Absage für das Windrad

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Ortstermin in Puch: Vom Friedhof der Pucher Kirche aus brach man zu einer Rundfahrt auf, um sich von vier Standorten aus, einen Eindruck zu verschaffen, inwieweit der Bau eines Windrades den Blick auf die Pucher Kirche erheblich beeinträchtigen würde.

Fürstenfeldbruck – Das von den Brucker Stadtwerken geplante zweite Windrad in der Nähe von Puch darf nicht gebaut werden. Die erste Kammer des Verwaltungsgerichts (VG) München hat einen Tag nach einer Ortsbegehung und Inaugenscheinnahme in der vergangenen Woche und anschließender Verhandlung in der Landwirtschaftsschule in Puch den Genehmigungsbescheid des Landratsamtes Fürstenfeldbruck aufgehoben. Eine Begründung des Urteils werde nachgereicht, teilte die Geschäftsstelle des VG mit.

Die Kuratiekirchenstiftung St. Edigna hatte bekanntlich gegen die Genehmigung des Windrads auf Pucher Flur mit der Begründung geklagt, das ge- plante Windrad würde den Blick auf den denkmalgeschützten Pucher Kirchturm unzumutbar beeinträchtigen. Die Rich- terin hatte beim ersten Teil der Verhandlung vor den Sommerferien daher eine Ortsbegehung anberaumt. Diese fand am 7. Oktober statt. 

Auf einer Rundfahrt machten die Präsidentin des VG, Andrea Breit, und ihre Kollegen gemeinsam mit den Vertretern der Kirche, des Landratsamtes und der Stadtwerke sowie des Landesamtes für Denkmalpflege an vier Stationen Halt, um sich von verschiedenen Blickwinkeln aus ein Bild zu verschaffen, inwieweit das geplante Windrad die landschaftsprägende Wirkung der Pucher Kirche erheblich beeinträchtigen würde. Das bei Puch geplante Windrad liegt ungefähr 1900 Meter von der Pucher Kirche, die auf einer Hangkante steht und deshalb weit sichtbar ist, entfernt. Von einem einzigen der vier aufgesuchten Standorte, dem von Fürstenfeldbruck nach Puch führenden Herrenweg, würden die Spitzen der Rotorblätter des Windrades hinter dem Kirchturm zu erblicken sein. 

Die Münchner Gerichtspräsidentin erkannte bei der Inaugenscheinnahme, dass die Pucher Kirche von diesem Standort aus eine landschaftsprägende Wirkung besitze, die durch den Bau eines Windrads wohl beeinträchtigt werden würde. Entscheidend sei aber, ob es sich dabei um eine erhebliche Beeinträchtigung handle. Eine Bedeutung erhalte dabei auch die Frage, ob der Herrenweg ein Pilgerweg sei, worüber unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die Leiterin des Kreisbauamtes, Reinhilde Leitz, betonte bei der öffentlichen Verhandlung in einem Lehrsaal der Landwirtschaftsschule vor rund 30 interessierten Besuchern, dass die Frage der Erheblichkeit der Beeinträchtigung bereits im Rahmen des Genehmigungsverfahrens gründlich untersucht worden sei und eine Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege eingeholt wurde. Da hieß es noch, es würde keine erheblichen Beeinträchtigungen der Kirche in Puch durch das Windrad geben. Darauf habe man sich verlassen, so Leitz. 

Umso überraschter sei man nun, dass das Landesamt im Laufe des Gerichtsverfahrens seine Meinung grundlegend geändert habe. Die Vertreter des Landesamtes, die an der Ortsbegehung teilgenommen hatten, wurden in der Verhandlung nicht mehr dazu gezogen. Schließlich stellte der Anwalt der Kuratie als Klagepartei die Wirtschaftlichkeit des Windrades in Frage und forderte ein Sachverständigen-Gutachten. Aufgrund des Bayerischen Windatlasses würde das Windrad lediglich zu 30 Prozent ausgelastet sein. Bis nun eine Begründung für das Urteil vorliegt, können einige Wochen ins Land gehen. Das VG hat eine Berufung gegen das Urteil nicht zugelassen. Allerdings kann das Landratsamt in Revision gehen, worüber der Verwaltungsgerichtshof entscheidet. Ob das Landratsamt Rechtsmittel einlegen wird, wird der Brucker Landrat erst nach Vorliegen der schriftlichen Urteilsbegründung entscheiden.

Dieter Metzler

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