Familienpolitik auf dem Prüfstand - Podiumsdiskussion in Gröbenzell

Asoziale Großfamilien und kinderlose Egoisten?

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Diskussion über Familien: (von links) Franziska Ferber, Alexandra Gaßmann und Kerstin Schreyer-Stäblein mit Moderator Alex Dorow

Gröbenzell - Die Podiumsdiskussion der Jungen Union FFB am vergangenen Mittwoch im Bürgerhaus, bot mit den drei Teilnehmerinnen Kerstin Schreyer-Stäblein, Vorsitzende der CSU-Familienkommission, Franziska Ferber, Kinderwunsch Coach und Alexandra Gaßmann, Stadträtin der Stadt München und Vorsitzende des Verbandes kinderreicher Familien einen interessanten Abend. Mit der polarisierenden Frage ,,Asoziale Großfamilien und kinderlose Egoisten?" eröffnete Moderator und Landtagssmitglied Alexander Dorow die sozialpolitische Diskussion. Wie man mit dem Vorurteil ,,kinderlose Egoisten" umgeht, möchte er von Franziska Ferber wissen.

,,Das war für mich lange Zeit sehr verletzend", gesteht die ehemalige Unternehmensberaterin, die ihre eigene Erfahrung mit der Kinderlosigkeit im Buch ,,Unsere Glückszahl ist die Zwei" niedergeschrieben hat. ,,Immer wieder sind Wunden aufgebrochen, wenn man mich nach Kindern gefragt hat", so Franziska Ferber. ,,Als ob es nichts anderes gebe, was mich auszeichnen würde". Sie begleitet ungewollt kinderlose Menschen, die sich mit ihrem Kinderwunsch auseinander setzen müssen, sich Kinderwunschbehandlungen unterziehen oder sich vom Kinderwunsch verabschieden müssen. Außerdem unterstützt sie Betroffene dabei, mit den psycho-sozialen Fragestellungen in den verschiedenen Lebensbereichen umzugehen. Beim Thema Großfamilien ergreift Alexandra Gaßmann, die selbst 9 Kinder hat, das Wort: ,,Viele Kinder zu haben bedeutet meist, viele Sprüche hinnehmen zu müssen. Das Gesellschaftsbild kinderreicher Familien ist oft negativ". Doch die Praxis zeige definitiv etwas anderes: ,,Kinderreiche Familien sind nicht asozial, sie tragen sehr viel für das Sozialgefüge in der Gesellschaft bei", sagt Alexandra Gaßmann. Die praktische Bewältigung ist eine tägliche Herausforderung: ,,Mein Tag beginnt morgens um 5 Uhr", fügt sie hinzu. Die Vorsitzende der CSU-Familienkommission Kerstin Schreyer-Stäblein verteidigt die unterschiedlichen Lebensentwürfe und mahnt das Schubladendenken an: ,,Wir müssen aufhören, die Menschen in Schubladen zu stecken. Alles, was nicht 50% der Gesellschaft abbildet, gilt als extrem. Es ist nicht richtig, Familien pauschal zu beurteilen". Im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion ging es um die Frage, ob die Politik in Bayern auf diese Besonderheiten eingestellt ist und was sie tun kann. Kerstin Schreyer-Stäblein sieht Bayern familienpolitisch zwar gut aufgestellt, räumt aber auch Nachholbedarf ein. Es müsse ein Beratungsstelle eingerichtet werden, in der sich Familien mit Kinder über alle Leistungen des Staats informieren können. ,,Das wäre eine enorme Erleichterung für Familien, wenn diese nicht immer von Pontius zu Piatus rennen müssen", so die Politikerin. Im Hinblick auf die finanzielle Wohnsituation wurde auf den unbezahlbaren Wohnraum in München eingegangen: ,,Ein Leben in der Stadt können sich die wenigsten Familien leisten. Man sollte kinderreichen Familien nicht vorschreiben, dass sie aufs Land ziehen müssen"

Am Ende der Podiumsdiskussion waren sich alle Beteiligten einig, dass Politik allein nicht die Lösung verspricht. Vielmehr müsse sich in der Gesellschaft einiges ändern - sowohl in der Wertschätzung für kinderreiche Familien als auch für Kinderlosigkeit.

Nicole Burk

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