Die Polizei braucht keine Helden - Polizeibeamter referierte über Deeskalation

Ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Haltepunkten oder in sonstigen unübersichtlichen bis bedrohlichen Situationen unterwegs, muß sich der Passant oder Verkehrsteilnehmer hin oder wieder für eine gesetzlich verankerte Hilfeleistung entscheiden. Ohne Eigengefährdung - oder wie Polizeihauptmeister Stephan Dodenhoff anmerkt: „Die Polizei braucht keine Helden!“

Der Angehörige und Beamte der Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck, seit über 20 Jahren im Polizeidienst und seit 1991 in Bruck tätig, sprach vor dem offenen Freundeskreis für Männer der ev. Erlöserkirche die Möglichkeiten zur De-Eskalation im Alltagsbereich durch. „Da provoziert eine laute Passantengruppe eine junge Mutter mit Kleinkind oder einen altersschwachen Mann, der sich nur eingeschränkt bewegt und nicht mehr wehren kann. Da wird plötzlich grundlos ein Mensch niedergeschlagen … Wie nun eingreifen?“ Man wüsste schon, dass man eigentlich eingreifen müsste, denkt aber zunächst an sich selbst, schaut oder geht lieber weg. Stephan Dodenhoff: „Oft hilft schon in solchen Situationen lautes Schreien, um damit Öffentlichkeit zu schaffen. Schläger/Aggressoren werden dadurch verunsichert..“ Dodenhoff gibt zu, dass es in solchen Situationen nicht so einfach ist, kühlen Kopf zu bewahren und die meisten Menschen wären damit überfordert. Dennoch: Häufig würde in solchen Situationen helfen, wenn ein einziger aufsteht oder sich in Bewegung setzt und so die Initialzündung auch für andere wird. Die Solidarisierung mit dem offensichtlichen Opfer ist ein entscheidender Punkt. Danach so schnell wie möglich die Polizei verständigen - per Handy. Was auch für sonstige, verdächtige Wahrnehmungen gerade bei möglichen Eigentumsdelikten gilt. „Lieber die Polizei einmal zu viel anrufen als zu wenig!“ Eine häufige Erschwernis in der jeweils vorgefundenen Szene - auch für die Beamten - sei die Alkohol-Frage, um die abgegebenen Erklärungen zum (Tat-)Hergang auch nach ‚glaubhaft’ oder ‚weniger glaubhaft’ einordnen zu können. Was auch für die häufig häuslichen Konflikte gälte. Dodenhoff: „Ich kann mich an keinen Familienstreit erinnern, in dem nicht ein Beteiligter betrunken war!“ Natürlich gäbe es bekannte alkoholische Schwerpunkte mit verbalen Attacken/Anpöbeleien oder Übergriffen auch bei den Großfesten/-veranstaltungen auf Stadt- und Landkreisebene. „Junge Erwachsene? Da sind wir manchmal nicht gern gesehen …“ Besonders negative An- oder Auffälligkeiten bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund mochte der Polizeihauptmeister aber nicht bestätigen. Und: „In den so genannten ‚Freinächten’ sind wir mit allem, was polizeilich Beine hat, im Landkreis unterwegs, um durch Präsenz Übergriffen vorzubeugen.“ Die Personalien würden bei Sachbeschädigung festgestellt, jedoch keine Festnahmen vorgenommen. „Die Fälle werden mit Augenmaß beurteilt.“ Zur Verkehrssituation bestätigte Dodenhoff nochmals, dass Radlfahrer in Ausnahmen auch entgegen der Einbahnstraßenrichtung fahren dürften und dass Inline-Skater auf die Bürgersteige gehörten. Er bemängelte die gelegentlich rücksichtslose bis aggressive Fahrweise von Radlern gegenüber Fußgängern, auch mit Kindern. Amok-Ereignisse ein Thema Ein schwieriges Thema beschloss den Abend: Die zunehmenden Amok-Ereignisse, auch in Deutschland. Schwierig zu bewältigen in der Nachbeurteilung wie auch in Verhaltensregeln. Nach ‚Winnenden’ hatte eine Tagung über Sicherheitsfragen in der Brucker Westschule mit zwei in Winnenden beteiligten Psychologen stattgefunden. Eine wichtige Erkenntnis sei dabei gewesen, möglichst rasch in Schulen die Klassentüren zu schließen und die Türen von innen zu verbarrikadieren. Auch Fluchtmöglichkeiten nach außen zu suchen, ohne Amokschützen dabei in die Arme zu laufen. In diesem Zusammenhang wollte Stephan Dodenhoff Computerspiele nicht generell verurteilen. Nur durch negative Einflüsse bereits vorbelastete oder vorgeschädigte Jugendliche könnten durch Gewaltverherrlichung darin bestärkt werden, ihre Phantasien auch auszuleben.

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