Die erste Frau im Huosigau

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Max Bertl, Vorsitzender vom Bayerischen Trachtenverband ehrt Rosemarie Sollinger beim Ehrenabend in Gröbenzell für ihre 40-jährige Tätigkeit als Schriftführerin beim Huosigau mit der Lehrer Vogl-Medaille.

Gröbenzell – 1974 wurde Deutschland Fußballweltmeister und Helmut Schmidt Bundeskanzler. In den Staaten musste Präsident Richard Nixon wegen der Watergate Affäre abtreten und im Huosigau ist Rosemarie Sollinger als Schriftführerin angetreten.

Nach 40 Jahren in der ersten Reihe ist sie jetzt – auch anlässlich ihres 75. Geburtstags – in die zweite Reihe zurückgetreten. Aus diesem Grunde ehrten nahezu 200 Trachtler aus den 28 Huosigau-Vereinen ihre „Gau-Mama“ mit einem großen Fest im Gröbenzeller Freizeitheim, das zugleich auch die Heimat des Trachtenvereins ist, dem Rosemarie seit früher Jugend angehört und für den sie seit 32 Jahren die Kasse führt: der Heimat- und Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Almfrieden Gröbenzell.

Rosemarie Sollingers Karriere und Geschichte im Huosigau ist einmalig: Vor 40 Jahren war sie das erste weibliche Vorstandsmitglied in der Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau, der heute über 8500 Trachtler in den Landkreisen Weilheim, Starnberg, Landsberg und Fürstenfeldbruck sowie im Raum München angehören.

Zu ihrem Abschied aus dem aktiven Ehrenamt in vorderster Reihe ist ein grandioses Überraschungsfest gelungen: Als Rosemarie Sollinger den vollbesetzten Saal betrat und alle aufstanden, um sie mit minutenlangem Applaus zu begrüßen, brauchte sie ihrerseits ganz schön lang, bis sie realisierte, dass die Ehrenbezeugung ihr galt. (Sie war offiziell zu einer fingierten Veranstaltung geladen.) Auch die Gau-Prominenz feiert mit. Von der Vorstandschaft mit Sepp Kaindl, Uschi Sieber, Wolfgang Kurz und Monika Bösl bis zu den Ehrenmitgliedern Hans Schmid und Poldl Pfaffl sowie dem Gau-Ehrenvorsitzenden Lenz Häringer.

Die Vorstandschaft vom Bayerischen Trachtenverband (250000 Mitglieder) war vertreten, vorneweg mit Vorsitzendem Max Bertl. „Die vielen Leute im Saal zeigen die hohe Wertschätzung für unsere Rosi“, freute sich der Vorsitzende des Trachtenvereins Gröbenzell, Ralf Hollenbach. „Entsprechend des seltenen Anlasses sind auch viele besondere Gäste da“, fuhr er fort und bat Gröbenzells Bürgermeister Dieter Rubenbauer ans Mikrofon. 

„Wenn ich an den Trachtenverein denke, sind die Gedanken immer mit Dir und Deinem Gesicht verbunden“, sagte Rubenbauer und erinnerte an die Zeit, als Rosemarie Sollinger ihre Ämter übernommen hatte. Damals habe er noch in den Windeln gesteckt. „Du hast den Namen Gröbenzell hinausgetragen in der Welt. Du hast uns einen guten Ruf verschafft.“ Für Bertl war die Rosi „stets eine schneidige Trachtlerin, die unentwegt das Positive nach Außen brachte.“

Innig bedankte sich Bayerns oberster Trachtler „für 40 Jahre Niederschrift.“ „Wer schreibt, bleibt“ zitierte er eine alte Erkenntnis. Wie wichtig die Niederschriften seien, erspüre man, wenn man darin liest. Deshalb seien die Schriftführer „so unbändig wichtig.“ Addiere man zu den 40 Jahren Arbeit im Huosigau-Vorstand noch das Ehrenamt im Gröbenzeller Verein ergäbe das 72 Jahre aktiven Dienst für die Trachtensach’, schmunzelte Bertl und übergab Sollinger die Lehrer Vogl-Medaille – das Ehrenzeichen des Bayerischen Trachtenverbands.

In 40 Jahren habe Rosemarie Sollinger vier Gauvorsitzende „überlebt“, 13 Mal habe sie als Schriftführerin kandidiert und 13 Mal wurde sie auch gewählt. Beeindruckende Zahlen fasste Sepp Kaindl zusammen in seiner Laudatio für die erste Frau, die vor 40 Jahren in die Männerdomäne vordrang, „das war damals schon eine richtige Revolution.“

„Ihr habt mich derart überrascht, dass ich gar nichts sagen kann“, bedankte sich Rosemarie Sollinger. Das sei in 40 Jahren nicht passiert, dass Rosi nichts mehr eingefallen ist, war die Gesellschaft einig und dass es ein zweites Mal „Standing Ovations“ gab ebenfalls.

Beim Ehrenabend wirkte die Gaugruppe mit, die Hochberghauer Klarinettenmusi und der Jaudesberger Dreig’sang. Es gab Plattler-Einlagen, den Steckertanz, den Sternentanz und Lieder mit de Gröbenzeller Jugendzwoagsang Franzi und Kathi.

Zum Schluss noch ein gemeinsames Lied, das der Kaindl Sepp nach der Melodie von „Unterm Dach juchee, da hat der Sperling seine Jungen“ gedichtet hat: „Wir wünschen dir noch recht viel Zeit mit unserm Huosigau, so was wie di gibt’s nicht noch mal, die bist echt a Schau.“

Beate Bentele

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