Kirche veruntreut Gelder

Handfester Skandal

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In der Günzlshofener Kirche Sankt Margaretha sollen seit 2008 bis zu 65000 Euro veruntreut worden sein.

Günzlhofen – Was die Menschen in der Gemeinde Günzlhofen seit Wochen tuschelten, zeichnet sich nun als ein Skandal größeren Ausmaßes ab: Die frühere Kirchenverwaltung der Pfarrei Sankt Margaretha steht unter dem Verdacht, Kirchengelder veruntreut zu haben.

In der Pfarrkasse fehlen rund 65000 Euro. Die Kripo Fürstenfeldbruck hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen und auch die Staatsanwaltschaft München II ist eingeschaltet. Nachdem weder die örtlichen Kirchengremien noch das Pfarramt den Gerüchten ein Ende bereiteten und eine offizielle Stellungnahme abgaben, griff die im November neu gewählte Kirchenverwaltung zu einer doch recht ungewöhnlichen Methode. Mit einem Aushang im Schaukasten der Pfarrei am Kircheneingang klärten sie die Öffentlichkeit über ihren Verdacht auf. Unterzeichnet ist das Schreiben im Aushang vom neuen Kirchenpfleger Hans Hartl sowie den drei neu gewählten Mitgliedern der Günzlhofener Kirchenverwaltung Josef Karl, Vitus Trinkl und Innozenz Göttler.

Der zuständige Pfarrer Pater Anthony Nnamah hat, in seiner Funktion als Vorsitzender der Kirchenverwaltung, die Erklärung allerdings nicht unterschrieben. In den Jahren 2008 bis 2012 sollen durch nicht korrekte Abrechnungen beim Verkauf von Stamm- und Brennholz aus dem Stiftungswald in der Pfarrkasse rund 65000 Euro fehlen. Bis Ende 2012 war Kirchenpfleger Erwin Fetsch auch für die Finanzen zuständig. Fetsch, der auch im Gemeinderat saß, ist inzwischen nach Österreich verzogen.

Aufgekommen sind die Unregelmäßigkeiten in der Kasse, als die Vorgänger der Kirchenverwaltung nicht in der Lage waren, bei ihrem Ausscheiden, wie es eigentlich üblich ist, eine Abrechnung für das laufende Haushaltsjahr vorzulegen. So konnte die ausgeschiedene Kirchenverwaltung auch nicht entlastet werden. Es wurde ihr eine neue Frist bis zum März dieses Jahres eingeräumt. Doch auch die wurde nicht eingehalten.

So entschloss sich die neue Kirchenverwaltung zusammen mit der Pfarramtsverwaltung den von der erzbischöflichen Finanzkammer geforderten Rechnungsabschluss selbst in die Hand zu nehmen. Dabei stieß die neue Kirchenverwaltung auf die nachweisbaren Finanzfehlbeträge von einem für sie unvorstellbaren Ausmaß. Um die lückenlose Aufklärung und Wiederbeibringung des letztendlich sich errechenbaren Fehlbetrages, unvoreingenommen und schnellstens, auch rechtlich fundamentiert, in Angriff nehmen zu können, hat die Kirchenverwaltung beschlossen, die gesamte Untersuchungs- und Aufklärungsangelegenheit der Innenrevision beim erzbischöflichen Ordinariat zu übergeben, klärt das Schreiben am Kircheneingang weiter auf. 

Weiter werden die Pfarrgemeindemitglieder darüber informiert, dass mit einem im Schreiben eigens namentlich nicht genannten Verantwortlichen am 10. April im Pfarramt ein Gespräch geführt wurde, wobei derjenige die bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Verfehlungen in Höhe von 38000 Euro eingestand und mit Unterschrift erklärte, den Schaden innerhalb von vier Wochen zu ersetzen. 

Bis heute ist allerdings kein Betrag eingegangen, vielmehr habe sich bei den weiteren Prüfungen ergeben, dass sich der Fehlbetrag fast verdoppelt hat. Die vier Mitglieder der Kirchenverwaltung, die das Schreiben im Aushang an der Kirche unterzeichnet haben, bitten die Pfarrangehörigen abschließend in weiteren Diskussionen und in der Beurteilung der unerfreulichen Affäre solange Zurückhaltung zu üben, bis verbindliche Erkenntnisse vorliegen und die Angelegenheit lückenlos aufgeklärt ist.

Unabhängig davon will die Kirchenverwaltung in Bälde eine Pfarrversammlung abhalten. Die Unregelmäßigkeiten im Haushalt sollen aber nicht thematisiert werden, vielmehr soll es um die Kirchensanierung und die Diözesanreform gehen. Das Kirchenstiftungsrecht sieht für die Mitglieder einer Kirchenverwaltung bei fahrlässigem Handeln eine Haftung vor. Das gilt auch für Nachfolgegremien, die auf Missstände ihrer Vorgänger stoßen und daraus keine Konsequenzen ziehen. Ob und wie die Kirchenverwaltung weiter arbeiten werde, das werde sie vom Ergebnis der Prüfung im Ordinariat abhängig machen.

Dieter Metzler

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