Der Flugsportgemeinschaft Fürstenfeldbruck droht der Verlust der Werkstatt

Segelflieger suchen Bleibe

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Der Besuch einer 7. Klasse in der Werkstatt der Flugsportgemeinschaft Fürstenfeldbruck soll mehr Jugendliche für das Segelfliegen begeistern.

Fürstenfeldbruck - Seit über 65 Jahren besteht die Flugsportgemeinschaft Fürstenfeldbruck im Landkreis, doch damit könnte bald Schluss sein. Nach der Konversion des Fliegerhorstes in Fürstenfeldbruck, läuft nun auch der Pachtvertrag für die Werkstatt hinter der Klosterkirche zum 31. Dezember aus. Der Verein hat zirka 40 Mitglieder und will nun vermehrt mit Schulen zusammenarbeiten um so neue Mitglieder anwerben und den Verein zu retten.

Jeden Tag verbringt Mario Selss zwei bis drei Stunden in der Werkstatt der Flugsportgemeinschaft und leimt, bohrt und restauriert einen 120 Kilogramm schweren Oldtimer-Segler aus dem Konstruktionsjahr 1937. „Wir machen hier 80 Prozent selbst“, erzählt er. Selss steckte über 900 Stunden Arbeit in das Modell, dass von 1951 bis 52 gebaut wurde. Der Oldtimer sei sein fünftes Oldtimer-Flugzeug. „Segelfliegen ist ein Gemeinschaftssport“, erzählte der Pilot. Zusammen mit fünf Mitgliedern fährt er jedes Wochenende zum Segelfliegen. Mit dreizehn Jahren flog er zum ersten Mal: „Den ersten Alleinflug vergisst man nie.“ Mittlerweile absolvierte der gelernte Kfz-Mechaniker und spätere Bürokaufmann bereits über 12.000 Flugstunden - vergleichbar mit dem Pensum eines Lufthansa Piloten. Nachdem die Flugsportgemeinschaft den Fliegerhorst verlassen musste, suchten sich die Mitglieder einen neuen Flugplatz. Die Anfragen in Oberpfaffenhofen, Garmisch-Patenkirchen und Aichach verliefen zunächst ergebnislos. „Wir brauchen eine Halle in der unser Doppelsitzer aufgebaut stehen kann“, erzählte Selss. Der Flugplatz Dachau-Gröbenried sei zu stark frequentiert und außerdem dürfe aufgrund der Nähe zu München dort nur maximal bis 600 Meter Höhe geflogen werden. „Da ist der Deckel drauf“, sagte er. Segelflieger benötigen jedoch mindestens 1.000 Höhenmeter und mehr zum Segeln. „Und der Flugplatz in Jesenwang fällt weg, da die Startstrecke zu kurz und die Grundfläche zu klein ist“, sagte Selss. Das würde den Motorflugbetrieb zu lange blockieren.

Erst auf dem 120 Kilometer entfernten Flugplatz Aalen-Elchingen in Baden-Württemberg wurden sie fündig. Die Gruppe fährt jedes Wochenende die etwa 120 Kilometer lange Strecke, übernachtet dort, fliegt und tritt den Rückweg an. „Wir können mit diesem Aufwand leben, aber wenn die Werkstatt wegfällt, wäre das das Ende des Vereins“, sagte Selss. Dieser Fall könnte bald eintreten, da der Pachtvertrag für die Werkstatt im Dezember diesen Jahres ausläuft. „Wir haben in der Werkstatt alles drin und verbringen mindestens einen Abend in der Woche in der Werkstatt um wichtige Arbeiten durchzuführen,“ erzählt Selss. Dem Verein wurde der Vertrag gekündigt, da auch andere Vereine mit mehr Mitgliedern Vereinsräume benötigen, sagte Bürgermeister Erich Raff. Dennoch möchte er sich mit den Mitgliedern der Flugsportgemeinschaft Ende Juli treffen. Ein geeignetes Ersatzgebäude für die Segelflieger im Landkreis zu finden, sei jedoch höchst unwahrscheinlich.

1. Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, der schon früher mit dem Verein in Verbindung stand, sicherte Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Bleibe zu. Die letzte Hoffnung für den Verein ist deshalb eine Pachtverlängerung: „Wenn wir mehr Mitglieder hätten, könnten wir vielleicht eine Verlängerung des Vertrages bewirken“, hofft Selss. Deshalb sucht der Verein neue Mitglieder, die in der Werkstatt mitarbeiten möchten. „Viele Jugendliche orientieren sich häufig an den typischen Ausbildungsberufen, wie Kfz-Mechatroniker“, sagt Elisabeth Lintner, Lehrerin an der Emmeringer Mittelschule. Sie möchte den Schülern auch Einblicke in eher weniger bekannte Berufszweige geben, wie den eines Flugzeugbauers. Zwei Klassen besuchten deshalb die Flugsportgemeinschaft in ihrer Werkstatt. „Drei Schüler haben Interesse am Segelfliegen bekundet“, erzählt Selss nach dem Vortrag vor den Schülern. In zwei Wochen kommen noch einmal drei Klassen. Neben der Mitgliedschaft im Verein bestehe die Möglichkeit eines Vorpraktikums für die Ausbildung zum Flugzeugbauer bei den Fliegern.

Felix Hamann

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