Für ein sauberes Internet - Europäisches Pilotprojekt an der Berufsschule

Acht Milliarden Internet-Seiten gibt es weltweit. Zwölf Prozent haben pornografischen Charakter. „Das sind 960 Millionen Seiten.“ Mit dieser alarmierenden Zahl eröffnete die Leiterin der Staatlichen Berufsschule Fürstenfeldbruck, Oberstudienrätin Andrea Reuß, die Pressekonferenz zur Vorstellung des größten europäischen Pilotschulen-Programms „Kinder- und Jugendschutz im Internet“, an dem auch die Brucker Berufsschule teilnimmt.

„Bei der freien Informationssuche im Internet kann es zwar einen hohen, doch leider keinen allumfassenden Schutz geben. Dies sollte uns aber nicht davon abhalten, wirksame Filtertechnologien einzusetzen, die zum Beispiel im Bereich Pornografie über 95 Prozent sperren können“, betonte Reuß. Die Berufsschule Fürstenfeldbruck hat sich bereits im September 2008 für das Pilotschulen-Programm angemeldet. Inzwischen nehmen weitere Schulen aus dem Landkreis, wie beispielsweise die Grundschule an der Philipp-Weiß-Straße in Fürstenfeldbruck oder die Volksschule Günzlhofen in Oberschweinbach am Pilot-Projekt teil. Landrat Thomas Karmasin (CSU), der die Patenschaft für das Projekt, das von der gemeinnützigen TIME for kids Foundation mit Sitz in Berlin durchgeführt wird, übernommen hat, setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet in allen Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie zuhause in den Familien ein. „Es ist wichtig, dass unsere Kinder und Jugendlichen mit dem Medium Internet umgehen lernen, aber altersspezifisch vor Gefahren wie Gewalt, Drogen und Pornografie geschützt werden“, befürwortet Karmasin das Pilot-Programm und empfiehlt es auch für den Heim-PC. Der Geschäftsführer der als Non-Profit-Organisation im Bildungsbereich tätigen TIME for kids Foundation, Andreas Klett, erläuterte den „Schulfilter Plus“. Der Wirkungsgrad des Schulfilters liege in Sachen Pornografie bei 95 Prozent, bei Gewalt und Drogen bei 85 Prozent und im Bereich politischer Extremismus bei 80 Prozent. Insgesamt 60 Kategorien besitze der Filter, die von den Lehrern gesperrt oder freigegeben werden können. Gleichwohl sei eine Nutzung für Recherchen aber gewährleistet. Der Filter arbeite mit künstlicher Intelligenz, analysiere die Semantik und auch den Anteil nackter Haut auf Internet-Seiten. „Also weit mehr als nur ein Wortfilter, der dazu führt, dass bei dem Wort „Sex“ auch Seiten mit dem Wort „Staatsexamen“ nicht mehr aufgerufen werden können“, lobte Klett den Schulfilter Plus, der weit mehr könne als die kostenlos angebotenen Filter, die nach Ansicht von Klett auch kaum wirksamen Schutz bieten. Nur 25 Prozent der Internet-Seiten sind bildungsrelevant, meinte der Systembetreuer der Berufsschule, Hermann Dopfer, der vorführte, wie der Schulfilter in der Praxis administriert wird. Er begrüßte den Einsatz des Schulfilters, weil Lehrkräfte in ihrer Aufsichtspflicht erheblich entlastet werden. „Die Schüler kommen erst gar nicht in Versuchung, sich während des Unterrichts im Internet über die neuesten Handys, Musikgruppen oder Sportergebnisse zu informieren oder einfach nur mit Mitschülern in Chats Mitteilungen auszutauschen“, so Dopfer. Der Systembetreuer rät nicht nur allein wegen des Jugendschutzes zu dem Filterprogramm, sondern auch wegen der rechtlichen Absicherung. „Wenn Schüler im Internet etwas Verbotenes tun, kann ganz schnell die Kripo auf der Matte stehen.“ Dass die Vorsorge in den Schulen nur die halbe Miete ist, darin waren sich alle an der Pressekonferenz Beteiligten einig. Neben Schulen und Jugendeinrichtungen muss auch das Elternhaus mitziehen, wenn ein umfassender Schutz gewährleistet sein soll.

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