Tag des offenen Denkmals

Jenseits des Guten und Schönen

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Eine Besuchergruppe unternahm am Tag des offenen Denkmals mit Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz (mit Mikro) eine Bustour zu einem fast 140-jährigen Bauernhaus in Emmering. Mit dabei auch Eigentümer Fischbeck (rotes T-Shirt), Bürgermeister Dr. Schanderl (am Zaun) und Kreisheimatpfleger Kink (rotes Hemd, weiße Weste).

Landkreis – Ungewohnte Einblicke ermöglichte der „Tag des Offenen Denkmals“, an dem sich der Landkreis mit einem interessanten Programm beteiligte. Der erstmals 1993 bundesweit veranstaltete Tag stand heuer unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

So organisierte das Landratsamt unter der Führung von Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz unter anderem eine Bustour zu verschiedenen Objekten im Landkreis, wie zum Beispiel zu einem alten Bauernhaus in Emmering und in Kottgeisering, zu einer kleinen Kirche in Rammertshofen und zum Abschluss durch den Fliegerhorst. Erster Halt war ein altes, aus dem Jahre 1876 stammendes Bauernhaus in der Brucker Straße 10 in Emmering. Dort empfingen der neue Hauseigentümer Martin Fischbeck, Bürgermeister Dr. Michael Schanderl und Kreisheimatpfleger Sepp Kink die Besucher.

Was ist es wert?

Der desolate Zustand des knapp 140 Jahre alten Bauernhauses trifft das diesjährige Motto wie den Nagel auf den Kopf. Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Ziel des Tages des offenen Denkmals soll sein, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken. Aber was ist an einem Bauernhaus, das lange Zeit leer steht und völlig heruntergekommen ist, erhaltenswert? Hier scheiden sich die Geister, wie die unterschiedlichen Meinungen der Besucher während des Rundgangs durch das Gebäude belegen.

Um ein positives Ortsbild zu erreichen, habe der Emmeringer Bürgermeister bereits 2006 im Landratsamt versucht, das Bauernhaus abreißen zu lassen. Doch das Landratsamt lehnte ab und schlug der Gemeinde vor, das Gebäude gegebenenfalls einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. 2008 habe sich sogar ein potentieller Käufer gemeldet, berichtete Dr. Schanderl. Doch durch die Wirtschaftskrise und den Tod des Eigentümers zerschlug sich der Kauf. Auch der Antrag der Erbengemeinschaft, das Gebäude aus dem Denkmalschutz herauszunehmen, wurde abgelehnt, da es sich um einen der letzten Höfe dieser Art in Emmering handelt. Letztlich scheiterte ein Verkauf aber immer wieder an den Preisvorstellungen.

Ein Langzeitprojekt

Der 32-jährige Martin Fischbeck, der in der Kreisstadt ein Fahrradgeschäft betreibt, hat das Anwesen erst vor vier Monaten erworben. „Mir ist es wichtig, das Gebäude zu erhalten“, so Fischbeck, der unmittelbar in der Nachbarschaft wohnt. Er möchte das Bauernhaus renovieren lassen, um es später zu vermieten. „Das ist ein Langzeitprojekt“, ist sich Fischbeck aber im Klaren. Das müsse gründlich geplant werden. Man müsse sehen, was machbar ist. „Es muss im vernünftigen Rahmen bleiben.“ Für das gesamte Anwesen habe er 300000 Euro bezahlt.

Emmerings Bürgermeister Dr. Michael Schanderl ist dem neuen Eigentümer jedenfalls dankbar, dass er vor vier Monaten das gesamte Anwesen erworben hat. „Das ist die bessere Alternative gegenüber einem Abriss“, meinte Dr. Schanderl und wünschte den Besuchern bei der Fahrt zu „weiteren ungeliebten denkmalgeschützten Gebäuden“ noch viel interessante Einblicke. „Sie haben den Mut gehabt, das Gebäude zu kaufen“, sagte ein Besucher noch zum neuen Eigentümer, kurz bevor er wieder in den Bus kletterte, „Respekt.“

Dieter Metzler

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