Gröbenhüter würdigen das Jubiläum mit einer Ausstellung -  Französische Kriegsgefangene erbauten Brücke

100 Jahre "Russenbrücke"

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Fernand Alauzen war einer der französischen Gefangenen, die beim Bau der Russenbrücke im Einsatz waren.
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Bei der Ausstellungseröffnung: der Gröbenhüter-Vorsitzende Rudi Ulrich (l.), Museumsleiter Albert Donhauser (2. v. l.) und Walter Ensinger (r.), der viel zur Historie der Russenbrücke herausgefunden hat.
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 Die Russenbrücke nach ihrer Sanierung.
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Eine historische Aufnahme der Russenbrücke.
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Die Bauarbeiten an der Russenbrücke durch französische Kriegsgefangene sind durch zahlreiche alte Fotos dokumentiert.

Gröbenzell – Die denkmalgeschützte Russenbrücke wird 100 Jahre alt. Die Gröbenhüter würdigen das Jubiläum mit einer Ausstellung im Heimat- und Torfmuseum. Neben einigen Bauteilen, die bei der Sanierung der Brücke in den vergangenen beiden Jahren übrig geblieben sind, gibt es vor allem viel zum historischen Hintergrund zu erfahren. So zum Beispiel auch, warum die Russenbrücke eigentlich Franzosenbrücke heißen müsste.

 Die Bezeichnung „Russenbrücke“ rührt daher, dass der Volksmund alle Brücken, die von Kriegsgefangenen in der Umgebung des Lagers in Puchheim gebaut wurden, als „Russenbrücken“ bezeichnet.

 Tatsächlich jedoch wurde das zwölf Meter lange und fünf Meter Breite Bauwerk nicht von den russischen Gefangenen in Puchheim errichtet, sondern von Kriegsgefangenen, die im Eschenhof in Eschenried untergebracht waren – und das waren Franzosen. Viele wissenswerten Daten zum Bau der Brücke hat Gröbenzells Gemeinderat Johann Böhmer zusammengetragen. Als Quelle diente ihm ein Augenzeuge: Der Gröbenzeller Hans Scheidler war als 17-Jähriger selbst beim Bau der Brücke dabei. Dessen Vater Johann Scheidler hatte die Arbeiten im Auftrag des Kulturbauamtes geleitet. Und auch vom Verwalter des Müllerstadls Anton Müller oder dem Enkel des „Ziller Hias“, Adolf Spiegelberger, sowie im Staatsarchiv München und dem Archiv der Gröbenhüter fand Böhmer wichtige Hinweise.

Ein anderer Gröbenzeller gibt den französischen Arbeitern ein Gesicht. Der Bauingenieur Walter Ensinger, der seit 25 Jahren in Gröbenzell lebt, hatte sich lange Zeit wenig für die Ortsgeschichte interessiert. „Als ich im Ruhestand mehr Zeit hatte, bin ich auf die Russen- beziehungsweise Franzosenbrücke gestoßen“, sagt er. Bei einee Recherche im Internet hat er viele Informationen zum Gefangenenlager im Eschenhof gefunden. Unter anderem stieß er dabei auch auf den in Südfrankreich geborenen Fernand Alauzen. Im ersten Weltkrieg wurde Alauzen durch einen Schuss ins Knie verwundet und geriet in Gefangenschaft.

Fotos, die in der Ausstellung im Heimat- und Tormuseum zu sehen sind, dokumentieren seine Arbeit an der Brücke. Ensinger will weiterforschen. So ist überliefert, dass die Russenbrücke auch von einem Franzosen entworfen wurde. Um wen es sich dabei handelt, das will Ensinger nun herausfinden. Ausführlich dokumentiert ist außerdem die Sanierung der Brücke 2014/2015, bei der Werner Urban von den Gröbenhütern mit der Kamera stets dabei war.

 Neben den Bilddokumenten können die Besucher unter anderem auch Schotter von der Brücke und einen massiven Bohrkern bestaunen. Die Ausstellung ist noch bis 24. Juli jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr im Heimat- und Torfmuseum, Rathausstraße 3, geöffnet.

Sonderführungen können unter Telefon 08142/9636 oder 08142/53777 vereinbart werden. Am 4. Juni veranstaltet die Gemeinde anlässlich des Jubiläums außerdem ein Brückenfest auf der Russenbrücke. Auch hier beteiligen sich die Gröbenhüter mit einer Infotafel. „Außerdem stiften wir eine Ruhebank, damit man die Tafel in aller Ruhe ansehen kann“, kündigte der Vorsitzende der Gröbenhüter, Rudi Ulrich, bei der Ausstellungseröffnung an.

Andreas Daschner

 

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