Drei Anträge liegen im Landtag vor

Landtag befasst sich wieder mit Regionalzughalten

+
Die CSU-Fraktion verlangt in ihrem von MdL Bocklet initiierten Antrag einen Bericht von der Staatsregierung, wie die Bedienung der Strecke der S4 West einschließlich FFB mit einem ausreichenden Regionalexpress-Zuganggebot sichergestellt werden kann.

Fürstenfeldbruck - Der Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 10. März 2016, mit dem Wegfall von Regionalzughalten in Fürstenfeldbruck befassen. Dies teilt Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet mit. Dem Ausschuss liegen drei Anträge zur Beratung vor. Die CSU-Fraktion verlangt in ihrem von MdL Bocklet initiierten Antrag einen Bericht von der Staatsregierung, „wie die Bedienung der Strecke der S4 West einschließlich Fürstenfeldbruck mit einem ausreichenden Regionalexpress-Zugangebot sichergestellt werden kann“.

  

Auch die Freien Wähler verlangen einen Bericht von der Staatsregierung und fordern darüber hinaus, „den Wegfall der beiden Regionalzughalte in Fürstenfeldbruck rückgängig zu machen bzw. im Einvernehmen mit dem Landkreis eine auskömmliche Lösung für die Pendler in der Region zu finden“. Die SPD fordert mit ihrem Antrag, den Regionalzughalt von Fürstenfeldbruck nach Puchheim zu verlagern.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hatte zum MVV-Fahrplanwechsel am 13.12.2015 die beiden DB-Regionalzughalte in Fürstenfeldbruck am Morgen mit Abfahrt um 6.40 Uhr in Richtung München und am Nachmittag mit Ankunft um 16.59 Uhr aus Richtung München kurzfristig in einer Nacht- und Nebelaktion gestrichen. Grund war der bestellte Einsatz von sog. Doppelstockwagen, die wegen des tieferen Einstiegs in Fürstenfeldbruck nicht am Bahnsteig auf Gleis 2 und 3 halten können. Als „Ersatz“ wurden von der BEG für die laufende Fahrplanperiode zwei Halte des Alex (Allgäu-Express) am Morgen, einmal mit Abfahrt um 5.58 Uhr in Richtung München – 42 Minuten früher als bisher – und einmal mit Ankunft um 7.57 Uhr aus Richtung München – praktisch ohne Nutzen – in den Fahrplan aufgenommen. Nach derzeitigem Stand werden diese beiden Halte zum nächsten Fahrplanwechsel 12/2016 ohnehin wieder entfallen.

Das Vorgehen der BEG war auch ein klarer Affront gegenüber Staatsminister Joachim Herrmann, der sich zuvor persönlich für zusätzliche Verbesserungen des Zugangebots auf der S4 West eingesetzt und zum Fahrplanwechsel am 13.12.2015 zwei zusätzliche Nachmittagszüge der Linie S20 aus Richtung München sowie eine nachmittägliche Fahrt nach München erreicht hatte.

Die Streichung der Regionalzuhalte hatte sowohl Landrat Thomas Karmasin zu einem deutlichen Schreiben an Staatsminister Herrmann als auch Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet dazu veranlasst, von der Staatsregierung einen Bericht über die Handlungsweise der BEG und die künftige Bedienung der Strecke der S4 West mit einem ausreichenden Regionalexpress-Zugangebot zu verlangen.

Vor diesem Hintergrund fand am 04. Januar 2016 am Rande eines Besuchstermins im Fliegerhorst auf Initiative von Bocklet ein kurzfristig vorgeschaltetes Gespräch mit Staatsminister Joachim Herrmann statt, bei dem es insbesondere um die Eignung des Bahnsteigs an Gleis 1 am Fürstenfeldbrucker S-Bahnhof für künftige Regionalzughalte ging. An dem Gespräch nahmen neben dem Staatsminister Landtagsvizepräsident Bocklet und MdL Alex Dorow, Ministerialrat Fregin von der Obersten Baubehörde, der Geschäftsführer der BEG, Dr. Niggl, und sein stellvertretender Abteilungsleiter Schneider sowie die stellvertretende Landrätin Drechsler und Stabstellenleiter ÖPNV Seifert teil.

Von Seiten des Ministeriums und der BEG wurde bei dem Gespräch erklärt, dass die Haltemöglichkeit von Doppelstockzügen geprüft worden sei, aber der Bahnsteig am Gleis 1 in Fürstenfeldbruck nur eine Höhe von 20 cm aufweise. Dabei gibt es in Bayern, z.B. an der Strecke nach Füssen, zahlreiche Bahnhöfe mit einer solchen Bahnsteighöhe, an denen regelmäßig Doppelstockwagen halten. Dort gilt nach bahninternen Vorschriften eine Art Bestandsschutz, der aber in Fürstenfeldbruck nicht greift, da auf Gleis 1 in den letzten Jahren keine Regionalzüge mehr gehalten haben. Die DB Regio hat für eine entsprechende Erhöhung des Bahnsteigs an Gleis 1 Kosten von ca. 500.000 Euro ermittelt, die entsprechend der üblichen Vorgehensweise vom Freistaat und DB getragen werden müssten. Die Beteiligung des Freistaates sieht aber eine Mindestnutzungsdauer von 15 Jahren vor. Im Fall einer kürzeren Nutzungsdauer müsste die DB die Kostenbeteiligung des Freistaates nach den geltenden Förderrichtlinien zurückerstatten. Da nach Aussagen der BEG ab 2021 infolge der Elektrifizierung der Strecke nach Lindau wieder Regionalzüge an Gleis 2 und 3 in Fürstenfeldbruck halten könnten, wäre die erforderliche Nutzungsdauer für den Bahnsteig an Gleis 1 nicht gegeben, weshalb laut Ministerium und BEG der Ausbau nicht durchgeführt werden könne. Außerdem sei die Strecke der S4 West schon jetzt so dicht belastet und die dort verkehrenden Regionalzüge wiesen generell so hohe Besetzungszahlen auf, dass dadurch Halte in Fürstenfeldbruck erschwert würden.

In der darauffolgenden Diskussion wies Landtagsvizepräsident Bocklet darauf hin, dass der angesprochene Bestandsschutz nur auf einer bahninternen Regelung beruhe und es nicht sein könne, dass dadurch verkehrspolitische Zielsetzungen verhindert würden. Zudem sei es absurd, dass es diesen Bestandsschutz auch in Fürstenfeldbruck weiterhin gegeben hätte, wenn in den letzten Jahren nur ein einziger Zug auf Gleis 1 regelmäßig gehalten hätte. Sowohl Bocklet als auch MdL Dorow erinnerten daran, dass trotz der seit Dezember 2015 zusätzlichen S20-Halte der Bahnhof Fürstenfeldbruck aktuell immer noch über 20 Prozent weniger Zughalte verfüge als Anfang der Neunziger Jahre und dies vor dem Hintergrund stetig steigender Bevölkerungszahlen und eines stark zunehmenden Verkehrsaufkommens. MdL Bocklet wies ferner darauf hin, dass der Bahnhof Starnberg erst vor knapp zwei Jahren zusätzlich zu den Halten der S6 mit stündlichen Regionalzughalten ausgestattet worden sei, obwohl die S6-Strecke von deutlich weniger Fahrgästen frequentiert werde als die Strecke der S4 West. Im Hinblick auf einen Umbau des Bahnsteigs an Gleis 1 führte Bocklet das Beispiel Puchheim an, wo sich der Vorgänger Staatsminister Zeil im Fall einer proviso- rischen Barrierefreimachung zu einer Abweichung von den üblichen Förderrichtlinien bereit erklärt habe. Denkbar wäre auch, die DB von einer Verpflichtung zu einer etwaigen Rückzahlung freizustellen. Außerdem erschien Bocklet die Kostenkalkulation von 500.000 Euro als zu hoch. Um das Kostenargument zu entschärfen, sicherte stellvertretende Landrätin Drechsler die Prüfung einer möglichen Kostenbeteiligung des Landkreises zu.

Staatsminister Herrmann zeigte sich nicht glücklich über das Vorgehen der BEG und war erstaunt, dass die S4-Strecke innerhalb des Landkreises Fürstenfeldbruck nur zwei Regionalzughalte je Werktag besitzt. Er war auch verwundert, dass es bei Gleis 1 neben einer geringen Bahnsteigerhöhung tatsächlich nur um zusätzliche Beleuchtung und überdachte Wartebereiche gehe, wobei er keine allzu großen Umsetzungsschwierigkeiten erkennen konnte. Er sah aber im Falle von nur zwei Regionalzughalten und eines möglichen Nutzungszeitraums von nur wenigen Jahren das Problem der Wirtschaftlichkeit. Der Staatsminister beauftragte sein Ministerium und die BEG, kurzfristig die baulichen Erfordernisse des Bahnsteigs, die voraussichtlichen Kosten und den Zeithorizont bis zur Fertigstellung der Ertüchtigung des Bahnsteigs an Gleis 1 zu prüfen. Ziel soll im Falle einer Umsetzung der Baumaßnahme der Halt von mehreren Zügen mit Doppelstockwagen an Gleis 1 sein, wenn möglich auch nach Fertigstellung der Elektrifizierung der Strecke nach Lindau.

Zwischenzeitlich hat Staatsminister Herrmann wiederholt seine Absicht bekräftigt, für Abhilfe zu sorgen, wobei allerdings auf Seiten der Verwaltung unter Hinweis auf die bereits bestehende hohe Belastung der Strecke deutliche Zurückhaltung festzustellen ist.

Meistgelesene Artikel

Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

Fürstenfeldbruck – Brucks 53-jähriger Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) ist nach Feststellung einer amtsärztlichen Untersuchung auf Dauer …
Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

"Probleme vor Ort lösen"

Fürstenfeldbruck – Die Bewältigung der Flüchtlingskrise war das beherrschende Thema beim Neujahrsempfang der Brucker CSU im Churfürstensaal des …
"Probleme vor Ort lösen"

Drei Autos prallen gegen Bäume

Landkreis - Gleich dreimal passierte es, an drei verschiedenen Stellen: Autofahrer prallten gegen Bäume, nachdem sie die Kontrolle über ihren Wagen …
Drei Autos prallen gegen Bäume

Kommentare