SeitenWechsel – Lernen in anderen Lebenswelten -  Statt im  Anzug mit Krawatte im Pflegekittel 

IT-Direktor eine Woche als Praktikant auf der Palliativstation

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(Von li) Chefarzt Prof. Dr. med. Rolf Eissele mit Stationsleiterin Erna Schenn und dem Praktikanten Wolfgang Füssel

Fürstenfeldbruck - Normalerweise arbeitet Wolfgang Füssel als IT-Direktor bei einer Nürnberger Bank. Doch für eine Woche tauschte er Anzug und Krawatte gegen einen Pflegerkittel ein: Im Rahmen des Programms ,,SeitenWechsel“ sammelte der 46-jährige als Praktikant auf der Palliativstation der Kreisklinik Erfahrungen, die ihm eine ganz andere Sicht auf die Dinge vermittelten.

 ,,Ich nutzte die Möglichkeit, in ein völlig fremdes Tätigkeitsgebiet einzutauchen. Ausschlaggebend dafür war die Frage, was es mir persönlich bringt und was ich an meine Kollegen weitergeben kann“, sagt Wolfgang Füssel. ,,SeitenWechsel“, ein Programm der evangelischen Akademie für Erwachsenenbildung (kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt Bayern, kda), ist ein Persönlichkeitstraining für Führungskräfte. Es schärft die Wahrnehmung, macht hellhörig für soziale Fragen und schafft Einblicke in fremde Lebenswelten. Die Teilnehmer arbeiten eine Woche in einer sozialen Institution und werden dabei mit Menschen und deren Lebenswelten konfrontiert, die ihnen fremd sind. Seit 2010 nimmt die Kreisklinik regelmäßig Praktikanten im Rahmen des Seitenwechsel-Programms auf, etwa zwei pro Jahr.

Bei Wolfgang Füssel haben die Begegnungen mit den Todkranken und deren Angehörigen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. ,,Ich habe mich mit vielen Patienten unterhalten und dadurch interessante Lebensgeschichten gehört, Sorgen und Ängste mitbekommen. Die meisten von ihnen ordnen sich seelisch nochmal neu, um leichter aus dem Leben scheiden zu können“, erzählt der IT- Experte. Menschen in ihrer letzten Lebensphase richten ihren Focus auf das Wesentliche aus. Sie denken darüber nach, was sie versäumt haben, was wichtig ist und was nicht. ,,Solche Gedanken sollten eigentlich auch im Alltag aufkommen. Fragen wie ,was ist mit meinen Mitmenschen oder Kollegen los? Passt alles?' sollte man sich regelmäßig stellen“, so Wolfgang Füssel. Auch die Seelsorge, die den ganzen Prozess unterstützt, sei ein wichtiger Aspekt. Diese soll als lebensbegleitendes Thema verstanden werden. 

Fester Bestandteil der Praktikumswoche sind auch die täglichen Gespräche mit dem Team auf der Station - ein wichtiges Ritual, das die Kommunikation und den Austausch fördert. Stationsleiterin Erna Schenn gewährte dem IT-Direktor einen realen und überzeugenden Einblick in das Arbeitsleben auf der Palliativstation. ,,Leute aus Führungspositionen kommen zu uns und erkennen schnell, was wirklich zählt“, erklärt sie. Auch Chefarzt Prof. Dr. med. Rolf Eissele ist von dem SeitenWechsel Projekt angetan: ,,Die Sichtweisen der Praktikanten verändern sich innerhalb dieser kurzen Zeit enorm“. Besonders eindrucksvoll empfand Wolfgang Füssel die ambulante Palliativversorgung - dazu durfte er einen Tag das ambulante Palliativ Team begleiten: ,,Es ist etwas Besonderes, diesen Patienten diese Versorgung zu bieten und die todkranken Menschen in ihrer Situation nicht alleine zu lassen“.

Nicole Burk 

 

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