Auftaktforum für den neuen Gedenkort für die Opfer des Olympia-Attentats in FFB – Im Februar weiteres Treffen

Würdevolles Gedenken, aber an welchem Ort?

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Sie nahmen am Auftaktforum teil (v. li.) Werner Karg, Christina Claus, Dr. Angelika Schuster-Fox, Jutta Remsing, Michael Schrodi, Prof. Dr. Klaus Wollenberg, Dr. Charlotte Knobloch, Dr. Brigitta Klemenz, Rolf Marquardt, Gisela Schneid, Thomas Karmasin und Johann Thurner.

Fürstenfeldbruck – Wie soll der Gedenk- und Erinnerungsort  für die Opfer des Olympia-Attentats in Fürstenfeldbruck weiterhin gestaltet werden? Wie ist der Stand der Planungen für den neuen Gedenkort in München? Diese und weitere Aspekte waren Themen des Auftaktforums, zu dem der Brucker Landrat Thomas Karmasin am 10. Dezember in den kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes eingeladen hatte.

Neben den von den Fraktionen des Kreistages erschienenen Vertretern Giesela Schneid (CSU), Michael Schrodi (SPD), Christina Claus (Bündnis 90/Die Grünen), Ralf Marquardt (FDP) und Johann Thurner (Freie Wähler) sowie die beiden Kulturreferenten, Prof. Dr. Klaus Wollenberg und Dr. Brigitta Klemenz, als Vertreter der Stadt, nahmen unter dem Vorsitz von Karmasin auch die Landeshistorikerin Dr. Angelika Schuster-Fox und als Vertreter der Konzeptautoren „München 72“ der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung, Werner Karg, teil. 

Eingeladen waren auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, sowie der Generalkonsul Israels in München, Dr. Dan Shaham. Während Dr. Knobloch kam, war Dr. Shaham verhindert, schickte aber ein Grußwort, das Karmasin verlas. Der Landkreis lasse kein Jahr verstreichen, ohne der elf ermordeten israelischen Sportler und des deutschen Polizisten zu gedenken, schrieb Dr. Shaham. Er dankte im Namen des Staates Israel, dass die Erinnerung an die Opfer des schrecklichen Attentats hochgehalten werde. Nur von dem Erinnerungsort in Fürstenfeldbruck, an dem das Attentat sein Ende nahm, könne er sich einen Ort der Begegnung von Israelis und Deutschen vorstellen, einem Ort des Zusammenspiels von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung. Diesen Wunsch teile auch sein Vorgänger, Tibor Shalev-Schlosser. „Den neuen Gedenkort in Fürstenfeldbruck sehe ich als einen Ort, an dem ein gemeinsamer Weg in die Zukunft geebnet wird. Zusammen ergänzen sich die Standorte München und Fürstenfeldbruck, sie stellen die bayerisch-israelische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dar“, ließ Shalev-Schlosser über seinen Freund Dr. Shaham übermitteln. 

In der zweistündigen Diskussion wurde dann recht schnell deutlich, dass noch unterschiedliche Vorstellungen zu den Gedenkstätten bestehen. So lehnte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde den vom Freistaat vorgesehenen Gedenkort auf einer Anhöhe im Olympiapark kategorisch ab. Für sie kommen nur zwei denkbare Standorte infrage: Das Gästehaus in der Connollystraße 31, wo der Überfall palästinensischer Terroristen auf die israelischen Sportler begann und der Brucker Flugplatz, wo die Geiselbefreiung misslang. Andere Standorte lehne sie ab und warnte zugleich davor, die Menschen mit Denkmälern zu überhäufen. Der neue Standort in München werde „dem Gedenken nicht gerecht“, so Dr. Knobloch. Dagegen bezeichnete sie die Art und Weise wie man in Fürstenfeldbruck an die Planungen für einen Gedenkort herangehe, als „klug und verantwortungsbewusst“. Zugleich stellte sie das jahrelange Engagement des Landkreises und seiner Bevölkerung sowie der Soldaten des Fliegerhorstes in diesem Zusammenhang heraus. 

Als Grund für den neuen Standort in München gab Werner Karg an, dass sich das Gästehaus, das sich mitten in einem Wohngebiet befinde, zum einen aus Sicherheitsgründen und zum anderen aus Eigentümergründen nicht eigne. Deshalb habe man den in der Nähe befindlichen Standort ausgewählt, der aber einen Blick auf das Gästehaus zulässt. Nachdem es in München, außer dem Gedenkstein mit den Namen der Opfer, bisher keinerlei Informationen zu den schrecklichen Ereignissen von 1972 gebe, wolle man einen Gedenkraum schaffen, der die Besucher über die Biografien der Opfer an das Thema heranführe. Die Angehörigen der Opfer seien eingebunden worden, teilte Karg mit. Bei einer Gedenkfeier in Tel Aviv haben die Hinterbliebenen und Überlebenden die Information mit großer Befriedigung und mit Zustimmung aufgenommen.

 Dagegen zeigte sich Dr. Knobloch von der Gedenkfeier in Israel enttäuscht. „Die Aufmerksamkeit der Israelis ist nicht vorhanden“, sagte sie. Es habe weder etwas in den Zeitungen gestanden, noch habe die junge Generation, sie habe beispielsweise ihre Enkel befragt, etwas gewusst und auch die Sportvereine waren nicht informiert. Einig ist man sich für den Standort Fürstenfeldbruck, dass der Gedenkraum in im Alten Tower des Fliegerhorstes eingerichtet werden soll und der Platz vor dem Tower, wo 1972 die Hubschrauber mit den israelischen Geiseln in die Luft gesprengt wurden, authentisch erhalten bleiben soll. Auch soll das noch vor der Hauptwache befindliche Mahnmal des Gröbenzeller Künstlers Ludwig Götz nach Abzug des Militärs aus Fursty an den Alten Tower verlegt werden. Zu klären bleibt die Frage, welche inhaltlichen Themen in Fursty und welche in München abgehandelt werden sollen, damit es nicht zu Überschneidungen kommt. 

Dazu gab Historikerin Dr. Angelika Schuster-Fox zu bedenken, warum sollen Besucher der Gedenkstätten noch nach Fursty kommen, wenn bereits alle Themen in München behandelt würden. Kreisrat Michael Schrodi schlug eine Jugendbegegnungsstätte nach Dachauer Vorbild vor, wogegen Karmasin Bedenken äußerte und sich eher einen Seminarraum vorstellen könnte. 

Noch völlig offen ist die Frage über die Finanzierung und die Trägerschaft. Inwieweit beteiligt sich der Bund, das Deutsche Olympische Komitee, der Freistaat und der Landkreis an den Kosten und den Folgekosten. Klar Stellung bezogen hat bereits schon vor längerer Zeit die Bundeswehr dazu, die signalisierte, zwar Unterstützung zu leisten, sich aber an den Kosten nicht zu beteiligen. 

Bis zum 20. Januar wollen die Mitglieder des Forums ihre Ideen konkretisieren und vorlegen, und für Februar 2014 ist ein weiteres Treffen vorgesehen. 

 Dieter Metzler

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