Rassoburg - Spurensuche Der Hl. Rasso kommt als Burgbesitzer auf dem Wildenrother Schloßberg rein zeitlich nicht infrage - Kreisheimatpfleger Drex ...

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GÜNTER SCHÄFTLEIN, Landkreis Fürstenfeldbruck - Wildenroths Ganzjahres-Ereignis zum 750jährigen Bestehen sollte nicht über gewisse Legendenbildungen hinwegtäuschen - meint historisch fundiert Toni Drexler. Das 1900 vom damaligen Müller Leonhard Hartl mit der Leonhardskapelle gestiftete Gründungsdenkmal „Rassoburg 900“ hat demnach bei genauerer geschichtlicher Sicht keine Berechtigung mehr. „Auch Denkmäler können irren, genauso wie heutige Pressemeldungen oder Internet-Portals.“ Das bezog Drexler aktuell auf die Fehldeutung des alten Begriffs „Burgstall“ in der Tagespresse: Dies wäre kein adeliger Stallrest aus dem Mittelalter, sondern bezeichne eine ehemalige‚Burg’ an einer bestimmten ‚Stelle’. Der Hl. Rasso („Graf Razo“), Vorfahre der Grafen von Dießen und Andechs und nach Überlieferung Feldhauptmann des Bayernherzogs, kommt jedoch als Burgbesitzer auf dem Wildenrother Schloßberg rein zeitlich nicht infrage. Bei seinem als Klostergründer in späteren Diessener Archivalien erwähnten Tod im Jahre 954 gab es in Wildenroth noch keine herrschaftliche Baulichkeit, denn die ist erst um 1260 verbrieft. Toni Drexler hierzu bei seiner Spurensuche vor über 100 Zuhörern: „Genug der Spekulationen … Hier war definitiv nicht die Burg des Hl. Rasso!“ Im übrigen verwies er auf die umfassenden Publikationen des ortsansässigen Dr. Ernst Meßmer zur Rasso-Forschung. Wildenroth mit Burg und Dorf entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jh. aus politisch-strategischen Gründen an einer Engstelle der Amper: Zunächst im Grenzland-Herrschaftsbereich der Staufer, später (ab 1268, nach der Hinrichtung des Schwabenherzogs Konradin in Neapel) in Erbfolge als Lehen der Wittelsbacher Dynastie. „Eigentlich war Wildenroth kein typisch bayerisches Bauerndorf, denn es fehlte schon die Kirche …“ Die enge Anbindung an die Burgherrschaft führte zu einer kleinhäusigen Dorf-Bauweise entlang der Amper, zu sogenannten „Sölden“. Davon gab es im Jahre 1752 immerhin 44, dazu eine Mühle und Schmiede. Und es gab eine durchaus demokratisch-soziale Dorfordnung, die Toni Drexler ausführlich vorlas und aus dem Altsprachlichen übersetzte. Der erste Burgherr in Wildenroth kam aus der unmittelbaren Umgebung und dem Hegnenberger Geschlecht: Konrad I. von Wildenroth, Sohn des Engelschall von Hegnenberg, zunächst staufischer Ministeriale. Er trat schon „in jungen Jahren in die Dienste des Bayernherzogs, erreichte eine führende Stellung als Marschall, war oberster Finanzberater und Friedensrichter. Hatte umfangreiche Besitzungen, insbesondere südlich von Augsburg und in Buchloe.“ Nachfolger wurde ein Engelschalk von Wildenroth, dem Konrad II. von Wildenroth folgte, was urkundlich von 1297 bis 1330 nachweisbar ist. Hiermit endet bereits die Dynastie, da die nachfolgenden beiden Söhne nicht alt wurden. Durch die herzoglich-bairischen Teilungen kam Wildenroth 1310 zu Baiern-Ingolstadt und wurde 1311 durch den Herzog Ludwig IV. (seit 1328 deutscher Kaiser) an den Marschall Konrad von Wildenroth verpfändet. Den Besitz vergab König Ludwig 1322 durch Schenkung an das wittelsbacher Sühnekloster Fürstenfeld, von dort wurde er jedoch erst nach Löschung einer Forderung 1366 übernommen. Die neuen klösterlichen Machtbhaber legten die Burganlage Wildenroth sofort nieder - wie es auch mit allen anderen erworbenen herrschaftlichen Anlagen in der unmittelbaren Nachbarschaft geschah (Gegenpoint, Engelburg usw.). Man war nur an den übernommenen Ländereien mit Wald und Feld als ökonomische Grundlage interessiert. Das Dorf Wildenroth zählte bis 1803 zur Hofmark Fürstenfeld; eingeschlossen war darin die niedere Gerichtsbarkeit. Aufschlussreich auch ein von Toni Drexler ausführlicher behandelter „mittelalterlicher Kriminalfall“, in dem gleich drei Adelsgeschlechter aus der Region verwickelt waren: Die Hegnenberger (später Haldenberger), Rohrbacher und Wildenrother. Ausgelöst durch eine unerwünschte Heirat mit Erbverschiebungen kam es 1297 im Fürstenrat von Landsberg zum Mord an Winhard von Rohrbach. Die Schuldigen kamen in herzogliche Acht und Bann, flohen nach Bern und verloren ihre Güter. Später aufgrund einer vermögensrechtlichen Einigung begnadigt, durften sie wieder in ihre Stammlande zurückkehren.

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