Die Revolution auf dem Lande jährt sich zum 90. Mal - Jexhof-Sonderausstellung

Der Ausbruch der Revolution in Bayern jährte sich im vergangenen Jahr zum 90. Mal. Dies hat der Jexhof, das Bauernhofmuseum des Landkreises Fürstenfeldbruck jetzt zum Anlass genommen, das in der Öffentlichkeit wenig präsente Thema mit einer Sonderausstellung „Im Westen was Neues. Revolution auf dem Lande 1918/19“ im Handwerkerstadel des bei Schöngeising gelegenen Museums vom 17. Juli bis 31. Oktober aufzugreifen. Mit der Ausstellung soll u.a. der Frage nachgegangen werden: Inwieweit war die Landkreisbevölkerung damals in die Revolutions-Wirren involviert?

In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, unter ihnen der erste Vorsitzende des Fördervereins Jexhof, Rudolf Schmitt, der Landtagsabgeordnete der Grünen, Sepp Dürr, von der Bürgerstiftung des Landkreises, Dr. Georg Jakobs, sowie sein Stellvertreter, Dr. Peter Braun, eröffnete Landrat Thomas Karmasin am vergangenen Donnerstagabend die Ausstellung. Er dankte etlichen Institutionen für die Leihgaben, dem Bezirk Oberbayern für die finanzielle Unterstützung und dem Museumsteam für die Vorbereitung der Ausstellung. Musikalisch wurde die Eröffnungsfeier von dem Münchner Trio Müller, Frey & Hagelstein mit Geigen und steirischer Harmonika begleitet. Vom Museumsdirektor Dr. Reinhard Jakob erfuhren die ca. 80 Gäste, dass er sich bereits als 16-jähriger Schüler intensiv mit der Revolution beschäftigt habe. „Die These, es handelte sich damals ausschließlich um eine Revolution in den Großstädten, ist längst widerlegt“, erzählte Dr. Jakob. Die Revolution war auch aufs Land hinaus geschwappt und hat dort nachweislich viele Spuren hinterlassen. In Anlehnung an den weltberühmten Kriegs-Roman von Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“ wählte man deshalb für die Sonderausstellung „Im Westen was Neues. Revolution auf dem Lande 1918/19“. Dann drehten der Museumsdirektor und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Petra Schreiner, das Rad der Zeit zurück und ließen die historischen Ereignisse vor über 90 Jahren im Zeitraffer nochmals Revue passieren. Bei ihrer Spurensuche gingen sie vornehmlich auf die Geschehnisse ein, die sich seinerzeit im Landkreis abgespielt haben. Nach dem Aufruf von Kurt Eisner, Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USDP), am 7. November 1918 „Baiern ist fortan ein Freistaat“, bildeten sich auch im Brucker Land Bauern-, Arbeiter-, und Soldatenräte, um zukünftig den jeweiligen Legislativorganen der ausgerufenen Volksrepublik Baiern bei ihrer Regierungstätigkeit zur Seite zu stehen. Die neu gegründeten Räte konkurrierten mit den alten Eliten. Sowohl der Brucker Bezirksamtmann Nibler als auch der Magistrat ignorierten die Bitte der Räte, sie bei den Distriktausschusssitzungen beratend teilnehmen zu lassen. Nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Eisner wollte man in Bruck auch den Bezirksamtmann aus dem Amt entfernen und die Macht dem Arbeiter- und Soldatenrat übertragen. Doch Nibler weigerte sich und die Soldaten, die keine Gewalt anwenden wollten, zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Vergeblich versuchte sich anschließend die Regierung Hoffmann (SDP) zu stabilisieren. Nach Ausruf der Räterepublik wich Hoffmann nach Bamberg aus. Nach nur einer Woche war die „Baierische Räterepublik“ am Ende. Die regierungstreue Republikanische Schutztruppe – unter ihnen 60 Pioniere aus Fürstenfeldbruck – besetzte den Münchner Bahnhof. Doch sie unterlagen den Räte-Anhängern und Kommunisten in einer blutigen Straßenschlacht. Nun übernahmen die Kommunisten die Macht. Die kommunistische Räterepublik entfaltete im Umland von München gleich mehr Wirkung. Am 16. April 1919 wurden Olching und Germering von den Rotarmisten besetzt, dann gerieten Puchheim, Unterpfaffenhofen und Fürstenfeldbruck in den Einzugsbereich der Roten Armee. Von Olching griffen Rotarmisten bis nach Maisach und Gernlinden an: Lebensmittel wurden requiriert, von „rotem Terror“ aber konnte keine Rede sein. Die Regierung Hoffmann verlangte die Entsendung von Reichstruppen, um die kommunistische Räterepublik zu beseitigen. Freikorps wurden aufgestellt, auch im Brucker Land bildeten sich gegenrevolutionäre Einwohnerwehren. 35.000 Soldaten, darunter viele Württemberger und Norddeutsche, schlossen München und das Umland ein. Durch den Brucker Bezirk zogen württembergische Soldaten und Tübinger Freikorps-Studenten. Am 30. April nahmen sie Bruck ein, dann ging es weiter nach Unterpfaffenhofen, Gräfelfing, Lochham und Pasing. In Gräfelfing erschossen sie am 2. Mai 52 russische Kriegsgefangene. Am gleichen Tag fiel München: Die Räterepublik war ungeheuer blutig zu Ende gegangen. Doch der Sieg Hoffmann sollte ein Pyrrhussieg werden: Die SPD verlor viele Wähler, die Idee einer einheitlichen Arbeiterbewegung war dahin. In den 20er Jahren wurde Bayern zur rechten „Ordnungszelle“. Die Revolution habe zwar einerseits viel Geld verschlungen, andererseits waren aber die Errungenschaften durch die Revolution viel größer, beendete der Museumsdirektor die Reise in die Vergangenheit. „Um sie nicht mit Bergen von Akten zu erschlagen, haben wir Fotos, schriftliche Dokumente wie Flugblätter, öffentliche Aufrufe und Zeitungsartikel und zwei Filme für die Ausstellung verwandt, aber auch Hörstationen eingerichtet“, informierte Dr. Jakob abschließend und lud zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein.

Meistgelesene Artikel

Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

Fürstenfeldbruck – Brucks 53-jähriger Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) ist nach Feststellung einer amtsärztlichen Untersuchung auf Dauer …
Bedrückende Stimmung im Sitzungssaal

"Probleme vor Ort lösen"

Fürstenfeldbruck – Die Bewältigung der Flüchtlingskrise war das beherrschende Thema beim Neujahrsempfang der Brucker CSU im Churfürstensaal des …
"Probleme vor Ort lösen"

Drei Autos prallen gegen Bäume

Landkreis - Gleich dreimal passierte es, an drei verschiedenen Stellen: Autofahrer prallten gegen Bäume, nachdem sie die Kontrolle über ihren Wagen …
Drei Autos prallen gegen Bäume

Kommentare