Palästinensischer Christ sprach in Fürstenfeldbruck - Christliche Schule in Beit Jala bekämpft Vorurteile

Über die Schwierigkeiten der politischen Verhältnisse im Heiligen Land berichtete im Gemeindesaal der Brucker Gnadenkirche Maurice Younan ausschließlich aus der Sicht der Palästinenser. In seinem Referat „Im Schatten der Mauer“ ging Younan, Verwaltungsdirektor des evangelischen Schulzentrums Talitha Kumi in Beit Jala bei Bethlehem, auch auf die Anstrengungen ein, Vorurteile der palästinensischen Jugend gegen Israel abzubauen. Begleitet wurde er von Pfarrer Hans-Jürgen Krödel, deutscher Kontaktmann und Vorstandsmitglied des „Jerusalemvereins“, der für die Erhaltung der evangelischen Schule sowie für die diakonische Arbeit der evangelisch-lutherischen Kirche in Palästina um Spenden bat. Pfarrerin Ursula Leitz-Zeilinger stellte den Referenten vor. Younan ist der Bruder des evangelischen Bischofs der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in Jerusalem. Seit 1975 fördern die protestantischen Landeskirchen in Deutschland insgesamt drei Schulen mit zusammen 3000 Schülern des Jerusalemvereins.

In der ersten Hälfte seines Referates beschrieb Younan die Sorgen der Palästinenser. Seine generelle Aussage: „Uns in Palästina stört die Mauer. Sie schränkt die Palästinenser in ihrem Lebensraum immer mehr ein.“ Die Mauer führe durch die Einengung der Bewegungsfreiheit außerdem zunehmend zu Arbeitslosigkeit unter den Palästinensern, was dazu führe, dass immer mehr Palästinenser auswandern. Israel gehe es darum, diese Entwicklung weiter auszubauen, indem es um jedes palästinensische Dorf herum zusätzlich eine weitere Mauer errichte, wodurch sich die Lage weiter verschlechtere. Younan erklärte: „Die Mauer markiert nicht mehr nur die Grenzen von 1967 zwischen dem israelischen und dem palästinensischem Gebiet. Das Land für die Palästinenser, ihr Lebens- und Siedlungsraum, wird durch den anhaltenden Siedlungsbau der Israelis immer kleiner.“ Gleichzeitig schütze sie nicht vor Anschlägen, wie Israel behaupte. Sie sei ein „Wahrzeichen der Besatzung und Unterdrückung“, schränke die Bewegungsfreiheit der Palästinenser ein und unterstütze die Absicht der Israelis, die Palästinenser arbeitslos zu machen. Younan fasste seine Vorwürfe gegen den Staat Israel zusammen: „Wir gelten für Israel nur als Selbstmordattentäter und billige Arbeitskräfte.“ Insgesamt nannte er sieben Konfliktpunkte, die im Heiligen Land das friedliche Nebeneinander der beiden Bevölkerungsgruppen stören: Staatsgrenzen, Jerusalem, Siedlungsbau, Flüchtlinge, Wassermangel, Sicherheit und die Mauer. Im zweiten Teil stellte Younan anhand von einigen Fotos die 1851 von der Diakonie gegründete Schule „Talitha Kumi“ (Steh auf Mädchen) vor, in der neben Kindern aus christlichen Familien auch 30 Prozent Schulkinder islamischen Glaubens unterrichtet werden. Insgesamt werden in Beit Jala 830 Schüler vom Kindergarten bis zum Abitur unterrichtet. Neben der Vorbereitung auf das Abitur, auch das deutsche Abitur kann abgelegt werden, unterhält die Schule noch einen eigenen Berufsschulzweig, in dem die Schüler im Hotelwesen ausgebildet werden, was für die berufliche Zukunft der Schüler vorteilhaft ist. In besonderen Arbeitsgruppen sollen die Kinder auch auf den Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen und das friedliche Zusammenleben vorbereitet werden: Hier lernen sie als Streitschlichter in eigens eingerichteten Mediationsgruppen das friedliche Miteinander. Sport, Musik, Kunstkurse, Pfadfinder und Umweltgruppen ergänzen das Freizeitangebot. Deutsche können an dieser Schule im Rahmen eines Sozialen Jahrs ein Volontariat ableisten. Die Schule Talitha Kumi finanziert sich neben dem Schulgeld und Fördermitteln der evangelischen Landeskirchen auch durch Patenschaften für Schüler, private Spenden und dem Gewinn aus einem Gästehaus für deutsche Besucher. In der Diskussion wurde neben Informationsfragen zur Schule zum Teil sehr heftig und kompromisslos über die politischen Streitigkeiten zwischen Palästinensern und Israel diskutiert. Als beispielsweise ein Gast das Existenzrecht Israels ansprach, ertönte von einem Zuhörer ein recht kompromissloses, wenn nicht gar eher unchristliches „Jetzt reicht’s aber!“. Dennoch war man sich wenigstens darüber einig, welch wichtige Stellung die von Christen und Muslimen besuchte Schule im Heiligen Land für die Zukunft einnehmen kann.

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