Seit 1881: Forstlicher Versuchsgarten Grafrath - Jubiläumsveranstaltungen zur bayernweiten 17. Woche des Waldes

Bayer. Forstverwaltung vor Ort: (v.li.) stv. Forstbetriebsleiter Peter K. Graser, Versuchsgartenleiter Manfred Heilander, Revierförster Andreas Brem mit dem Luzerner Laufhund ‚Ameise’. Alle Fotos: Günter Schäftlein

Der lange Zeiten nur dem wissenschaftlichen Lehrbetrieb vorbehaltene Forstliche Versuchsgarten in Grafrath ist bereits seit 130 Jahren im Landkreis zu Hause. Ein Grund zum Feiern mit allen Bürgern, in schönster, gesunder Umgebung - und mit einem buntgemixten, zweitägigen Programm.

Irgendwie hat man es ja dem ‚Kini’ Ludwig II. zu verdanken, dass der Wald insgesamt in der allgemeinen Wertschätzung stieg und fünf Lehrstühle für Forst-Botanik an bayerischen Universitäten zu seinem Wohle eingerichtet wurden. Seit dem mächtigen staatlichen Wald-Zuwachs durch die kirchlichen Enteignungen im Säkularisationsjahr 1803 war der Wald ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Königreich geworden. Und so kam es 1881 zur Gründung des Grafrather Versuchsgartens für alle in- und ausländischen Gehölze, der heute 34 Hektar Fläche umfasst. Bei der Jubiläumseröffnung zur „Langen Nacht des Waldes“ sprach Prof. Dr. Dr. Reinhard Mosandl von der TU München/Weihenstephan die Entwicklung des Versuchsgartens ab 1895 unter Leitung von Dr. phil. Heinrich Mayr an. Der wurde noch als junger Forstrat 1886 auf eine fünfjährige Nordamerikareise geschickt, was 1891 unter dem Buchtitel „Die Waldungen von Nordamerika“ seinen forstwissenschaftlich sehr beachteten Niederschlag fand. Heinrich Mayr bereiste aber auch noch Länder wie Japan (hier erhielt er eine Professur an der Uni in Tokio), China, Indonesien und Indien, was sich für die Holz- und Pflanzenstruktur des Grafrather Bestandes vorteilhaft auswirkte. Leider war ihm nur ein kurzes Leben beschieden: Er starb mit 57 Jahren 1911 während einer Vorlesung durch einen Schlaganfall. Die „Lange Nacht des Waldes“ war nicht nur eine Grafrather Angelegenheit, sondern wurde im Freistaat in über 30 Wäldern gefeiert, von Würzburg über München bis Ruhpolding. Martin Neumeyer, Amtschef im Bayer. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sprach in Vertretung für den verhinderten Minister Helmut Brunner die wichtig gewordene, waldbezogene Bildungsarbeit an - auch als ein UN-Projekt. Schon vor 250 Jahren hätte es hierzu erste Vorlesungen an der Universität Ingolstadt gegeben. „Wälder haben eine existenzielle Bedeutung, bringen einen wichtigen Beitrag zum Leben auf diesem Planeten.“ Neumeyer erinnerte daran, was Wälder alles speichern, an Wasser und Nachwachsendem. Was sie filtern und entsorgen, insbesondere aus der Luft. Das wäre ein Stück Lebensqualität und würde noch immer ein Drittel der gesamten Fläche Bayerns umfassen. In der Mehrheit für jedermann und kostenlos zugänglich. Zum Glück würde heute im Freistaat mehr nachgepflanzt als Holz geschlagen. Und: Der Wald ist ein Biotop für viele Tiere. Martin Neumeyer dankte für die Arbeit der Gruppe ‚Agenda 21’ aus Grafrath, Kottgeisering und Schöngeising. Nach der Begrüßung der zahlreichen Besucher durch Hans-Jürgen Gulder als Leiter des Brucker Landwirtschafts- und Forstamtes warf Grafraths Bürgermeister Dr. Hatwig Hagenguth einen Blick auf die jüngere Vergangenheit des Versuchsgartens und einige allgemein registrierte Merkwürdigkeiten. Das Programm am Samstagabend - veranstaltet von der lokalen Agenda 21 - setzte musikalisch das Grubalm-Klarinetten-Trio fort, wozu die GröbenExen Gabriele Wenng-Debert, Petra Neumaier, Brigitte Hummel und Veit-Peter Walther ihre textlichen Beiträge vortrugen. Und auch dabei ging es doch häufiger um „Waldesruh“, „Natur pur“, „Grüß Gott, du schöner Wald“, „Ein Baum in Afrika“ oder auch schlichtweg um „Wald“. In Prosa oder als Gedicht. Für den späteren Abend wurde noch ein kerzenbeleuchteter Romantikwanderpfad angeboten, garniert von verschiedenen Musikgruppen.

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