Bürger gedenken den zwölf Opfern des Olympia Attentats von 1972 vor dem Fliegerhorst

Erinnerungsarbeit besiegt Ohnmacht

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Nach jüdischem Brauch legen Dr. Dan Shaham, Dr. Charlotte Knobloch und Thomas Karmasin Steine am Mahnmal ab.

Fürstenfeldbruck - Vor 44 Jahren überfielen palästinensische Terroristen während der XX. Olympiade in München die Olympia-Mannschaft des Staates Israel. Viele Landkreis-Bürgerinnen und –Bürger erinnern sich noch heute an die Ereignisse von Damals. Die Terroristen töteten zwei Menschen und nahmen neun weitere als Geiseln. Bei dem Versuch, die Geiseln zu befreien, starben auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck neun israelische Sportler und ein deutscher Polizeibeamter.

Zur Erinnerung an diese Geschehnisse gedachten Vertreter des Landkreises, der Stadt Fürstenfeldbruck, eine Abordnung der Polizei und der Bundeswehr sowie Bürgerinnen und Bürger der Opfer und deren Hinterbliebenen am Mahnmal vor der Hauptwache des Fliegerhorstes. Unter den Besuchern der Gedenkfeier weilten auch heuer die Familien Niedermeier und Fliegerbauer sowie der in Gröbenzell lebende Bildhauer Hannes L. Götz, der im Auftrag des Landkreises 1999 die Gedenkstätte geschaffen hat. Mit der Klarinette begleitete Antonia Wilczek von der Heinrich-Scherrer-Musikschule aus Schöngeising die Gedenk-Veranstaltung. Auch wenn die Besucherzahl heuer etwas überschaubarer war, als in den vergangenen Jahren, so dankte Landrat Thomas Karmasin denjenigen, die sich mitten in den Ferien dennoch die Zeit genommen haben, um sich gemeinsam an die zwölf Menschen zu erinnern, die ohne Vorwarnung so plötzlich und grausam aus dem Leben gerissen wurden.

"Es ist hier in Fürstenfeldbruck mehr als eine Pflicht, es ist eine Herzensangelegenheit"

„Jeder Mensch ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere Punkt, wie die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig und jeder Aufmerksamkeit würdig“, zitierte der Brucker Landrat Hermann Hesse. Erinnerungsarbeit besiegt die Ohnmacht, so Karmasin, dem es ein Anliegen ist, dass die Opfer nicht vergessen werden. Erinnern und Gedenken dient aber auch der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. „Immer dann, wenn wir wie jetzt aktiv sind, haben wir die Chance, die Ohnmacht, die von Terrorakten ausgeht, überwinden zu können.“ Die 83-jährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, dankte eingangs ihrer Ansprache dem Landkreis und der Stadt für die jährliche Gedenkfeier, mit der die Erinnerungen an die Ereignisse von damals wachgehalten werden. „Es ist hier in Fürstenfeldbruck mehr als eine Pflicht, es ist eine Herzensangelegenheit“, so Dr. Knobloch. Dieses besondere Gedenken in Fürstenfeldbruck führe die Menschen hier Jahr für Jahr zusammen, Routine werde es aber nie. Das Attentat von München gilt als der Beginn des modernen Terrors. Die islamistischen Terroristen, die weltweit zuschlagen, demonstrieren mit ihren Taten grenzenlosen, schonungslosen Hass im Kampf gegen alles, was uns wertvoll und heilig ist. Die hoffnungsvollen Ansätze eines Arabischen Frühlings sind längst einer blutigen Realität gewichen. Die Extremisten der Terrormiliz Islamistischer Staat und andere fundamentale Gruppierungen führen einen Vernichtungskrieg gegen uns, so Dr. Knobloch. „Der Feind sind wir, der Westen, unsere Lebensweise, unsere Kultur. Sie wollen unser Gemeinwesen zerstören.“ In Israel haben die palästinensischen Terrororganisationen eine neue Eskalationstufe der Auseinandersetzung mit Israel heraufbeschworen. Immer weniger Menschen in Europa, auch in Deutschland machen sich bewusst, unter welchen Ängsten und Bedrohungen die Menschen in Israel leiden. Anschläge erzeugen weit weniger Empathie und Mitgefühl als anderenorts. Weder der Eiffelturm, noch das Brandenburger Tor erleuchten in israelischen Farben. Im Gegenteil: Immer öfter steige in Deutschland die Lust, den israelischen Staat zu kritisieren und zwar nicht sachlich und objektiv, wie es selbstverständlich unter Freunden möglich und geboten ist, sondern einseitig, ideologisch, diffamierend und delegitimierend.

"Demokratie und Freiheit sind kein Geschenk, sondern harte Arbeit"

Die weltweite antiisraelische Boykottkampagne finde immer mehr Anhänger. So gäre in Deutschland eine ungeheure Stimmung aus altem und neuem Antisemitismus von rechts und links, sowie dem muslimischen Judenhass. Angesichts der vielen Flüchtlinge aus arabisch geprägten Ländern könnte sich dieser Hass noch verstärken, wenn bei der Integration kein Schwerpunkt auf die Eindämmung antisemitischer Ressentiments gelegt werde. Vor diesem Hintergrund solle man die westliche Art zu leben, nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, beendete Dr. Knobloch ihre Rede. „Demokratie und Freiheit sind kein Geschenk, sondern harte Arbeit“, so die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde. „Die Verteidigung dieser Werte entscheidet über die Zukunft dieser Welt.“ Hass, Intoleranz und Feindseligkeit bringen nicht nur das Schlimmste im Menschen zum Vorschein, sondern blockieren auch Gesellschaften. Das, was in München und Fürstenfeldbruck damals geschah, war einer der schlimmsten Rückfälle in der arabischen Zivilisationsgeschichte, meinte Dr. Dan Shaham, der israelische Generalkonsul in Süddeutschland, der „an diesem symbolträchtigen Ort“, die tiefe Freundschaft zwischen Bayern und Israel herausstellte. „Unsere beiden Gesellschaften haben es geschafft, die gemeinsame Geschichte, Kultur und Herkunft in eine fruchtbare Partnerschaft und Freundschaft zu verwandeln. Diese besondere Freundschaft zwischen unseren Ländern besteht, weil wir nicht nur der Geschichte gedenken, sondern uns weiterentwickelt haben, und weil Versöhnung und Vergebung unsere christlichen und demokratischen Werte bestimmen. Sie ebnen uns den Weg in eine friedliche Zukunft.“

Dieter Metzler

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