Olchinger unterstützen ihren Dschungel-Pfarrer Josef Aicher im Kongo - Am 9. Juli 50jähriges Priesterjubiläum in der Heimat

Viele Olchinger kennen ihn. Josef Aicher war von 1967 bis 1978 Kaplan in der Pfarrei St. Peter und Paul Olching. Er war in dieser Zeit Präses der Kolpingsfamilie. In diesen elf Jahren kümmerte er sich um die Jugendarbeit, hielt Religionsunterricht und traute viele Olchinger Paare. Er war in der Gemeinde beliebt und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Wenn heute, nach über 30 Jahren, jemand in Olching vom “Kaplan” spricht, dann meint er Pfarrer Josef Aicher. Geboren wurde er am 4. März 1933 als drittes von elf Kindern in Petting am Waginger See. Seine Priesterweihe empfing er am 29. Juni 1960 in Freising. Nach seiner Olchinger Zeit ging er vor 31 Jahren als Missionar in den entlegensten Teil des Urwaldes im Kongo. Er ist seitdem Pfarrer in Yaloya in der Diözese Bokungu-Ikela. Diese Pfarrei hat einen Durchmesser von über 200 Kilometer und 36 Seelsorgestationen. Dort baute er das Bildungssystem, Näh- und Hauswirtschaftsschulen, das Gesundheitswesen und die Landwirtschaft auf.

Als der Staat unter dem Diktator Mobutu Sese Seko de facto auf dem Lande nicht mehr existierte, nahm er die Fürsorgepflicht für die Bürger in die eigene Hand. Zeitweise finanzierte er über 150 Lehrer aus eigener Tasche. Seine Schreiner- und Zimmererwerkstätte führte er selbst. Mit seinem Auto fuhr er die Erzeugnisse der Bauern über 150 Kilometer zum Hafen am Tsuapa, einem Nebenfluss des Kongo. Dort konnten die Produkte zur Vermarktung auf das Missionsschiff verladen werden. Als der Bürgerkrieg das geschundene Land heimsuchte, blieb Pfarrer Josef Aicher bis zur letzten Sekunde bei seinen Leuten. Er wollte sich nicht der Verantwortung für seine Mitbürger entziehen. Als schon die Gewehrsalven zu hören waren, flüchtete er zusammen mit drei weiteren Mitbrüdern aus der Gefahrenzone. Das Fluchtauto würde im übrigen von der Kolpingsfamilie Olching finanziert. An einem “sicheren Ort” versteckten sie dann das Fahrzeug im Dschungel. Ein Pilot aus Kinshasa erklärte sich bereit, die Missionare auszufliegen. Nur dieser war bereit, dies unter Lebensgefahr zu tun und dies auch nur, weil er Josef Aicher kannte und schätzte. Das Flugzeug landete auf einer Graspiste im Urwald. Bei laufendem Motor und unter Beschuss der Rebellen konnte das Flugzeug starten und die Missionare in Sicherheit bringen. Als Pfarrer Josef Aicher, als erster Missionar, nach dem Krieg wieder in seine Pfarrei zurückkehren konnte, sah er nur Zerstörung. Er wurde von seinen Leuten mit großer Begeisterung empfangen. Die Infrastruktur ist zerstört, der öffentliche Flugverkehr ist längst eingestellt, die Straßen sind in schlechtem Zustand. Von den Straßen sind nur mehr Pfade übriggeblieben. Pfarrer Josef Aicher kann sich nur mehr mit dem Fahrrad fortbewegen. Zur nächsten Stadt muss er damit ca. 150 Kilometer zurücklegen. Durch die vergangenen Kriege hat die Bevölkerung schwere Verluste erlitten und ist sehr arm. Trotzdem entstehen wieder Schulen, Kinder- und Jugendbewegungen sowie Frauenorganisationen neu. Auch das Handwerk wird wieder aufgebaut. Um die katastrophalen Zustände in der Krankenversorgung zu lindern, gründete Pfarrer Josef Aicher einen Orden von einheimischen Krankenschwestern. In Kinshasa baute er 2001, aus eigenen Mitteln, ein Schwesternhaus für die Ausbildung der jungen Novizinnen. Die Ausbildung einer Ärztin und zweier Krankenschwestern wurde von der Kolpingsfamilie Olching finanziert. Trotz der Zerstörungen konnte Pfarrer Josef Aicher auf seine vergangene Arbeit aufbauen. Häuser können zerstört werden, aber er investierte in die Köpfe seiner Leute. Durch ihr Wissen und erlernte Fähigkeiten konnten sie wieder etwas aufbauen. Als Pfarrer Josef Aicher 2008, nach seinem Heimaturlaub, in Kinshasa ankam, erreichte ihn eine Hiobsbotschaft. Er brachte in Erfahrung, dass der Wald seiner und zweier weiterer Pfarreien vom Staat verkauft wurden. Eine Fläche von einer halben Million Hektar hätten abgeholzt werden sollen. Dies ist ein Gebiet so groß wie Luxemburg und Saarland zusammen. Seine Leute leben im und vom Wald. Eine Abholzung hätte die Entvölkerung seiner Pfarrei zur Folge gehabt. Die Menschen wären dann in den Slums Kinshasas gelandet. Darum organisierte er den Widerstand. Alle Dorfhäuptlinge und die Bevölkerung unterschrieben eine Petition, dass der Regenwald erhalten werden muss. Dass die Aktion gegen die Regierung nicht ungefährlich ist, zeigt, dass Pfarrer Aichers Mitstreiter unter anonymen Adressen in Kinshasa leben müssen. Als Vertreter der Holzfirma in der Diözese landeten, hatten sie es mit dem Widerstand der Bevölkerung zu tun. Am nächsten Tag mussten sie unverrichteter Dinge zurückfliegen. Ein Schiff mit den Holzfällern an Bord musste umkehren. Zur gleichen Zeit rollten in Europa die Unterstützungsmaßnahmen an. In der Diözese Salzburg (Partnerdiözese) wurden Unterschriften gesammelt. Rainer Widmann aus Olching ist ein alter Freund Josef Aichers, der ihn bereits im Regenwald besucht hat. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses Entwicklungspolitik der CSU Bayern. Zusammen mit den Abgeordneten organisierte er, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Aktion im Dschungel erfuhr. Am Rande der Konferenz der UNO über Artenvielfalt, im Mai 2008 in Bonn, sprach sie mit dem Kongolesischen Umweltminister José Endundu Bononge. Dieser sagte ihr zu alles zu machen, dass der Regenwald in Yaloya erhalten bleibt. In einem Gespräch zwischen dem Umweltminister und Pfarrer Josef Aicher in Kinshasa wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht und beschlossen, dass der Wald erhalten bleibt. Über diese Aktion berichteten nicht nur die lokalen Medien in Deutschland und Österreich. Obwohl Pfarrer Josef Aicher seit über 30 Jahre im Dschungel lebt, hat er die Olchinger nie vergessen. Auch die Olchinger halten enge Verbindungen zu ihm. Der Aicher-Kreis der Kolpingsfamilie und viele Menschen aus der Pfarrei unterstützen ihn seit seinem Weggang ideell und finanziell. Bei jedem seiner Heimaturlaube (alle 3 Jahre) besucht Pfarrer Josef Aicher seine “Heimatgemeinde”. Olchinger sorgten dafür, dass er das Bundesverdienstkreuz erhielt und machten ihn zum Ehrenbürger. Sie sind stolz auf Pfarrer Josef Aicher. Er kämpft ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben für Menschenrechte und die Erhaltung des Regenwaldes. Dies alles mit Erfolg. Er wird sein 50-jähriges Priesterjubiläum in Olching feiern. Am Freitag, den 9. Juli veranstaltet die Kolpingsfamilie einen Festabend für ihren Ehrenpräses, der sich an diesem Abend auch in das „Goldene Buch“ der Gemeinde Olching einträgt. Am Samstag, den 10. Juli wird er um 18 Uhr einen Festgottesdienst in der Pfarrkirche feiern. Anschließend lädt er alle seine Freunde und Anhänger zu einem gemütlichen Zusammensein in die Pfarrbücherei (über der Sakristei) ein. Spenden unter: Förderkreis Kaplan Josef Aicher der Kolpingsfamilie Olching, Konto Nummer: 1941970, Sparkasse Olching, Bankleitzahl: 700 530 70.

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