Pogrom: In Yad Vashem entdeckten Brucker die Namen früherer jüdischer Mitbürger - Gedenken an die Opfer

Vor 70 Jahren, am 9. November 1938, fand die Reichspogromnacht in Deutschland statt. Diesen 70. Jahrestag nahm Stadtpfarrer Michael Bayer von der katholischen Pfarrgemeinde St. Magdalena zum Anlass, in den beiden Sonntagsgottesdiensten um 08.30 und 10.00 Uhr dreier jüdischer Holocaustopfer aus Fürstenfeldbruck mit einem Gebet zu gedenken. Als sichtbares Zeichen der Anteilnahme und des Gedenkens entzündete Pfarrer Bayer auch Kerzen für die verstorbenen jüdischen Opfer der Schoah...

Anlässlich ihrer elftägigen Reise ins Heilige Land in der ersten Septemberhälfte dieses Jahres besuchte die Pfarreigruppe von St. Magdalena auch die zentrale jüdische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. In der dortigen „Hall of Names“ fahndete die Gruppe unter dem Stichwort „Fürstenfeldbruck“ in den Computern nach Namen von Brucker Juden, die dem Holocaust zum Opfer fielen – und wurde prompt fündig. Im „Gedenkbuch“ von Yad Vashem sind unter „Fürstenfeldbruck“ die folgenden drei jüdischen Menschen, zwei Mitbürger aus der Kreisstadt Fürstenfeldbruck und ein Cantor aus Litauen, dem damaligen Memelland, als Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verzeichnet: Jakob Prebisch, Rosa Mannheimer und David Beni Wolfson. Jakob Prebisch wurde am 19. Juli 1891 geboren. Vor dem zweiten Weltkrieg lebte er in Fürstenfeldbruck, das als Ort seines ständigen Wohnsitzes angegeben ist. Irgendwann verschwand Jakob Prebisch aus der Stadt und blieb seither unauffindbar. Das Gedenkbuch zitiert über den jüdischen Brucker Mitbürger: „Status des Opfers zum Kriegsende: verschollen“. Wo und wie er während der Schoah ums Leben kam, ob in irgendeinem der Konzentrations- oder Vernichtungslager, in einem Gefängnis oder sonst wo im Krieg oder durch Zwangsarbeit, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Rosa Mannheimer, geborene Meyer, wurde am 11. Dezember 1888 geboren und lebte bis zum zweiten Welkrieg in Fürstenfeldbruck. Als Todesort gibt das Yad Vashem-Gedenkbuch das Vernichtungslager Auschwitz an. Ihre Tod konnte wegen der nach der Ermordung erfolgten Verbrennung niemals mehr nachgewiesen werden, weshalb Rosa in der deutschen Opferliste des Holocaust als „verschollen“ verzeichnet ist. Von David Beni Wolfson ist nur das Geburtsjahr 1893 bekannt. Er wurde in Heydekrug in Litauen geboren und war in der dortigen Synagoge Cantor. Im Laufe des Krieges wurde David von den Nazis gefangen genommen und eingesperrt. Bekannt ist Wolfsons KZ-Häftlingsnummer 92046. Er landete schließlich mit einem der Transporte von Litauen aus wohl im KZ Dachau. Wolfson starb im Jahr 1945 in Fürstenfeldbruck. Dies teilte seine Tochter Etta, eine Überlebende des Holocaust, am 20. Mai 2005 der Gedenkstätte Yad Vashem mit. Ihre Angaben machen klar, dass David Beni Wolfson auf dem Todesmarsch von Dachau aus im April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, in den Straßen von Fürstenfeldbruck ums Leben kam. „Reichskristallnacht“ ist ein verharmlosender Begriff: Gleichzeitig gedachte die Pfarrgemeinde anlässlich der beiden Gottesdienste der Terroropfer und der Zerstörung der jüdischen Gotteshäuser durch die Nazis in der verharmlosend so genannten „Reichskristallnacht“: Fast alle jüdischen Synagogen und Gebetshäuser in Deutschland wurden damals auf NS-staatliche Veranlassung hin zerstört und niedergebrannt, zahlreiche Geschäfte jüdischer Inhaber demoliert und ausgeplündert und vor den Augen zumeist passiv bleibenden Polizei und Schaulustigen die Scheiben eingeschlagen. Noch am selben Tag wurden viele jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wahllos verhaftet und in Gefängnisse oder in KZ-Lager eingeliefert. Schließlich forderte das Naziregime von den jüdischen Gemeinden noch eine Millionensumme als Sühnezahlung für die von ihm verursachten Zerstörungen.

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