Ein Lebensmittel für alle

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Die Privatisierung des Wassers erhitzt die Gemüter, auch beim ubp-Stadtgespräch mit Hubert Jung, Wolfgang Wuschig, Gerhard Frankenfeld und Max Keil.

Puchheim – Es sei ihm nicht gelungen, jemanden aufzutreiben, der die Privatisierung des Wassers vertritt, eröffnete 2. Bürgermeister Wolfgang Wuschig im Kulturzentrum PUC die Podiumsdiskussion im Rahmen des ubp-Stadtgesprächs. Eine Umfrage habe ergeben, 82 Prozent der Deutschen seien gegen eine Privatisierung.

Wasser sei ein öffentliches Gut, jeder müsse es zu einem günstigen Preis erhalten können, das gehöre zu den Grundrechten, so Wuschig. Von Eichenaus Bürgermeister Hubert Jung, seit kurzem auch der erste Vorsitzende des WVA-Zweckverbandes, erfuhren die knapp 100 Zuhörer wie es um die Trinkwasserversorgung bestellt ist. So gibt es in Puchheim zwei Wasserversorger. Der Zweckverband WVA versorgt Puchheim-Bahnhof, Gröbenzell, Eichenau und Olching, der Wasserbeschaffungsverband (WBV) Puchheim-Ort. Drei Flachbrunnen und vier Tiefbrunnen der WVA förderten im Jahr 2012 insgesamt 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser und versorgten so rund 75000 Einwohner. Der Verbrauch pro Einwohner liegt bei 132 Liter pro Tag und der Preis liegt 2013 bei 1,12 Euro pro Kubikmeter. Damit liege man weit unter dem bayerischen Durchschnittspreis von 1,38 Euro (2010). 

In Puchheim-Ort, das über einen Flachbrunnen verfügt, wurden im letzten Jahr 123660 Kubikmeter Wasser gefördert, die ausreichten, um 2271 Einwohner zu versorgen. Auch hier lag der tägliche Verbrauch bei 130 Litern pro Tag pro Einwohner. Der niedrige Preis von nur bei 0,43 Euro pro Kubikmeter erklärt sich dadurch, dass Puchheim-Ort wegen des Flachbrunnens keine Wasser-aufbereitung benötige und im WBV alle ehrenamtlich arbeiten, sagte ihr Vorsitzender Gerhard Frankenfeld.

Als Kernstück für die Wasserqualität bezeichnete Jung die Wasser-Schutzgebiete. Hier wurden mit den Landwirten Verträge zur standortgerechten grundwasserschonenden Landbewirtschaftung geschlossen, die über die Anforderungen der Wasserschutzgebiets-Verordnung hinausgehen. Dafür erhalten die Landwirte jährlich über 215000 Euro. Darüber hinaus investiert der WVA jährlich zwei Millionen Euro für neue Wasserleitungen. Luft, Wasser, Energie müssen immer für uns greifbar sein. Sie müssen geschont und gepflegt werden, sagte Kreisrat Max Keil, Referent für Umwelt und Energie, und meinte, eher müsse man die EU in Frage stellen. Die großen Konzerne würden die Politiker am „Gängelband“ führen, das dürfe man nicht zulassen. Die Lebensmittelskandale seien nur passiert, weil man die Lebensgrundlagen aus der Hand gegeben habe. „Wir brauchen eine ordentliche „Kreislauf-Wirtschaft“, so Keil. 

Es sei nicht seine Aufgabe die EU zu verteidigen, meinte Jung, aber es gebe schon Städte in Deutschland, die das Wasser in private Hände gegeben haben. Kommunen, die einen Schuldenberg hatten, haben sich dafür entschieden, meinte Wuschig. Als die allerdings feststellten, dass sie sich gewinnorientierten Unternehmen ausgeliefert hatten, hat es schon wieder Bestrebungen zur Zurückrealisierung gegeben. Über die Aussage von Dr. Ulrich May, Vorsitzender des Bayerischen Städtetags, die Bürgermeister Jung vom jüngsten Treffen mitbrachte, waren sich alle Besucher der Veranstaltung am Ende einig: „Die Europäische Union darf die Wasserversorgung in kommunaler Hand nicht der Liberalisierung opfern. Wasserversorgung ist ein elementarer Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, Trinkwasser ist keine Ware, sondern ein Lebensmittel für alle.“

Der ersten europäischen Bürgerinitiative „Wasser ist ein Menschenrecht“ gegen eine Maßnahme der EU haben sich bereits über eine Million Menschen angeschlossen. Die vorgeschriebene Anzahl ist damit erreicht, die die EU-Kommission verpflichtet, sich die Angelegenheit auf die Agenda zu schreiben. Das Sozialforum-Amper bietet am Freitag, 15. März, mit einem Info-Stand auf dem Geschwister-Scholl-Platz in der Buchenau die Möglichkeit, sich der europäischen Bürgerinitiative anzuschließen.

Dieter Metzler

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