Prof. Katsch sprach über die Entwicklung des Kleingartenwesens auf Einladung der CSU-SeniorenUnion in FFB

Ludwig Gascher (li.) dankte im Namen der SeniorenUnion des CSU-Kreisverbandes Prof. Dr. Günter Katsch für seine Ausführungen zur Schrebergarten-Historie. Foto: Günter Schäftlein

Auf Einladung der CSU-SeniorenUnion sprach Prof. Dr. Günter Katsch - seit 1992 freischaffender Historiker und Publizist in Leipzig, seit 2008 in Fürstenfeldbruck ansässig - im Gasthaus a.d. Lände über die Entwicklung des Kleingartenwesens in seiner Heimatstadt, „der heimlichen Schrebergartenhauptstadt Deutschlands …“

Und dies beweist die besondere Verwandtschaft der Sachsen mit einer sehr nützlichen und auch nahrhaften Seite, stellen sie doch von den heute exakt erfassten 999.000 Gartlern in 16 Bundesländern mehr als 20%: 215.000 Gartenfreunde, organisiert in 37 Territorial-/Regional-/Kreis- und Stadtverbänden und 3900 Vereinen, die insgesamt 9300 Hektar bearbeiten. In Leipzig gründete sich 1864 der erste „Schreberverein“ nach den kinderfreundlichen Ideen und Idealen des bereits verstorbenen Orthopäden Dr. Moritz Schreber (1808-61), initiiert durch den Schuldirektor Dr. Ernst Hauschild.(1808-66) und gefördert durch den „Spielvater“ und Oberlehrer Karl Gesell. Alles entstand aus dem mitfühlenden Bestreben, die Kinder aus der Enge und Lichtlosigkeit der Behausungen in Arbeitervierteln des anbrechenden Industriezeitalters herauszubringen auf erworbene freie Spielflächen mit Licht, Luft, Sonne. Um diese Leipziger Spielflächen entstanden im zweiten, pädagogischen Schritt von den Kindern angelegte Beete, die von den Eltern übernommen und mit ersten „Lauben“ ausgestattet wurden: Der „organisierte“ Kleingarten-Zusammenhalt war geboren, über Leipzig und Sachsen hinaus mit den stärksten Ausprägungen und Zuläufen in Berlin („Laubenpieper“) und dem industriellen Ruhrgebiet: Passend zu Zechenhäusern, gefördert in Fabriksiedlungen und mit dem Beginn des 20. Jh. von Unterabteilungen des Roten Kreuzes („Rotkreuzdamen“) betreuten sonstigen Arbeitergärten . Zum Nutz und Frommen von Bewegung und Volksernäherung, aber auch einer gewissen politischen Gefügigkeit. „Kleingärtner sind keine Träumer sondern Realisten.“ Kleingärten bedeuten „Blumenbeete zur Erbauung, Kartoffel- und Rübenacker in Notzeiten“, wie Ortwin Eger als Pressesprecher der SeniorenUnion in seiner Einladung hierzu anmerkt. Doch die ‚Gartler’ betreiben heute umfassend Öffentlichkeitsarbeit, was sich vom Titel und Inhalt der „Gartenlaube“ von 1860 gewaltig unterscheidet. Schon die Einrichtung des einzigen Deutschen Kleingärtnermuseums im Leipziger Vereinshaus „Dr. Schreber e.V.“ - gefördert durch eine westdeutsche Unterstützergruppe - zeigt den gesellschaftlichen Anspruch, auch wahrgenommen zu werden. Dr. Norbert Franke, neuer Präsident des BDG (Bundesverband Deutscher Gartenfreunde) sieht die Menschen in seiner Organisation als bürgernah zuständig für Soziales, Ökologie, Städtebau, Gesundheit und Bildung. Seine ehrgeizige Zielsetzung heißt „5000 Fachberater ausbilden in Sachen Flora und Fauna.“ Die Bürger sollten den Nutzwert der Kleingärten erkennen - für sich selbst. Es bestünden verbandsseitig bürgernahe Angebote wie Probe- oder Schnuppergärten, Lehrpfade, Kita- und Schulkooperationen. Verwunderlich allerdings, dass im 2011 neugewählten, neunköpfigen BDG-Präsidium - in dem der Ansbacher Norbert Wolff die Finanzen verwaltet - keine einzige Frau zu finden ist. Der Landkreis Fürstenfeldbruck kann rund 30 Gartenbauvereine vorweisen - und natürlich auch die „Sonnenäcker“ als Initiative der Solidargemeinschaft BRUCKER LAND: Ohne Frauen ginge da überhaupt nichts! Der Autor Günter Katsch publizierte zuletzt „Deutschlands Kleingärtner in drei Jahrhunderten“, herausgegeben vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. ISBN 978-3-00-035491-5.

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