Die Postkutschen-Zeit wird im Museum wieder lebendig

11 037 Besucher zählte das Stadtmuseum Fürstenfeldbruck in den 297 Öffnungstagen des abgelaufenen Jahres. „Das ist in Anbetracht der Größe des Museums im Vergleich zu den bayerischen Museen ein sehr guter Besuch“, stellten Eva von Seckendorff und Angelika Mundorff fest. Auch gegenüber dem Vorjahr hat sich die Besucherzahl stabil gehalten. Gemeinsam mit Brucks Kulturreferenten Professor Dr. Klaus Wollenberg gaben die beiden Museumsleiterinnen in der vergangenen Woche einen Rückblick auf das abgelaufene Jahr sowie einen Ausblick auf die Aktivitäten im neuen Jahr.

Mit zu den Höhepunkten im letzten Jahr zählte die Sonderausstellung über „Electrine und die anderen“, die an die großen Ausstellungen „Die Millers“ und „Die Gärten des Klosters“ anknüpfte. Die Ausstellung beleuchtete und verglich Ausbildungs-, Arbeits- und Lebensbedingungen von Künstlerinnen aus vier Jahrhunderten (1700 – 2000). Im Zentrum der Ausstellung stand Electrine von Freyberg, eine der ersten Studentinnen der Kunstakademie in München und geschätzte Malerin der Goethezeit. Ihr zur Seite gestellt waren 15 Künstlerinnen von der Barockzeit bis heute. Insgesamt kamen an 100 Öffnungstagen knapp 5000 Besucher, um die 180 Werke zu sehen. Noch bis zum 22. Februar läuft die Ausstellung „Retrospektive“ des in Eichenau lebenden Künstlers Roland Helmer. Helmer zählt zu den führenden Vertretern der „konkreten Kunst“. Seine Bilder drängen sich dem Betrachter nicht auf. Sie verwickeln ihn nicht in Geschichten oder Befindlichkeiten des Künstlers selbst. Die großen Formate schaffen durch ihren klaren, rationalen Aufbau und die Harmonie der Farben eine heitere, klare und kultivierte Umgebung – die im günstigen Falle auch eine zivilisierte Umgangsform der Menschen herausfordert. Farbe und Form werden immer wieder neu ins Verhältnis gesetzt, vollkommen frei von gegenständlichen Assoziationen. Großes handwerkliches Können, profundes Wissen um Wechselwirkungen von Farbe und Form und eine unbändige Lust an der Farbe zeichnen das umfangreiche Werk aus. Zur guten Bilanz des Brucker Museums haben auch das attraktive Begleitprogramm und das museumspädagogische Angebot beigetragen, so die beiden Museumsleiterinnen. Die Führungen für Schulklassen, Kindergärten und Erwachsene durch Abteilungen und Sonderausstellungen waren ein ebenso wichtiger Bestandteil wie Workshops, Kindergeburtstage, Ferienprogramme. Über 140 Schulklassen und andere Gruppen wurden von Doris Hefner und Pamela Peyser-Kreis gemeinsam mit dem Museumsteam betreut. Vor allem die samstäglichen Kinderprogramme zu Steinzeit, Kelten, Bajuwaren und Römern wurden zu „Rennern“. „Das Angebot des Historischen Vereins, die Museumspädagogik im Stadtmuseum mit 300 Euro zu sponsern, hat uns veranlasst, die Teilnahme am Kinderprogramm kostenfrei anzubieten“, berichtete Eva von Seckendorff. So könne jedes Kind, unabhängig von den familiären Finanzen, am museumspädagogischen Angebot teilhaben. Im Mittelpunkt des diesjährigen Museumsjahres stehen drei Ausstellungen. Vom 28. Mai bis 25. Oktober läuft die Ausstellung „Reisen mit der Postkutsche“. Bei dieser Ausstellung wird das Postkutschenwesen, das im 18. und auch noch 19. Jahrhundert entscheidend zur Entwicklung des bürgerlichen Deutschlands beitrug, am Beispiel der Brucker Poststation dargestellt. Anhand der über Generationen von der Familie Weiß betriebenen Station werden die vielfältigen Aufgaben und logistischen Meisterleistungen eines Postmeisters, der Einfluss der Poststation sowie die Postroute, die auf die Entwicklung des Ortes und der Region maßgeblich Einfluss nahmen, erläutert. Vom 3. März bis 23. März zeigt das Stadtmuseum in einer kleinen Sonderausstellung 14 Bronzeskulpturen, die Reiner Amann der Stadt vermacht hat. Eine seiner Skulpturen, einen 120 Zentimeter großen Delphin, möchte Kulturreferent Wollenberg im Innenhof des Brucker Rathauses auf einem Sockel auf Dauer aufstellen lassen. Mit der vom 26. November 2009 bis 5. April 2010 dauernden Ausstellung über Leben und das Werk des Metallkünstlers Albert Gustav Bunge setzt das Stadtmuseum seine Ausstellungsreihe über bedeutende Kunsthandwerker der Region fort. Das Werk Bunges, der neben seiner Werkstatt in Reit im Winkl 1925 in Emmering ein Haus erwarb und dort eine „Metallkunstwerkstätte“ für Messing-, Kupfer- und Bronzearbeiten einrichtete, wird zusammen mit ausgewählten Arbeiten aus der international bedeutsamen Metallkunst-Sammlung von Giorgio Silzer präsentiert. „Bunges Arbeiten werden aktuell auf Auktionen und im Antiquitätenhandel zu ansehnlichen Preisen gehandelt“, wussten die Museumsleiterinnen zu berichten. Eröffnet werden die diesjährigen Ausstellungen nochmals vom Eichenauer Künstler Roland Helmer, der eine Neuauflage seiner druckgrafischen Arbeit „Linie – Fläche“ vorbereitet, die am 5. Februar, 19 Uhr, im Stadtmuseum vorgestellt wird. Die Serie umfasst 15 Siebdrucke auf Papier und wird in einer Auflage von 80 Exemplaren publiziert. Wie beim in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Brucker Stadtarchiv stößt auch beim Museum trotz einer durchgeführten Optimierung der vorhandenen Lagerkapazität das Depot an seine Grenzen. „Das ist unser größtes Problem“, stellte Professor Wollenberg die Raumnot dar. „Wir sind ausgereizt, mehr ist nicht drin“, ergänzte Angelika Mundorff. Selbst die Digitalisierung der Depotbestände und eine Auswechslung der Regale habe kein wirklich größeres Platzangebot gebracht. Die Lage habe sich zusätzlich verschärft, als sich in einer „Nacht- und Nebelaktion“, so der Brucker Kulturreferent, das Veranstaltungsforum Fürstenfeld Kellerräume, die Wollenbergs Meinung nach zum Museum gehören, für sich und für das Inventar des Restaurants „Der Fürstenfelder“ „unter den Nagel riss“. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sehen Wollenberg und die Museumsleiterinnen nur, wenn das Museum entweder die im westlichen Teil des Museumstraktes befindliche freie Wohnung oder aber nach einem angedachten Stadtarchiv-Umzug diese Räume übernehmen kann.

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