Der Regenwald-Retter - Ehemaliger Olchinger Pfarrer Aicher engagiert sich im Kongo

Vor über 30 Jahren schickte der damalige Erzbischof Josef Ratzinger, seit 2005 Papst Benedikt XVI., den Olchinger Kaplan Josef Aicher als Missionar in den Regenwald in den Kongo. In über drei Jahrzehnten leistete er als bayerischer Priester vorbildliche Missionsarbeit, überlebte den Bürgerkrieg im Kongo und wurde 1997 durch Bundespräsident Roman Herzog mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet sowie im Jahre 2007 zum Olchinger Ehrenbürger ernannt.

Seit einigen Jahren führt Pfarrer Josef Aicher einen erbitternden Kampf um die Erhaltung des Regenwaldes im Kongo. Rücksichtslose Holzkonzerne bedrohen den Regenwald, immer größere Flächen werden abgeholzt. Nicht nur für die Menschen dort stellt die Zerstörung des Regenwaldes eine Gefahr dar, denn sie leben nicht nur im Wald, sondern auch vom Wald. Darüber hinaus beeinflusst die Zerstörung des zweitgrößten Urwalds der Welt maßgeblich auch das Klima auf der Erde. Mit Hilfe von Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte Aicher erreichen, dass ein Kahlschlaggebiet, das so groß wie der gesamte S-Bahnbereich von München ist, zu einem Artenschutzreservat deklariert wurde. In einer beispielhaften Aktion, in der die Bevölkerung der Diözese Bokungu-Ikela im Kongo, das Erzbistum Salzburg und die deutsche Politik Hand in Hand arbeiteten, konnte dieses Ziel erreicht werden. In der vergangenen Woche weilte Aicher zu einem kurzen Arbeitsbesuch in Bayern. Dabei besuchte er Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt und überreichte ihr Dankschreiben zur Weitergabe an Bundespräsident Horst Köhler sowie an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Bundestagsvizepräsidentin bezeichnete die Aktionen als beispielhaft, insbesondere stellte sie dabei die nicht nur sporadischen sondern ständigen Kontakte zwischen der Basis bis in die hohe Politik heraus. Der Missionar berichtete anschließend im Rahmen eines Pressegesprächs über seine seit Jahren lebensgefährlichen Aktionen zur Rettung des Regenwaldes im Kongo. Dazu hatte der stellvertretende Vorsitzende des Fachausschusses Entwicklungspolitik der CSU Bayern, Rainer Widmann aus Olching, in die neue Wahlkreis-Geschäftsstelle von Hasselfeldt in der Brucker Innenstadt eingeladen. Er wusste, dass er sich mit gefährlichen Gegnern anlegte, berichtete Aicher. In all den Jahren waren immer wieder Umweltaktivisten verschiedener Nationalitäten im Kongo ermordet worden. Als er jedoch im September 2007 von einem Heimaturlaub in der Hauptstadt Kinshasa ankam und erfuhr, dass der frühere Präsident Kabila den Wald seiner Pfarrei in der Größenordnung von einer halben Million Hektar einer Firma zum Abholzen verkaufen wollte, konnten den Missionar selbst Freunde nicht mehr halten. Noch in Kinshasa zog Aicher Erkundigungen über das Holzgeschäft ein, schaffte Verbindungen zu internationalen Organisationen, und in seiner Pfarrei von mehr als 165 Kilometer Umkreis mit 36 Außenposten machte er sich mit dem Fahrrad auf den Weg und holte Unterschriften aller Dorfhäuptlinge ein. Unterstützung erhielt Aicher vom kongolesischen Bischof Fridolin Ambongo Besungu. Wie weit die Planungen für die Abholzung schon fortgeschritten waren, zeigte sich, als eine Delegation am Bischofssitz in Bokungo eintraf. „Denen wurde aber ein derartig unfreundlicher Empfang bereitet, dass sie fluchtartig wieder verschwanden“, berichtete Aicher. Doch die Gefahr war noch nicht gebannt. Ein Schiff aus Kinshasa mit Holzfällern und Bewaffneten war unterwegs. Doch Aicher erhielt auch Unterstützung aus dem Ausland. Der Erzbischof von Salzburg, Alois Kothgasser setzte sich für Aicher ein und veranstaltete eine Unterschriften Aktion zusammen mit Umweltgruppen rund um Salzburg, der Patendiözese von Bokungu-Ikela. Und aus Aichers ehemaliger Pfarrei Olching half mit Rainer Widmann ein alter Freund, der seinen ehemaligen Kaplan im Kongo schon besucht hatte. Widmann schaltete den entwicklungspolitischen Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Christian Ruck, ein. Der Durchbruch gelang schließlich bei der Artenvielfaltkonferenz in Bonn im vergangenen Jahr. Bei dieser Konferenz war einerseits der kongolesische Umweltminister Bononge anwesend, andererseits Bundeskanzlerin Merkel. Man kam überein, dass die halbe Million Hektar Regenwald zu einem Artenschutz-Territorium erklärt wird, und das Territorium mit deutscher Unterstützung dauerhaft geschützt wird.

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