlagzeilen, als der 38-Jährige wegen Kindesmissbrauchs in 211 Fällen vom Richter zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe mit anschließender Einweisung in die Psychiatrie verurteilt wurde. Dies ist nur eines der vielen unfassbaren Beispiele sexueller Gewalt in einem Sportverein. Dennoch wird das Thema in den meisten Vereinen immer noch weitgehend tabuisiert. Über sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen spricht eben niemand gern: die Betroffenen schämen sich, die Vereinsverantwortlichen wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. So bleiben in den meisten Fällen sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen im Dunkeln.

Aus diesem Grund veranstaltete unlängst die Bayerische Sportjugend (BSJ) des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) im Vereinsheim des FC Puchheim für die Vereine im Brucker Landkreis eine Informations-Veranstaltung mit dem Thema „Prävention sexueller Gewalt in der Jugendarbeit der Sportvereine“. Für das eintägige Seminar konnte der erste Vorsitzende der Kreisjugendleitung im BLSV, Holger Schabenberger aus Mittelstetten, mit dem Dipl. Sozialpädagogen Stefan Port vom kibs Kinderschutz e. V., einen zertifizierten Selbstbehauptungstrainer für Jungen, gewinnen. Niemand billigt sexuelle Übergriffe im Sport. Aber wer erkennt sie? Wer spricht sie an? Rund um das Tabuthema gibt es viele Unsicherheiten und Fragen. Wichtig ist, aufmerksam zu sein, hinzusehen und zu handeln. Klare Zielsetzung der Tagung war es, sexuelle Übergriffe in Sportvereinen durch Vermittlung von Wissen zu diesem Thema, sowie geeigneter Verhaltensregeln (Verhaltenskodex) zu verhindern. Nur zehn Vertreter/Vertreterinnen aus vier Vereinen, sieben davon allein vom FC Puchheim, eine vom TSV Alling, einer vom Minigolfclub aus Olching sowie einer vom DJK München, fanden den Weg ins Puchheimer Vereinsheim. Der Vorsitzende der Kreisjugendleitung bedauerte, dass die Veranstaltung auf so wenig Resonanz bei den 126 Sportvereinen im Landkreis stieß. „Wir haben alle Vereine eingeladen, entweder schriftlich oder über die Email-Adresse“, so Schabenberger. Scheinbar glauben die Vereine im Landkreis dieses hoch brisante Thema auch ohne präventive Aufklärung in den Griff zu bekommen. Traude Mandel, Beisitzerin der Kreisjugendleitung und Mitglied im Vorstand des FC Puchheim, erinnerte daran, dass der in der Kinder- und Jugendarbeit eines Sportvereins tätige Übungsleiter den Übungsleiterschein nur erhält, wenn er die „Selbstverpflichtungserklärung zur Prävention vor sexueller Gewalt (PsG) in der Kinder- und Jugendarbeit“ unterschreibt.

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