Gespräch mit der jungen CSU-Stadträtin Ramona Weiß aus Puchheim über ihre Master-Arbeit "Bioabfallverwertung im Landkreis FFB"

"Umweltministerin wäre toll"

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Die Puchheimer CSU-Stadträtin Ramona Weiß erhielt für ihre Masterarbeit mit dem Thema „Bioabfallverwertung im Landkreis Fürstenfeldbruck“ die Traumnote 1,0

Puchheim – „Umweltministerin wäre toll“, schüttelte Puchheims junge CSU-Stadträtin Ramona Weiß lachend ihre volle Haarpracht, auf die Frage, wohin denn ihre politische Karriere sie noch führen soll. Dann aber wurde sie wieder ernst. „Bis vor fünf Jahren war ich mir eigentlich sicher, mit Politik nichts am Hut haben zu wollen.“ In den letzten vier Jahren legte die 27-jährige allerdings eine kommunalpolitische Karriere im Schnellzugtempo zurück.  Doch der Mitarbeiter des Kreisboten FFB traf die Puchheimer Referentin für Kultur und Volksbildung eigentlich, um sich über den erfolgreichen Abschluss ihrer Master-Arbeit zu unterhalten.

 Mit ihrem Thema „Bioabfallverwertung im Landkreis Fürstenfeldbruck“ hatte sich die Studentin für Umweltplanung und Ingenieurökologie nicht nur ein ungewöhnliches Thema ausgewählt, sondern sie kam bei ihrer Machbarkeitsstudie zu Errichtung und dem Betrieb einer landkreiseigenen Biogasanlage auch zu einem ganz anderen Ergebnis als das vom Kreistag in Auftrag gegebene Gutachten. So kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass eine Vergärungsanlage im Landkreis durchaus möglich wäre, aber zugleich eine erhebliche Gebührenerhöhung von 35 Prozent und mehr mit sich bringen würde. Dagegen würde eine Änderung der Praxis mit dem braunen Biosack, wie ihn rund 95.900 Haushalte im Landkreis derzeit verwenden, kaum ökologische Vorteile mit sich bringen.

 Ramona Weiß kommt dagegen bei ihrer Recherche zu dem Ergebnis, dass sich eine landkreiseigene Vergärungsanlage schon auch im Hinblick auf das Erreichen des Klimaschutzziels rechnen würde, allerdings unter der Voraussetzung, dass alle Haushalte mitziehen. Bei Einführung der braunen Tonne anstelle der Bioabfallsäcke würden nach ihrer Hochrechnung anstatt 5.000 Tonnen Bioabfall pro Jahr 17.000 Tonnen anfallen. Da würde sich eine eigene Biogasanlage rentieren. Auch die Müllfahrten bis nach Kelheim, wo die Bioabfälle momentan entsorgt werden, würden entfallen. Während das Gutachten bei einer Umstellung des bisherigen Systems mit einer Kostensteigerung von zwei Millionen Euro rechnet, ermittelte Weiß Kosten zwischen 700.000 und einer Million Euro.

Unterstützung erhält Weiß jüngst vom Bund Naturschutz, der ebenfalls für die Einführung der braunen Tonne im Landkreis wirbt. „Mir kam es darauf an, nicht einfach sinnlos eine Arbeit zu schreiben“, erklärte Ramona Weiß ihre Themenwahl.  Die Arbeit sollte auch einen Nutzen bringen. „Als ich 2011 nach Puchheim zog, fiel mir auf, dass es im Gegensatz zu meiner vorigen Heimat Kaufbeuren im ganzen Landkreis keine braune Tonne gab.“ Mit den Bioabfallsäcken kam Weiß lange Zeit nicht in Berührung, weil in der Puchheimer Wohnanlage drei Komposter standen. Dabei stellte sie fest, dass es immer wieder zu Verunsicherungen kam, was kompostiert werden darf und welcher Biomüll-Abfall nicht. Der wanderte zwangsläufig in die Restmülltonne. „Als ich mich im Laufe meines Studiums damit beschäftigte, wie viel Energiepotential im Biomüll steckt, begann ich intensiver über die Energieverschwendung durch Einwurf in die Restmülltonne nachzudenken“, erzählte Weiß. Für ihre Masterarbeit wollte die Studentin ein Thema aus der Region aufgreifen, das dem Bereich der Umweltpolitik zugeordnet werden konnte und studienbedingt im Zusammenhang mit den Erneuerbaren Energien stand.

 „Wind- und Wasserenergie spielten in den Vorlesungen zwar immer wieder die Hauptrolle“, erzählte Weiß. „Da beide aber in Bayern wenig Potential versprachen, fielen sie schon einmal weg. Im Rahmen von wissenschaftlichen Artikeln stieß ich dann auf das enorme Potential von Gülle und Bioabfall innerhalb der Biogasvergärung. Das Problem war nur, dass die meisten Biogasanlagen mit Nachwachsenden Rohstoffen gespeist wurden, was mir aufgrund der Nahrungsmittelthematik widerstrebte.“ „Es gibt ja Befürworter und Kritiker der Biotonne. Mir war es wichtig, auf rein wissenschaftlicher Basis, ganz ohne politischen Kontext, ergebnissoffen der Frage nachzugehen, ob eine Biotonne mit landkreiseigener BGA wirtschaftlich darstellbar ist“, sagte Weiß. Von der in Auftrag gegebenen Studie habe sie erst später erfahren, als sie schon mitten in ihrer Masterarbeit steckte. Ihr war es dann aber umso wichtiger, noch vor dem Gutachten fertig zu werden. Sicher ist sicher, dachte sie sich.

Um auf ihre eingangs steile kommunalpolitische Karriere zurückzukommen: Erst 2013 trat Ramona Weiß in die CSU ein. Ein Jahr zuvor war sie der Jungen Union beigetreten, wo sie gleich zur Beisitzerin gewählt wurde. Und bei den Kommunalwahlen 2014 schaffte sie auf Anhieb den Sprung in den Puchheimer Stadtrat. Ganz frisch noch ist ihre Wahl als stellvertretende Vorsitzende neben Max Keil im Verein ZIEL 21, der sich zum Ziel gesetzt hat bis 2030 im Landkreis komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Vor ihrem Studium und während ihrer Schulzeit hat sie sich mehr im sozialen und medizinischen Bereich engagiert, hat eine Sanitätsausbildung absolviert und war bei der Wasserwacht in Kaufbeuren, wo sie ihren Rettungsschwimmer in Gold ablegte. Schwimmen war überhaupt ihre sportliche Leidenschaft. Als Leistungssportlerin nahm sie an nationalen und internationalen Meisterschaften teil. Bis 2014 Volleyball in der Eichenauer Landesliga gespielt, ist Weiß nun in der ersten Damenmannschaft des Tennisclub Puchheim aktiv.

Dieter Metzler

 

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