Orgel mit noch nie dagewesener Technik wird vom 17. bis 19. Juni gebührend eingeweiht

Pionierarbeit für weltweiten Orgelbau

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Orgelbauer Markus Harder-Völkmann (links) und der Physiker Dr. Jürgen Scriba haben im Laufe eines Jahrzehntes eine komplett neue Orgelspieltechnik entwickelt. Die Wiederinbetriebnahme der Stockwerk-Orgel wird mit einem langen Wochenende der Orgelmusik ab Freitag gefeiert.

Gröbenzell – Der finnische Konzertorganist und Komponist Kalevi Kiviniemi wird an der erweiterten Orgel im Stockwerk in Gröbenzell am 17. Juni das Eröffnungskonzert spielen. Man darf gespannt sein, was die neu konzipierte Orgel zusammen mit dem „Meister der Orgeltöne” klangtechnisch für Steigerungsmöglichkeiten zulässt. Bereits 2014 hat der Musiker, der weltweit auf den bekanntesten und größten Orgeln spielt, sein Debüt in Gröbenzell gegeben. Sein damaliges Programm „Feuertanz” erscheint jetzt als CD.

Im Rahmen einer längeren Spielpause konnte die Stockwerkorgel in der dritten Bau- stufe innerhalb eines Jahrzehnts mit neuer Technik ausgestattet werden. In den letzten Monaten wurde fast rund um die Uhr an der Weiterentwicklung der Spieltechnik gearbeitet. Was hier im Laufe der neuerlichen Umbaumaßnahmen entstanden ist, hat in der Summe die Merkmale eines Unikats. Es ist das Umsetzen eines Traumes, den Christian Stock als Inhaber des Stockwerkes von Kindesbeinen an gehegt und gepflegt hat. Angefangen hat alles, als Stock zehn Jahre alt war.

Damals sang er bei den Münchner Chorbuben, die in den Ferien von Kirche zu Kirche getourt sind. Als Sopranist hatte er den Vorzug, dass er zu Probezwecken immer mit dem Organisten voraus reisen durfte. Er musste seinen Auftritt als Chorsänger proben und der Organist sich auf die jeweilige Orgel einstellen. Sobald Stock seine Probe absolviert hatte, hörte er zu, bis aus der anfangs völlig fremden Orgel nach und nach gute Töne erklungen sind. Als Christian Stock dann mit 15 Jahren in den Stimmbruch kam und bei den Chorbuben als Sänger aufgrund seiner Alters ausscheiden musste, war die Orgel als Musikinstrument für ihn zur Leidenschaft geworden. Im Erwachsenenalter hat er immer wieder Konzerte des Münchner Organisten Stefan Moser besucht und diesem empfohlen, den Spieltisch der Orgel in die Zuhörerschaft zu verlegen. Moser konnte sich nach und nach mit der Idee anfreunden und beauftragte den Orgelbauer Markus Harder-Völkmann aus Neubiberg, der sich in Zusammenarbeit mit dem Physiker Dr. Jürgen Scriba daran machte, die Idee von Stock umzusetzen.

Um das in der Münchner Lukaskirche orgelbautechnisch realisieren zu können, hat Christian Stock dem Organisten sogar ein Darlehen gewährt. Nach dem Eröffnungskonzert in der Lukaskirche fragte Christian Stock den etwas irritierten Orgelbauer: „Können sie so etwas auch bei mir zu Hause bauen”. Gesagt, getan: im Jahr 2005 wurde im ersten Bauabschnitt eine gebrauchte Kirchenorgel aus Duisburg in „das Zuhause” von Christian Stock eingebaut. Das Zuhause war in diesem Fall ein Bürogebäude in Gröbenzell, wo die Orgel in der Eingangshalle platziert wurde. 2006 wurde auf dieser Orgel das erste Konzert gespielt und am 17. Juni 2016 wird auf dieser Orgel Kalevi Kiviniemi spielen. Nur mit dem Unterschied, dass diese Orgel nach und nach von einer reinen Kirchenorgel in eine orchestrale Orgel umgebaut wurde. So wurden schon in den Jahren 2007 bis 2009 immer wieder weitere Register eingebaut. Im Laufe der Bauzeit konnte ein Patent angemeldet werden, denn die Grundidee ist bis heute: Eine Orgelpfeife muss mehrfach nutzbar sein. Deshalb verbirgt sich hinter der Stockwerk-Orgel auch kein großer Baukörper, hat aber durch die neu entwickelte Technik eine enorme Klangfülle. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass durch komplexe Verschaltungen die Mehrfachnutzung der Pfeifen möglich wird. In Gröbenzell wurde schlussendlich Pionierarbeit für den weltweiten Orgelbau geleistet. Markus Harder-Völkmann hat die Worte von Christian Stock noch heute gut im Ohr: „Ich will einfach richtig große Werke in voller Klangfülle hören”. An diesem Auftrag hat Harder-Völkmann jetzt mehr als ein Jahrzehnt gearbeitet. Zuletzt wurden von ihm in den vergangen Monaten 973 neue Pfeifen und elf neue Register in ein weiteres Schwellwerk integriert. Vom 17. bis 19. Juni wird mit einem „langen Wochenende der Orgelmusik” im Stockwerk in Gröbenzell die aktuelle Ausbaustufe dieser Orgel gefeiert.

Im Rahmen des Eröffnungswochenendes wird es am Samstagnachmittag (18. Juni) um 15 Uhr eine Veranstaltung für Kinder geben. Der Organist an der Fürstenfelder Klosterkirche, Christoph Hauser, wird den Märchenklassiker „Peter und der Wolf” musikalisch begleiten. In einer Fassung für Sprecher und Orgel werden Erlebnis- und Klangfülle dazu beitragen, dass Kinder die Geschehnisse auf ganz besondere Art und Weise in Erinnerung behalten werden. Rudi Ulrich liest hierzu aus dem Märchen. Am Samstagabend sitzt Pascal Caldara am Spieltisch. Der Münchner Kirchenmusiker von der St.-Gabriel-Kirche am Prinzregentenplatz ist einer der wenigen Konzertorganisten, der sich auch in den Musikstilen wie Jazz und Rock zuhause fühlt. Zur Matinee am Sonntag (19. Juni) gibt es nochmal ein musikalischer Höhepunkt: Kalevi Kiviniemi wird von Kirsi Kiviharju auf der Harfe begleitet. Das finnische Duo spielt bereits seit zwanzig Jahren auf den unterschiedlichsten Festivals in vielen Ländern zusammen. Kiviniemi hat eigens für das Zusammenspiel mit der Harfe das Stück „Drachenfeuer” komponiert. Im Anschluss an die Matinee am Sonntag findet ein Weißwurstfrühstück statt. Allen Interessierten zeigt und erklärt der anwesende Orgelbauer Markus Hader-Völkmann die erweitere Orgel, die auch in Wikipedia schon seinen Niederschlag gefunden hat. Es finden in diesem Jahr noch viele weitere Konzerte statt, in der die Orgel miteinbezogen wird. Weitere Informationen: dazu unter: www.stockwerk.de

Georg Johannes Miller

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