Schwimmabteilung des SV Mammendorf organisierte Schwimmkurs für die in der Gemeinde lebenden Flüchtlinge

"Wir lassen Euch nicht untergehen"

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Die Schwimmabteilung des SV Mammendorf organisierte einen Schwimmkurs für die in der Gemeinde lebenden Flüchtlinge.

Mammendorf – „Wir lassen Euch nicht untergehen!“ Unter diesem im wahrsten Sinne des Wortes doppelt passenden Motto organisierte die Schwimmabteilung des SV Mammendorf einen Schwimmkurs für die in der Gemeinde lebenden Flüchtlinge. Ende Juni trafen sich erstmals acht Asylbewerber zur praktischen Unterweisung im Mammendorfer Freibad. Fünf Trainerinnen des Schwimmvereins stellen sich neben ihren normalen Schwimmkursen für die und die nächste Woche ehrenamtlich zur Verfügung, um den 18 bis 34-jährigen Asylbewerbern aus Eritrea, Somalia, Senegal und Irak das Schwimmen beizubringen. 

 „Wir wollten im vergangenen Jahr bereits einen Schwimmkurs für die Asylbewerber organisieren“, berichtete Viola Hofbrucker vom Mammendorfer Helferkreis. Nachdem das aber nicht klappte, habe man sich den Kurs für heuer auf die Fahnen geschrieben. „Das hat nichts mit den beiden im Landkreis inzwischen leider ertrunkenen Flüchtlingen zu tun“, so Hofbrucker. „Ursprünglich sollte der Kurs schon vorher stattfinden.“ Auch wenn die Schwimmtrainerinnen, wie Roswitha Reiser berichtete, Gegenwind zu spüren bekamen, so haben sich alle einhellig dafür ausgesprochen, den Kurs durchzuführen. „Wegschauen, weghören oder gar Vorurteile haben, das kommt für uns überhaupt nicht infrage“, so die einmütige Aussage der Trainerinnen. Andererseits bekamen die Trainerinnen aber auch viel Anerkennung für ihr Engagement, so Reiser. So spendete das familiäre Umfeld und Bekannte der Trainerinnen Badetücher und Duschgel. 

Viola Hofbrucker vom Asylhelferkreis (li.) und Roswitha Reiser vom Schwimmverein (re.)

Die Badehosen wurden von der ortsansässigen Firma Ariella gestiftet, und die Sparkasse unterstützte die Aktion mit Sachspenden. „Wir müssten eigentlich weitere Kurse abhalten“, meinte Viola Hofbrucker, denn die Warteliste derer, die sich zum Kurs angemeldet haben, sei lang. Eigentlich können alle 84 Asylbewerber aus Mammendorf nicht wirklich schwimmen, so Hofbrucker. Das Landratsamt habe die Teilnehmerzahl pro Kurs aus Gründen der Sicherheit auf acht Teilnehmer beschränkt. Hofbrucker glaubt, dass aufgrund der bald beginnenden Ferienkurse auch keine Möglichkeit besteht, weitere Kurse für die Flüchtlinge durchzuführen. Im Vorfeld des Kurses hatten sich die Trainerinnen mit der Asylproblematik beschäftigt, sogar einen Vortrag der Volkshochschule besucht, berichtete Roswitha Reiser. „Da wurde spätestens jedem klar, wie wenig man weiß über das ganze Ausmaß des Elends und grausamer Unmenschlichkeit, dem die Menschen in ihrer Heimat ausgesetzt waren.“

Erstaunt zeigten sich die Trainerinnen, dass die Asylbewerber alle nicht schwimmen können. „Es kann doch nicht sein, dass die Flüchtlinge die Höllenfahrt ihrer Flucht über das Mittelmeer überlebten, bei uns aber durch Unwissenheit und nicht schwimmen können, qualvoll ertrinken“, meinte Reiser. Man wolle den Flüchtlingen beibringen, dass sie zukünftig im See oder Fluss baden gehen können und dass sie gefeit sind, wenn plötzlich Strömungen und überraschende Tiefen auftauchen. „Wir haben mit ihnen im Vorfeld auch schon einen „Trockentraining“ in ihrem Asylbewerberheim durchgeführt“, berichtete Reiser. „Die verstehen inzwischen ganz gut deutsch.“ Die Massenbezeichnung „Asylbewerber“ trage kein Gesicht, meinte Viola Hofbrucker vom Helferkreis. „Wenn Sie die Menschen aber näher kennenlernen, dann erkennen sie, dass es Menschen sind wie du und ich.“ Und Reiser ergänzte: „Sie haben uns ihre Geschichte erzählt und wir kennen inzwischen alle mit Vornamen. Es gehört viel mehr Aufklärung in der Bevölkerung betrieben“, meinte Reiser. „Vielleicht gelingt es uns ein Brücke für mehr Verständnis und Menschlichkeit zu bauen. Wir freuen uns auf diese Aufgabe, und wenn zum Ende des Schwimmkurses alle mit den Regeln im Umgang mit Wasser vertraut sind, und sich mit einem Lächeln bedanken, dann macht uns Schwimmtrainer das glücklich und sehr froh.“

 Dieter Metzler

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