Retrospektive einer vielseitigen Künstlerin - Gedächtnis-Ausstellung Dr. Helga Mattheiss-Bögner im Bürgertreff

„Mensch und Sonne“, Öl auf Leinwand, von Helga Mattheiss-Bögner. Unverkäuflich.

Veranstaltet vom Kulturverein und der vhs Puchheim e.V. gedachte man jetzt umfassend der Person und dem außerordentlich vielseitigen Schaffen der Gemeindebürgerin Dr. Helga Mattheiss-Bögner. Die ausgebildete Konzertpianistin malte ausdrucksstarke, symbolträchtige Gemälde, komponierte, schuf Super-8- und Videofilme, schriebihre Weltsicht nieder. Fast so universal, wie es der Vater ihr ebenfalls nahegelegt hatte: Eine „Priesterin der Kunst“ zu werden …

Die 2008 in Garmisch verstorbene Künstlerin stammte aus einem „sehr kunstsinnigen Elternhaus: „ Der Vater schrieb neben seiner Berufstätigkeit eindrucksvolle Gedichte, die Mutter spielte Klavier und Geige und hatte eine klangvolle Gesangsstimme“. Die vhs-Mitarbeiterin Renate Krier, programmzuständig für Kultur, Gesellschaft und Gesundheit, dankte bei der Ausstellungseröffnung im Bürgertreff dem Ehemann Prof. Dr. Ing. Jürgen Mattheiss für das Zustandekommen der Ausstellung „und Ihr leidenschaftliches Engagement!“ Ebenso dankte sie der anwesenden Tochter Undine Hess und allen Veranstaltungsbeteiligten aus vhs und Kulturverein. Es folgte die ausführliche Einführung in das Bilderwerk der Verstorbenen durch Prof. Dr. Friedrich Maier, einem Freund der Familie. Die anhand von sieben Bilderbeispielen von ihm gewählte Analyse einer mystisch-ursprünglichen Wahrnehmung der Welt - festgehalten auch in ihrem literarischen Werk „Das Mysterium eines Weltbetrachters“ - erinnerte wiederholt an den Sprachschöpfer Rainer Maria Rilke mit ihren Zeilen: „Erleuchte mich Du großer Unbekannter, der kreisenden Materie ewiger Geist …“ Sieht man die Künstlerin Helga Mattheiss-Bögner in ihren hinterlassenen Film-Beispielen, dann offenbart sich ein eher romantisch-scheues Wesen, weißgewandet in Waldesnähe eher der Oper „Undine“ von Albert Lortzing verwandt. Aber auch in ihrem musikalischen Auftritt von einer gewissen eiligen Rastlosigkeit besessen: Keine Ruhepunkte, es gilt, etwas zu schaffen … Ihre lautmalenden Kompositionen zu den filmischen Naturbildern in Bergen, Wasser, Wolken oder Blumen gerieten ihr sehr gut. Prof. Dr. Friedrich Maier gelang es bei aller philosophischen Ausführlichkeit glänzend, den Charakter der Künstlerin und ihre in den Bildern einer „menschlichen Emanzipation“ festgehaltene Weltsicht des Kosmos von Anfang an fesselnd zu erklären. Hierfür dankte ihm ein langer Beifall der Zuhörer. Nicht ohne Absicht endeten seine Ausführungen mit zwei literarischen Zitaten, so mit Thornton Wilder: „Manchmal vermag uns ein durch den Asphalt brechender Löwenzahn die tägliche Frage nach dem Sinn des Lebens eindrücklicher und überzeugender zu beantworten als eine ganze Bibliothek philosophischer Schriften.“ Aber auch mit Rainer Maria Rilke aus dessen Erste Duineser Elegie: „Ein jeder Engel ist schrecklich.“

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